Prozess in Bad Hersfeld

27-Jähriger verurteilt: Er schlug in Shisha-Bar zu

Symbolbild Gericht HNA
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Justitia

Im Amtsgericht in Bad Hersfeld ist am Freitag (17.07.2020) der Prozess gegen einen 27-jährigen Shisha-Bar-Inhaber zu Ende gegangen.

Bad Hersfeld - Der Verurteilte war unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, weil er gemeinsam mit einem Cousin gleich zwei in der Bar Beschäftigte massiv attackiert und bedrängt hatte. Dabei ging es um drei Taten (wir berichteten).

Verurteilt wurde er nach mehreren Verhandlungstagen nun zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und neun Monaten – ausgesetzt zur Bewährung, wobei der Bewährungszeitraum drei Jahre beträgt. In diesem Zeitraum ist der Mann einem Bewährungshelfer unterstellt, er muss dem Gericht jeden Wohnsitzwechsel melden, und er darf nicht erneut straffällig werden.

Darüber hinaus muss der Verurteilte Schmerzensgeld zahlen, das in einem Fall 400 Euro und im anderen 3000 Euro beträgt. Gegen das Urteil könnten er und sein Verteidiger Artak Gaspar innerhalb von einer Woche noch Revision oder Berufung einlegen.

Prozess in Bad Hersfeld: Vorwurf - Einfache und schwere Körperverletzung

Das Gericht sah im einen Fall eine einfache Körperverletzung, in den beiden anderen Fällen aber eine gefährliche Körperverletzung, wobei einmal auch ein gefährliches Werkzeug zum Einsatz gekommen sei.

Dass die Freiheitsstrafe nach ausführlicher und kontroverser Diskussion des Gerichts trotz deren Höhe zur Bewährung ausgesetzt wurde, begründete Richterin Christina Dern unter anderem damit, dass der Angeklagte bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, und das unter erschwerten Corona-Bedingungen. Diese Erfahrung habe offenbar nachhaltig Eindruck gemacht, so Dern. Zudem habe der 27-Jährige den „Schaden“ bereits teils wiedergutgemacht, am Ende ein Geständnis abgelegt und sich zumindest beim ersten Opfer vor Gericht wort- und tränenreich entschuldigt. Die Bewährungsstrafe sei für den frisch Verheirateten somit auch als Chance zu verstehen, „das Ruder rumzureißen“, mahnte Dern.

Während die unmittelbar beteiligten Zeugen sich vor Gericht vorwiegend vage und einem Fall sogar bewusst falsch geäußert hätten, hätten die ebenfalls als Zeugen geladenen Polizisten die Angst und die Verletzungen der Geschädigten bestätigt. Zudem wurden Videoaufzeichnungen ausgewertet und ärztliche Attests über die Verletzungen berücksichtigt.

Prozess in Bad Hersfeld: Klima der Angst bei den Opfern

Das Gericht sah letztlich bestätigt, dass der Angeklagte zunächst im September 2019 einen Mitarbeiter, der zuvor nicht zur Arbeit erschienen und an einem Döner-Imbiss „einkassiert“ worden war, geohrfeigt hatte, wobei es sich in der besonderen Situation nicht bloß um eine Backpfeife im Vorbeigehen, sondern um eine Misshandlung gehandelt habe.

Das zweite Opfer, das ausstehenden Lohn eingefordert habe, sei dann im Dezember 2019 zunächst geschlagen und verfolgt worden, und nachdem es im Krankenhaus behandelt worden war, am Seilerweg erst mit einem Auto angefahren und anschließend erneut brutal, schon am Boden liegend geschlagen und getreten worden, wobei eine Stange oder ein Rohr genutzt worden sein soll. Dern sprach von einer Vergeltungsaktion und Machtdemonstration sowie einem Klima der Angst bei den Opfern.

Der involvierte Cousin wird gesondert verfolgt.

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