Um die 50 Unterkünfte bei Airbnb

Privat-Quartiere sind auch bei uns im Trend

Rotenburg, Sarah Meyfarth, Vermieterin Ferienwohnung Das Haus am Wald
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Sarah Meyfarth vermietet ihr "Haus am Wald" über Airbnb.

Wer im Kreis Hersfeld-Rotenburg eine Unterkunft auf Zeit sucht, hat inzwischen die Wahl zwischen rund 50 privaten Zimmern, Wohnungen und Häusern.

Das gilt vor allem für die in Großstädten beliebten, aber nicht unumstrittenen Online-Plattform Airbnb.

Achim Kniese, Hotelier und Vorsitzender des Stadtmarketingvereins Bad Hersfeld.

„Aus Stadtmarketingsicht ist das sicher eine Angebotsbereicherung“, sagt Achim Kniese, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins Bad Hersfeld, wobei es in Touristenmetropolen auch aufgrund solcher Angebote längst zu einem „Übertourismus“ mit Nachteilen für die Bürger gekommen sei. Als Hotelier mit mehreren Häusern in der Kreisstadt betrachtet er Airbnb bzw. die kurzfristige Vermietung von privatem Wohnraum kritisch. Es könne nicht sein, dass mit zweierlei Maß gemessen werde und für diese Unterkünfte weniger strenge Regeln gelten, etwa was Bürokratie und Brandschutz betrifft. Er spricht sich deshalb für eine Regulierung aus. Als Konkurrenz betrachtet er die Privatvermietungen indes nicht, da diese ein völlig anderes Klientel ansprächen.

Das sieht auch Markus Göbel so, der für das operative Geschäft der gesamten Göbels-Hotelgruppe zuständig ist, die ebenfalls mehrere Häuser im Landkreis betreibt. Gleichzeitig sei Airbnb ein zusätzlicher Vertriebskanal, dem man sich nicht verschließen könne. So bietet der Hotelier seit Kurzem selbst Ferienwohnungen über das Portal an. „Damit erreicht man eine Zielgruppe, die man mit den Hotels nicht erreicht.“

Ein ernsthaftes Problem fürchtet Göbel jedoch für die Wohnungswirtschaft, denn bezahlbarer Wohnraum sei schon jetzt knapp. In Düsseldorf etwa ist die kommerzielle Airbnb-Vermietung zuletzt stark eingeschränkt worden, um den Wohnungsmangel zu bekämpfen. Werden Wohnungen vermehrt an Kurzzeitgäste vergeben anstatt dauerhaft vermietet, fehlen sie auf dem Markt – was natürlich ebenso für Ferienwohnungen gilt, die auf anderen Wegen angeboten werden.

Fehlenden Wohnraum vor allem für sozial Schwache beklagen regelmäßig auch der Zweckverband für Diakonie und die Wohnraumhilfe Bad Hersfeld.

Gastgeber aus dem Landkreise berichten

Nette Gäste, große Nachfrage: Zu den Airbnb-Gastgebern im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gehören seit einiger Zeit auch Magdalena und Heinrich Gremm aus Bad Hersfeld sowie Sarah Meyfarth aus Rotenburg. Sie haben bisher nur Positives zu berichten und sind selbst überrascht, wie gut das Ganze funktioniert. 

Schüler ebenso wie Senioren, Berufstätige, die nur vorübergehend in Bad Hersfeld oder Umgebung zu tun haben, und Gäste, die Verwandte in der Nähe besuchen, haben bei Magdalena und Heinrich Gremm schon übernachtet. Manche bleiben nur zwei Nächte, andere zwei Wochen. „Das ist ganz gemischt“, erzählt Magdalena Gremm, die so schon viele nette Menschen kennengelernt und interessante Gespräche geführt habe. „Wir haben bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt sie. „Das ist eine schöne Sache.“ 

Seit etwa zwei Jahren bieten die Gremms eine Zwei- Zimmer-Wohnung über Airbnb an. Die Wohnung befindet sich in ihrem Wohnhaus, hat aber einen eigenen Eingang. Viele Jahre haben die Gremms sie dauerhaft vermietet, jetzt würden die Räumlichkeiten regelmäßig für die Kinder und Enkel benötigt, die nicht mehr in der Region leben, aber gerne zu Besuch kommen, erklärt Magdalena Gremm, die um den fehlenden Wohnraum gerade in Städten durchaus weiß. Die Wohnung nur für kurze Zeit, wenn sie eben nicht selbst genutzt wird, zu vermieten, sei nun die ideale Lösung. 

Mit Airbnb im Hintergrund fühle sie sicher. Als sie ihre Ferienwohnung über ein anderes bekanntes Booking-Portal angeboten hätten, hätten sie Gäste zum Beispiel nicht einfach ablehnen können, wenn sie ein ungutes Gefühl beschlich. Die gegenseitigen Bewertungen von Gast und Gastgeber, die bei Airbnb üblich sind, empfindet sie als Vorteil. Und sie betont: „Wir legen Wert darauf, dass die Menschen sich hier in Bad Hersfeld wohlfühlen.“ 

Auch Sarah Meyfarth aus Rotenburg hat bisher nur gute Erfahrungen mit Airbnb gemacht. Seit 1. September 2019 vermietet sie ihr „Haus am Wald“. Meyfarth ist medizinische Fachangestellte und Mutter, aber gastronomisch vorbelastet, wie sie lachend verrät. Ihren Traum vom eigenen Hostel oder Ferienhaus an der Ostsee habe sie sich zwar nun nicht erfüllt, aber mit dem Haus am Wald ein echtes Kleinod entdeckt, erzählt sie. 

Dass zu viele Ferienwohnungen in Großstädten ein Problem darstellen, könne sie nachvollziehen. Ihr Ferienhaus sei allerdings ohnehin nicht als Wohnhaus nutzbar, da keine Anliegerverbindung bestehe. Auch vor dem Verkauf sei es lediglich als privates Ferienhaus genutzt worden. Gruppen junger Leute, Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner nicht überall hin mitnehmen könnten, und Gäste aus Holland habe sie in den vergangenen Monaten beherbergt. Sogar eine Anfrage aus Kanada habe es schon gegeben, erzählt Meyfarth, und: „Alle waren bisher sehr nett und ordentlich.“ 

Als Konkurrenz zu klassischen Hotels beziehungsweise „Profi-Gastgebern“ sieht sie sich nicht. Aber natürlich mache die Vermietung nebenbei auch Arbeit, etwa bei der Endreinigung. Wichtig ist Sarah Meyfarth jedenfalls eines: „Meine Gäste sollen sich auch im Urlaub wie zu Hause fühlen.“ 

Dass private Unterkünfte nicht nur stark nachgefragt, sondern auch gezielt gefördert werden, um gewisse Standards zu erreichen, berichtet Torben Schäfer, Geschäftsführer der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg (MER). Solche Unterkünfte seien somit als Ergänzung zu den klassischen Hotels zu betrachten. Einen Boom kann Schäfer im Landkreis Hersfeld-Rotenburg aktuell aber noch nicht erkennen. 

Für Nancy Konradt vom Tourismus-Service Erlebnisregion Mittleres Fuldatal ist die Online-Buchbarkeit unabhängig von der konkreten Plattform wichtig. „Da kommt heute niemand mehr drum herum“, sagt sie. Nur so werde die Region gefunden, ohne gezielt gesucht zu werden. (nm)

Hintergrund: Luftmatratze und Frühstück

Airbnb steht für Airbedandbreakfast (Luftmatratzen und Frühstück), was auf den Ursprung der Idee zurückgeht. Gegründet wurde der Internet-Marktplatz für die Buchung und Vermietung von Unterkünften – ähnlich einem Computerreservierungssystem – 2008 im kalifornischen Silicon Valley. Er wird von privaten, aber inzwischen auch gewerblichen Anbietern genutzt. Nach eigenen Angaben gibt es auf der Website über vier Millionen Inserate in über 190 Ländern.

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