Mediziner drängen auf schnelle Beteiligung an Schutz

Corona: Hausarztpraxen wollen rasch impfen

Die niedergelassenen Ärzte im Kreis Hersfeld-Rotenburg drängen darauf, in die Corona-Impfungen einbezogen zu werden.

Die niedergelassenen Ärzte im Kreis Hersfeld-Rotenburg drängen darauf, in die Corona-Impfungen einbezogen zu werden. (Symbolbild)

Hersfeld-Rotenburg – „Wir würden uns wünschen, dass die Pläne dafür schon weiter wären, da es ohne Mithilfe der niedergelassenen Kollegen nicht schnell genug gehen wird“, mahnt Dr. Martin Ebel, der Sprecher der Hausärzte im Landkreis.

Das sehen auch andere Ärzte so, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergeben hat.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erwartet einen Impfstart für die Praxen in den nächsten sechs bis acht Wochen. Auch Gesundheitsminister Spahn hat angekündigt, zeitnah die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen.

„Es ist unbedingt notwendig, die Hausärzte beim Impfen einzubeziehen, dazu sind alle Kollegen bereit und in der Lage“, bestätigt auch Dr. Thomas Lepper, der die Corona-Schwerpunktpraxis des Kreises in Philippsthal betreibt. Er verweist auf entsprechende Pilotprojekte in anderen Bundesländern. Ohnehin würden schon jetzt viele Hausärzte nebenbei im Impfzentrum oder den mobilen Impfteams aushelfen.

Das Impfzentrum in Rotenburg könne maximal 1000 Patienten pro Tag impfen. Wenn sich alle 120 000 Einwohner des Kreises zweimal impfen ließen, würde es 240 Tage dauern, bis alle versorgt sind“, rechnet Dr. Ebel vor. „Die Lieferketten für den Impfstoff werden demnächst sicher in Gang kommen. Dann haben wir zwar genügend Impfstoff, aber nicht genug Termine“, warnt Dr. Ebel, der Hausarzt in Bad Hersfeld ist. Logistisch sei diese Herausforderung zu bewältigen. Impfungen gehörten zum Tagesgeschäft jeder Praxis, betonen Dr. Ebel und Dr. Lepper und verweisen auf die Grippe-Schutzimpfungen im Herbst. Etwaige Probleme mit der Kühlung des Vakzins seinen lösbar, sind sich die Mediziner einig. So lasse sich etwa das Vakzin von Biontech tagelang im normalen Kühlschrank lagern.

Anfangs müssten für die Impfungen vermutlich eigenen Corona-Sprechstunden eingerichtet werden, meinen die beiden Ärzte. Missbrauch oder Bevorzugungen beim Impfen fürchtet Dr. Ebel nicht. „Ohne ein Minimum an Vertrauen in seine Hausarztpraxis würde niemand zu seinem Doktor gehen. Wir kennen unsere Risikopatienten und Schwerstkranken besser als die öffentliche Hand oder die Gesundheitsämter“, sagt Dr. Ebel.

Sein Kollege Dr. Lepper weist aber darauf hin, dass die mit der Corona-Impfung verbundene Bürokratie abgebaut werden müsse. Die KBV hat dazu bereits entsprechende Vorschläge gemacht. (Kai A. Struthoff)

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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