Dr. Johannes Flicker läuft Sturm gegen Kassenärztliche Vereinigung

Protest gegen zentrale Terminvergabe: Radiologe fürchtet um gute Versorgung 

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Protestiert: Dr. Johannes Flicker.

Hersfeld-Rotenburg. Radiologe Dr. Johannes Flicker geht auf Konfrontationskurs mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Grund ist die neue zentrale Terminvergabe für Fachärzte.

Flicker, der mit seinen Kollegen Dr. Christoph Reh, Dr. Stefan Szabo und Dr. Sabine Hoßfeld Praxen in Bad Hersfeld sowie am Kreiskrankenhaus und am HKZ in Rotenburg betreibt, ist von der KV aufgefordert worden, ab 1. Januar insgesamt acht Behandlungstermine pro Woche an die zentrale Terminvergabestelle zu melden.

„Ich bin darüber erbost und aufgebracht“, sagt Dr. Flicker. Damit werde eine „gut funktionierende Versorgungsstruktur“ im Kreis zerschlagen. Die zentrale Terminevergabe, die lange Wartezeiten auf Facharzttermine beschleunigen soll, nennt Flicker „politische Augenwischerei“.

Bisher habe er jede Woche zehn Termine „gebunkert“, die dann schnell und unbürokratisch an Patienten von Ärzten und auch den Kliniken des Kreises vermittelt wurden, wenn diese dringenden Bedarf hatten. Diese Termine will Flicker nun notgedrungen an die KV melden. Die niedergelassenen Ärzte und ihre Patienten hätten deshalb das Nachsehen. Normalerweise beträgt die Wartezeit auf Termine beim Radiologen über zwei Monate. „Der letzte Weg bei Notfällen etwa nach Unfällen über den Hausarzt wird nun abgeschnitten.“ Flickers Gemeinschaftspraxis ist die einzige Radiologie im Kreis und behandelt jetzt schon Patienten zwischen Fulda, Eisenach und Kassel, erklärt der Arzt.

Er sei bereit, mehr und länger zu arbeiten, aber das werde ihm durch Budget- und sonstige Begrenzungen der KV verwehrt. Er wisse, dass seine Kollegen „entsetzt“ über seine Entscheidung seien – er sieht darin das letzte Mittel, um gegen die Vorgaben der KV zu protestieren. Er hatte schon beim Besuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Oktober vehement gegen die neuen Regeln aufbegehrt.

Das sagen die KV und niedergelassene Ärzte:

Die Kassenärztliche Vereinigung reagiert gelassen auf Dr. Flickers Protest. „Wir können den Unmut der Ärzte verstehen, aber wir setzen nur gesetzliche Vorgaben um“, erklärt Pressesprecherin Petra Bendrich. Es sei keine Flut von neuen Patienten zu erwarten. Ohnehin solle deren Anfahrtzeit maximal 45 Minuten betragen. Sie hoffe, dass die Ärzte den Appell der KV befolgen. Grundsätzlich begrüße sie den im Kreis praktizierten Weg des direkten Kontakts zwischen dem Facharzt und Kollegen. 

Für die niedergelassenen Ärzte im Kreis reagierte deren Sprecher Dr. Martin Ebel aus Bad Hersfeld besorgt auf die Ankündigung von Flicker, er könne dessen Wut aber verstehen. Es sei falsch, dass die KV in die Praxisverwaltung „reinregiere“. Jeder Arzt müsse selbst die Chance haben, die Dringlichkeit von Behandlungen einzuschätzen. (kai)

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