Bewohner der Altenwohnanlage fühlen sich „ausgesperrt“

Senioren protestieren gegen Poller im Stift

Daumen runter: Bewohner des Altenzentrums Hospital in Bad Hersfeld protestieren, weil ihnen der kürzeste Weg zum Eingang versperrt ist. Dort, wo Helmut Bienk mit seinem Stock steht (vorn mit Kappe), steht eigentlich auch ein Poller. Weil der Bauhof im Stift zu tun hatte, war dieser während der Bildaufnahme allerdings nicht an Ort und Stelle.
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Daumen runter: Bewohner des Altenzentrums Hospital in Bad Hersfeld protestieren, weil ihnen der kürzeste Weg zum Eingang versperrt ist. Dort, wo Helmut Bienk mit seinem Stock steht (vorn mit Kappe), steht eigentlich auch ein Poller. Weil der Bauhof im Stift zu tun hatte, war dieser während der Bildaufnahme allerdings nicht an Ort und Stelle. Für das Foto haben die Senioren die Corona-Masken bewusst abgesetzt: „Wir wollen uns nicht verstecken.“

Die Bewohner der Altenwohnanlage des Altenzentrums Hospital in Bad Hersfeld sind entsetzt und stinksauer – in mehreren Briefen an unsere Zeitung ist gar von Schikane die Rede. Poller erschweren ihnen den Zugang zu ihren Wohnungen.

Bad Hersfeld – Die Anlage, in der rund 85 Senioren zur Miete leben, von denen der Großteil über 80 Jahre alt ist, ist idyllisch gelegen, nämlich direkt am Stiftsbezirk mit Blick auf den Katharinenturm und die Stiftsruine. Die Zufahrt zum Haupteingang allerdings ist eben deshalb problematisch beziehungsweise eigentlich gar nicht möglich, weil nicht erlaubt. Das ist zwar nicht erst seit Kurzem so, bisher wurden Verstöße sowie das widerrechtliche Entfernen von Pollern jedoch offenbar geduldet oder zumindest nicht aktiv angegangen.

Seit etwa zwei Wochen achtet man bei der Stadt nun verstärkt darauf, dass die Poller an Ort und Stelle stehen. Verstöße gegen die verbotene Zufahrt werden geahndet, so mancher habe zuletzt schon zahlen müssen, berichten die aufgebrachten Bewohner. Für die Senioren ein Unding, wie sie unmissverständlich klar machen. „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, sagen nicht nur Anneli Bienk und Artur Symannek, der im Rollstuhl sitzt und einmal im Monat per Liegendtransport zum Katheterwechsel gefahren wird. Beim letzten Mal sei das kaum möglich gewesen und er sei zu spät gekommen. Auch eine blinde Frau habe nicht mehr mit dem Taxi zum Eingang gebracht werden dürfen.

„Wir sind aus- und eingesperrt“, kritisiert Helmut Bienk, und Rainer Wolff ergänzt: „Wir sind auch Steuerzahler und kaufen von unserer Rente in der Stadt ein.“ „Alte Leute sind nicht mehr viel wert“, meint Eleonore Hedderich. Problematisch seien nun außerdem das Heimbringen von schweren Einkäufen und die Getränkelieferungen, die viele Mieter regelmäßig in Anspruch nehmen. „Es ist nicht zumutbar, sämtliche Bewohner über eine solche Distanz von Hand zu beliefern“, teilt dazu Jürgen Barthel vom Saftladen Barthel mit. „Schade, dass man die Eigenständigkeit der Senioren sowie die Selbstständigkeit kleiner Unternehmen mit solchen Maßnahmen torpediert.“

Im Gespräch: Jerome Sauer und Tobias Reinhardt vom Ordnungsamt, Hospital-Leiter Ernst-Olaf Mende und Stadtsprecher Meik Ebert (von links).

Hospital-Leiter Ernst-Olaf Mende versteht das Problem und weist darauf hin, dass sich die Bewohnerstruktur verändert habe und heute viele nicht mehr rüstig und auf Rollatoren und Rollstühle angewiesen sind. „Das war beim Bau in den 70er-Jahren anders.“ Heute würde man vermutlich gleich anders bauen. Die Flächen vor der Wohnanlage gehören der Stadt.

Jerome Sauer und Tobias Reinhardt vom Ordnungsamt erklären die strengeren Kontrollen mit Beschwerden von Fußgängern und Radfahrern, die rund um die Ruine unterwegs sind. Immer wieder würden dort Autos durchfahren. Die Senioren wolle man selbstverständlich nicht belasten, aber Regeln seien nun mal Regeln und Ausnahmen könnten etwa für Umzüge beantragt werden. Stadtsprecher Meik Ebert will die Sache nun an die politischen Entscheider weitergeben. Dann müsse man sehen, ob eine Lösung möglich sei und welche. „Wir wollen uns dem nicht verschließen“, betont Sauer.

Lösungsvorschlag: Die wütenden Hospital-Bewohner schlagen vor, wenigstens diese Poller zu entfernen.

Die Senioren haben bereits Vorschläge: Eine Ausnahmeregelung („Passierschein“) nur für die Bewohner schaffen und diese so beschildern. Zudem könnte man die Poller am ersten der zwei Wege zum Haus aus Richtung Linggplatz gesehen entfernen, um auf möglichst direktem Weg zum Eingang zu gelangen, ohne andere zu gefährden. (Nadine Maaz)

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