Premiere in der Stiftsruine

"Lenas Geheimnis" - Zauberhaftes Familientheater

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Findet sich plötzlich in der Welt der Ruinen-Mäuse wieder: Lena, gespielt von Amelie Hinkel (mit rosafarbener Jacke). Alicia Hohmann (mit Schleier) spielt Polly, die Tochter des Mäusekönigs. Ein beeindruckendes Gesangssolo zeigt Lara-Luisa Rühl (links neben Hinkel).

Bad Hersfeld. Von wegen Plage: Die Mäuse haben nicht nur die Stiftsruine erobert, sondern auch die Herzen der Zuschauer. Bei der Premiere gab es viel Applaus für Stück und Ensemble.

„Lenas Geheimnis – von Menschen, Mäusen, Zauberwesen“, das Kinderstück der 68. Bad Hersfelder Festspiele, ist eine kurzweilige, interessante und gelungene Melange aus Sprechtheater und Musical, Dramatik und Komik. Die Harmonie beziehungsweise das Zusammenspiel zwischen Jung und Alt, Laien und Profis, stimmt und gelingt.

Dass es bei der Premiere am Donnerstag an wenigen Stellen noch kleine Textunsicherheiten gab, manche Übergänge etwas gehetzt wirkten und der Ton die Stimme der elfjährigen Hauptdarstellerin Amelie Hinkel zwischenzeitlich kurz verschluckte, tat dem Vergnügen keinen Abbruch.

Eine schöne Idee hatte Franziska Reichenbacher, mit „Lenas Geheimnis“ eigens ein Stück für die Stiftsruine zu schreiben und zu inszenieren – und mit „Hair“ die aktuelle Musicalproduktion einzubinden und für ein besonderes Spiel im Spiel zu nutzen.

Spielen sich sozusagen selbst: Die „Hair“-Darsteller (Bild oben). Im Hintergrund Martin Semmelrogge als Mäusekönig Roderich XXVIII.

Als Lena gemeinsam mit ihrer Oma Gertrude – einst selbst gefeierte Schauspielerin – und Fahrer Ewald für ein Casting von Düsseldorf nach Bad Hersfeld fährt, platzen sie dort mitten in die Proben für „Hair“. Doch das Musical steht auf der Kippe, denn die Ruinen-Mäuse machen nicht nur Dreck, sie knabbern auch am liebsten an Kabeln. Der vermeintlich grantige Hausmeister droht den Tieren mit dem Tod, bricht dann aber selbst zusammen: Hat er sich etwa aus Versehen vergiftet?

Versteht anfangs nur Lena die Mäuse, tanzen am Ende alle gemeinsam und friedlich zu „Let the sunshine in“. Was ist echt, was Spiel? Ob Menschen und Tiere nun tatsächlich kommunizieren oder alles der Fantasie entspringt, wer weiß das schon? Denn wie heißt es im Stück: „Wenn die, die unten spielen, und die, die oben sitzen, genug Fantasie haben, ist alles möglich.“

Brigitte Grothum (Lenas Oma) und Horst Janson (Hausmeister „Knauster“).

Kinder im höheren Grundschulalter dürften die Geschichte verstehen und sich an den Kraftausdrücken des Mäusekönigs erfreuen. Für die Erwachsenen gibt es kleine Spitzen zum Beispiel in Richtung Qualität der Festspiele oder Sparzwang des Bürgermeisters.

Amelie Hinkel und Alicia Hohmann haben vielleicht noch nicht die Präsenz eines Uwe Dag Berlin – herrlich als berlinernder Chauffeur –, müssen sich aber keinesfalls hinter den erfahrenen Profis wie Brigitte Grothum als Oma und und Horst Janson als Hausmeister verstecken. Martin Semmelrogge drückt dem Mäusekönig mit seiner unverwechselbaren Stimme seinen Stempel auf. Ute Reiber bringt die unter Strom stehende Regieassistentin überzeugend rüber. Für Gänsehaut sorgt der Gesang. Und einfach zuckersüß ist die tierische Rasselbande in Grau.

Lob haben auch die für die Kostüme und Requisiten Verantwortlichen verdient. Diese sind kreativ, aber nicht allzu aufdringlich. Die überdimensionalen Leckereien sind ein Augenschmaus.

Die etwas mehr als 60 Minuten vergehen wie im Flug – als Erwachsener ist man fast enttäuscht, dass das Stück so schnell vorbei ist. Das Premierenpublikum spendete reichlich Applaus samt lautem Getrampel, wobei sich das Ensemble auch beim Schlussapplaus als Gemeinschaft inszenierte. 

Fotostrecke:

Bad Hersfelder Festspiele: "Lenas Geheimnis"

Bad Hersfelder Festspiele: "Lenas Geheimnis"

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