Gekidnappt und verprügelt

Prozess um Vorfälle in Hersfelder Shisha-Bar bleibt rätselhaft

Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).
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Der Prozess, bei dem es um Vorkommnisse im Zusammenhang mit einer Shisha-Bar geht, wurde im Gericht in Bad Hersfeld fortgesetzt (Symbolbild).

Hochemotional wurde am Dienstag vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld der Prozess um Prügel in einer örtlichen Shisha-Bar fortgesetzt.

Erst weinte der Zeuge, dann kamen auch dem Angeklagten die Tränen. Und obwohl sich das immer noch verängstigte Opfer ein Herz fasste und umfassend aussagte, und obwohl sich sein mutmaßlicher Peiniger wortreich entschuldigte („Das hätte nie passieren dürfen, ich bitte um Vergebung!“), blieben die Vorgänge vom 29. September vergangenen Jahres noch immer rätselhaft.

Ein aktuell flüchtiger Cousin des Angeklagten hatte den Berufsfachschüler in einem Döner-Imbiss in der Innenstadt „einkassiert“ und in die Bar gefahren, wo der 20-Jährige gelegentlich aushalf. Dort warfen ihm die beiden Cousins vor, unentschuldigt der Arbeit ferngeblieben zu sein („Willst du mich verarschen?“). Erst setzte es Ohrfeigen, dann Stockschläge. Außerdem soll der Schüler mit kochend heißem Wasser übergossen worden sein.

Im Hersfelder Klinikum wurden später am Abend zwar keine Verbrühungen, aber Prellmarken, Schwellungen, Schürfwunden und Würgemale festgestellt. Dort tauchte dann auch noch der 26-jährige Bar-Chef auf, räumte zwei Ohrfeigen ein, entschuldigte sich und versuchte, eine Strafanzeige zu verhindern. Auch in der Folgezeit wurde die Familie des Schülers mehrfach gedrängt, die Anzeige zurückzuziehen.

Daraus resultierte wohl auch die Angst, die der 20-Jährige vor weiteren Repressalien empfand. So mussten ihm die Gerichtsvorsitzende, Richterin Christina Dern, und Staatsanwalt Andreas Hellmich buchstäblich die Würmer aus der Nase ziehen, um eine vollständige Aussage zum Vorfall in der Bar zu erhalten. Auch die Schwester des Schülers berichtete, wie schwer sich ihr Bruder mit der Aufarbeitung des Geschehens tut. Er wolle jetzt nur noch seine Ruhe.

Der Zeuge berichtete dann allerdings von einem weiteren Opfer der beiden Cousins. Zur selben Zeit, als er in einem Kellerraum der Bar misshandelt wurde, habe dort auch ein anderer Mitarbeiter mit blutigen Wunden gelegen und habe wie er weitere Schläge bezogen.

Dieser junge Mann wollte von „Stress“ mit den Bar-Betreibern nichts wissen, er sei an diesem Tag überhaupt nicht vor Ort gewesen.

Auch ein weiterer Zeuge, der dem verletzten Schüler danach angeblich eine Decke und ein frisches T-Shirt gegeben hatte, verneinte dies. Der Prozess wird fortgesetzt.

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