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Premiere: „Volpone“ ist ein Klassiker des Theaters und dennoch aktuell

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Von: Laura Hellwig

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Sie geiern auf Volpones Erbe: Voltere, Cobaccio und Corvino, hoffen auf die Gunst von Volpone. Sein Diener Mosca zieht im Hintergrund die Strippen.
Sie geiern auf Volpones Erbe: Voltere, Cobaccio und Corvino, hoffen auf die Gunst von Volpone. Sein Diener Mosca zieht im Hintergrund die Strippen. © Steffen Sennewald

Die Komödie „Volpone“ hatte am Samstag Premiere im Schloss Eichhof. Das Stück unterhält, bietet aber gleichzeitig verschiedene Anlässe zur Interpretation und zum Hinterfragen des eigenen Alltags.

Bad Hersfeld – Edel, tapfer, ehrenwert ist der, der Reichtum erlangt. Das behauptet zumindest Volpone, der Fuchs (Simon Mazouri), der zwar reich ist, sich seinen Wohlstand aber keinesfalls durch harte Arbeit erkämpft hat.

Wie die Hauptfigur an sein Gold, sein, Silber, seine Diamanten gekommen ist, welche Intrigen dafür gesponnen, welche Opfer dafür gebracht werden, darum geht es in Ben Jonsons Komödie „Volpone“ (Erstaufführung 1605), die am Samstag im Schloss Eichhof Premiere feierte.

In Venedig schmieden Volpone und sein Diener Mosca (Manuel Struffolino) einen Plan. Indem Volpone den Todkranken spielt und in Aussicht stellt, ein guter Freund oder eine Freundin könnten als alleinige Erben ins Testament aufgenommen werden, will er den Erbschleichern das Geld aus der Tasche ziehen.

„Zertreten möchte ich diese Schlangen“ sagt er voller Ekel über die, die an sein vermeintliches Krankenbett kommen, um seine Gunst mit wertvollen Geschenken zu erobern. Der Notar Voltere (Matthias Renneisen), die reiche Witwe Corbaccio (Wiebke Frost) und der Kaufmann Corvino (Marius Marx) werden an der Nase herumgeführt.

Vor allem Mosca macht es sich zur Aufgabe, die „Freunde“ Volpones gegeneinander auszuspielen, ihnen mehr und mehr Geld zu entlocken und sie an den Rand der Moral und ihres Wertesystems zu bringen. „Die eine verkauft ihren Sohn, der andere seine Frau. Sie würden den lieben Gott verkaufen, wenn sie ihn in die Finger bekämen.“

Wer ist der Betrüger, wer der Betrogene?

Die Frage, wer in diesem Spiel nun eigentlich der Betrüger und wer der Betrogene ist, wer böse und wer gut ist, muss sich der Zuschauer immer wieder stellen. Ein Urteil ist, wechselt man hier und da die Perspektive, nicht schnell und eindeutig zu fällen. Denn die Charaktere wandeln sich, hadern hier und da mit ihrem Tun, handeln nur menschlich und doch fragwürdig.

Die Komödie „Volpone“ passt gut in die Tradition des Schlosses Eichhof als Außenspielort der Bad Hersfelder Festspiele, wo traditionell humorvollere, leicht zugänglichere Stücke zu sehen sind. Die Komödie unterhält, sorgt hier und da für einen Lacher oder mal für ein satirisches Schmunzeln, ist kurzweilig, und der Inhalt leicht verständlich.

Regisseurin Christine Bossert hat den Jahrhunderte alten Klassiker in eine einfache Sprache übersetzt, die zuweilen auch mal unter die Gürtellinie geht. Vor allem die junge Cecilia, Frau von Corvino, wird in ihrer Rolle sexualisiert, beleidigt, nicht gewertschätzt.

Ulrike Reinhardt hat den Figuren – die allesamt auch Tiernamen und entsprechende Eigenschaften haben – eindrucksvolle und an die Entstehungszeit angelehnte Kostüme gefertigt. Auf der Bühne, die sich zudem auf den Zuschauerraum und die Flure des Schlosses erweitert, stehen zwei Mikrofonständer, mithilfe derer einzelne Text-Passagen unterstrichen werden.

Ebenso dienen Tonelemente aus den Lautsprecherboxen der künstlerischen Gestaltung von Spiel und Figuren (Musik: Hanns Clasen; Ton: Niko Bakalakos; Licht: Jacob Beckers und Holger Tschersich).

Neben der tollen Arbeit der Schauspieler machen diese Gestaltungselemente einiges her. Im Schloss Eichhof kann man in diesem Sommer endlich wieder Theater erleben und auch für die Zuschauer, die sich nicht einfach nur schlicht unterhalten lassen wollen, kann Jonsons Komödie auch einige Anknüpfungspunkte zur tieferen Interpretation liefern.

Denn Gier, das Streben nach Reichtum und Ansehen, Eifersucht und Moral sind Themen, die im heutigen Alltag wohl ebenso gegenwärtig sind wie im 17. Jahrhundert.

(Laura Hellwig)

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