Bad Hersfelder Festspiele

Premiere von "Indien" im Eichhof: Urkomisch und herzergreifend

Hauptsache fettig: Während Kurt Fellner (Robert Joseph Bartl, links) ein fettiges Schmitzel verspeist und dazu noch ein Schmalzbrot bestellt, lässt sich der angewiderte Heinz Bösel (Mathias Znidarec) vom Wirt (Peter Englert) einen Verdauungsschnaps für seinen angegriffenen Magen servieren. Fotos: Thomas Landsiedel

Bad Hersfeld. „Indien“ heißt das Stück von Josef Hader und Alfred Dorfer, das Intendant Joern Hinkel ideal in den Fachwerk-Innenhof des Eichhofs gesetzt hat. Das Publikum jubelte.

Liebhaber ausgefallener Schimpfwörter sind in diesem Jahr beim Theater im Schloss Eichhof genau richtig.. Zwei Gastronomie-Tester, ein Oberbayer (Robert Joseph Bartl als Kurt Fellner) und ein Österreicher (Mathias Znidarec als Heinz Bösel) – sind in der tiefsten bayerischen Provinz unterwegs. Da ist die gegenseitige Abneigung vorprogrammiert.

„Depp“, „Trottel“, „Verbrunz di, du Scheißhüttn“, „blade Wuchtel“, „schiaches Grachal“, „blöde Amsel“, „mistige Schoaßwiesn“ oder „ogsoachte Brunzkachel“ sind nur einige der Beleidigungen, mit denen Fellner und Bösel sehr zum Gaudium des Publikums um sich werfen.

Schlacht beim Spieleabend

Doch hinter der sehr rustikalen Komik lauert die Tragik, werden Sehnsüchte und tiefe Verletzungen offenbar. Das alles erleben die Zuschauer als hochkarätiges Kammerspiel, in dem der derbe Humor Teil geschliffener Dialoge ist. Die beiden Männer, lassen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig fertig zu machen. Ihr Spieleabend gleicht eher einer Schlacht, wenn Fellner bei „Trivial Pursuit“ seine umfassende Halbbildung heraushängen lässt und Bösel jeden Stich, den er beim Schnapsen (Kartenspielen) gegen Fellner landet, triumphierend feiert.

Ein Höhepunkt der Boshaftigkeit ist die Szene, wo Fellner dem magenkranken Bösel beim Verzehr eines fettigen Schnitzels von allerlei ekligen Gerichten bis hin zum „lauwarmen Affenhirn“, das angeblich in Japan gegessen wird, erzählt.

Hauptsache fettig: Während Kurt Fellner (Robert Joseph Bartl, links) ein fettiges Schmitzel verspeist und dazu noch ein Schmalzbrot bestellt, lässt sich der angewiderte Heinz Bösel (Mathias Znidarec) vom Wirt (Peter Englert) einen Verdauungsschnaps für seinen angegriffenen Magen servieren. Fotos: Thomas Landsiedel

Dabei beherrschen Robert Joseph Bartl und Mathias Znidarec nicht nur den brachialen Humor, sondern begeistern vor allem im Detail, mit feiner Mimik und Gestik – bis hin zu Bartls ausdrucksstarkem kleinen Zeh.

Fasziniert beobachtet das Publikum, wie die beiden Grantler sich langsam näher kommen, Geständnisse und Zugeständnisse machen und schließlich nach einer höchst kuriosen Liebeserklärung vor der Gemeinschaftstoilette zum freundschaftlichen „Du“ übergehen.

Die singende Wirtin (Anna Veit).

Von den Wirtsstuben – durch Tischdecken und wechselnde Deko unterscheidbar gemacht (Bühnenbild Christina Pointner) – wechselt die Szenerie nach der Pause in ein Krankenhaus. Dort, im hintersten Winkel des Altbaus, wo wegen Bauarbeiten alles mit Plastikfolien abgehängt ist, ist Kurt Fellner untergebracht und versucht tapfer, dem nahenden Tod seinen Schrecken zu nehmen. Desinteressierte Ärzte (Peter Englert und Leo Gmelch, beide zuvor schon als Wirte zu sehen) und eine mitfühlende Krankenschwester (Anna Veit, ebenfalls zuvor als singende Wirtin im Einsatz) helfen ihm dabei nicht wirklich weiter, wohl aber Heinzi Bösel, der unbeholfen-liebevoll an seiner Seite ist und sogar die Erfüllung eines Kindheitstraumes ermöglicht. All das ist urkomisch und herzergreifend, nachdenklich, sehr unterhaltsam und unbedingt sehenswert.

Schade nur, dass die erste Szene, noch vor dem eigentlichen Beginn des Stücks beim Stühlerücken, Platzsuchen und Bekannte-Begrüßen des Publikums untergeht, obwohl sie wichtige Informationen beinhaltet.

Leopold Gmelch macht nicht nur Musik.

Für die Darsteller, aber auch die teilweise schräge Musik von Leo Gmelch, Jörg Gollasch und Matthias Trippner, die Kostüme von Kerstin Micheel und vor allem die gelungene, feinfühlige Inszenierung von Joern Hinkel gab es lang anhaltenden, jubelnden Applaus.

Von Christine Zacharias

Jubel für Premiere von "Indien" im Schloss Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

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Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

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Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

Umjubelte Premiere für "Indien" im Eichhof

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