Belastungszeugin hatte maßlos übertrieben

Prozess in Bad Hersfeld: Vermeintlicher Serien-Dealer zu acht Monaten Haft verurteilt

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Bad Hersfeld. Zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten hat das Amtsgericht einen 22 Jahre alten Bosnier verurteilt  - wenngleich die ursprüngliche Anklage stark geschrumpft war.

Es war wohl die Rache für das Aus ihrer Beziehung, die eine damals 16 Jahre alte Schülerin aus Bad Hersfeld veranlasste, ihren Ex-Freund als Rauschgift-Dealer bei der Polizei anzuschwärzen. Vor dem Schöffengericht des örtlichen Amtsgerichts schrumpfte die Anklage von mehr als 150 Fällen jedoch auf eine Handvoll Punkte zusammen, die einem 22 Jahre alten Bosnier aber immer noch eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung einbrachte.

Die Belastungszeugin, die ihren Ex des Handels mit Marihuana in 140 Fällen bezichtigt und das Betäubungsmittel selbst mehrere Male von ihm zum Mitrauchen erhalten hatte, erschien mit anwaltlichem Beistand im Zeugenstand und verweigerte zunächst unter dem Hinweis auf die eventuelle eigene Straffälligkeit durch falsche Anschuldigung und den Rauschgiftkonsum die Aussage. Als Zeuge muss man sich nämlich nicht selbst belasten.

Staatsanwalt Patrick Greyer und das Gericht hielten diese Vorgehensweise jedoch in Teilen für unzulässig. Weil der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt und sogar einschlägig vorbelastet war und bei einer Durchsuchung seines Zimmers mehrere Rauschgift-Utensilien sowie ein verbotenes Butterflymesser gefunden wurden, begann nun buchstäblich eine „Verhandlung“, an deren Ende ein Teilgeständnis und nun doch eine substanzielle Aussage der Schülerin standen.

Ein Fall des Handels, der Besitz von Marihauna und Cannabis sowie der Verstoß gegen das Waffengesetz ergaben acht Monate Freiheitsentzug, der für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Strafmaß lag zwischen den Anträgen von Anklage und Verteidigung. Zusätzlich verhängten Richter Michael Krusche und die beiden Schöffen 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. Einbezogen wurden zudem Geldauflagen aus einer früheren Verurteilung und einem Strafbefehl. (jce)

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