Bad Hersfelds Bürgermeister hatte sich beschwert - Belege für Berichterstattung

Beschwerde von Fehling unbegründet: Presserat nimmt Missbilligung gegen HZ zurück

Das Archivbild zeigt Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling (links) und Ex-Festspiel-Intendant Dieter Wedel bei einer Pressekonferenz im Jahr 2015.
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Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling (links) und Ex-Festspiel-Intendant Dieter Wedel bei einer Pressekonferenz im Jahr 2015.

Der Deutsche Presserat hat nach erneuter Prüfung eine Beschwerde von Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling als „unbegründet“ zurückgewiesen.

Bad Hersfeld/Berlin - Damit korrigierte das Gremium eine Entscheidung von 2019, als eine Missbilligung gegen die HZ ausgesprochen wurde. Fehling hatte seinerzeit eine Formulierung aus der Kolumne „Zwischen den Zeilen“ beanstandet, wonach er den früheren Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele, Dieter Wedel, „eingeladen“ hat. Die HZ hatte gegen das Votum bei der Beschwerdekommission des Presserats Widerspruch eingelegt und entsprechende Belege vorgelegt. Nun urteilte der Presserat einstimmig, dass die journalistische Sorgfaltspflicht eingehalten wurde und kein Verstoß gegen publizistische Grundsätze vorliege.  

Das Wort „Einladung“ stand im Mittelpunkt einer monatelangen Auseinandersetzung zwischen Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling und der Hersfelder Zeitung vor dem Deutschen Presserat.

HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff hatte in der kommentierenden Wochenend-Kolumne „Zwischen den Zeilen“ am 27. Juli 2019 unter dem Titel „Das Ende des Regenbogens“ darüber berichtet, dass Ex-Festspiel-Intendant Dieter Wedel „auf Einladung“ von Bürgermeister Fehling in der Stadt weile.

Fehling sah darin eine „falsche Tatsachenbehauptung“ und legte Beschwerde beim Deutschen Presserat ein, einem Organ der Freiwilligen Selbstkontrolle der Print- und Onlinemedien in Deutschland. In erster Instanz gab ihm das mit Journalisten, Gewerkschaftern und Verlagsvertretern besetzte Gremium Recht und sprach deshalb eine „Missbilligung“ gegen die HZ aus.

Bewirtungsbeleg und Freikarten: Berichterstattung war von Tatsachen gedeckt

Gegen dieses Votum legte die Redaktion Widerspruch ein und fügte als einen Beweis für die Richtigkeit der Angaben einen von Bürgermeister Fehling gegenüber der Stadtkasse abgerechneten Bewirtungsbeleg aus dem „Parkhotel Zum Stern“ in Oberaula an.

Dort hatte der Bürgermeister gemeinsam mit seiner Gattin Gabriele Schäfer und dem ehemaligen Intendant Wedel unter anderem Filetsteak, Rehrücken und Forellenfilet für 143,10 Euro gespeist. Als Verwendungszweck hatte er „Ideen für die Festspiele besprochen“ angegeben.

Die Kopie dieser Rechnung hatte die HZ aus Gründen des Informantenschutzes zunächst nicht beim Presserat geltend gemacht, konnte dies aber später tun, nachdem der Sachverhalt von anderer Seite in der Stadtverordnetenversammlung Thema einer Anfrage wurde und somit öffentlich war.

Nach neuerlicher Würdigung der Argumente von Fehling und der HZ-Redaktion kam der Beschwerdeausschuss des Presserats jetzt einstimmig zu dem Votum, „dass kein Verstoß gegen die presseethischen Grundsätze, insbesondere nicht gegen die journalistische Sorgfaltspflicht“ vorliegt. Die Redaktion habe anhand von mehreren Rechercheergebnissen darlegen können, dass die Behauptung, Wedel weile auf Einladung des Bürgermeisters in der Stadt „von Tatsachen gedeckt ist“.

Dazu gehörten auch Freikarten für Festspiel-Aufführungen, die Wedel von der Stadt übersandt wurden und die sich, so der Presserat, der Bürgermeister zurechnen lassen müsse.

Deshalb erklärte das Gremium die ursprüngliche Beschwerde für unbegründet. Die Missbilligung ist damit faktisch vom Tisch.

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