Ein Meilenstein am Haken

Power-to-Gas-Projekt am Eichhof: Elektrolyseanlage mit Spannung erwartet

+
Sieht aus wie ein Bau- oder Toilettenwagen, ist aber ein wichtiger Baustein des Power-to-Gas-Projekts am Eichhof in Bad Hersfeld: Die Elektrolyseanlage wurde per Kran an Ort und Stelle gehoben. Vorn fotografiert Iwes-Projektleiterin Ramona Schröer die Ankunft.

Bad Hersfeld. Vom Wind und der Kälte ließen sich die Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (kurz: Iwes) am Eichhof nicht die Laune verderben, als am Montagmorgen die mit Spannung erwartete Elektrolyseanlage angeliefert wurde. 

Ein wichtiger Baustein des Power-to-Gas-Projekts, das die Iwes-Forscher seit vergangenem Jahr in Bad Hersfeld realisieren. Mit einem Spezialtransporter wurde der etwa 5,5 Tonnen schwere und rund 4,7 mal 2,5 Meter große Container mitsamt der Anlage nach gut einem halben Jahr Bauzeit bei der Firma iGas energy aus Stolberg an die vorgesehene Stelle gehoben. Für Laien sieht der graue Container von außen aus wie ein Bau- oder Toilettenwagen; die komplexe Technik befindet sich im Inneren. Unter Elektrolyse wird die Aufspaltung von Wasser durch elektrischen Strom verstanden.

Mit der Power-to-Gas (PtG)-Technologie und der Direktmethanisierung von Biogas soll das Problem der Langzeitspeicherung für die schwankende Erzeugung beziehungsweise Nachfrage von erneuerbaren Energien gelöst werden.

Beim PtG-Verfahren wird aus Wind- und Solarenergie gewonnener Strom zunächst in Wasserstoff und dann in Methan umgewandelt. Methan gilt als speicherbarer und flexibel einsetzbarer Energieträger, der unabhängig von Ort und Zeit wieder „rückverstromt“ werden könne. „Ohne Speichertechnologie geht es nicht“, sagt Frank Schünemeyer vom Iwes mit Blick auf die Energiewende.

Zu Testzwecken wird die 50 kWel-PtG-Anlage im Hessischen Biogasforschungszentrum (HBFZ) auf dem Landwirtschaftszentrum Eichhof aufgebaut. Die Abkürzung kWel steht für Kilowatt elektrisch und gibt die elektrische Leistung an. Was laut Projektleiterin Ramona Schröer bereits laborerprobt ist, soll am Eichhof also nun dem Praxistest unterzogen werden. Der Projektumfang inklusive Planung, Bau und Personal beläuft sich auf gut 2,25 Millionen Euro (wir berichteten bereits im vergangenen Jahr).

Rund eine Million Euro kommt vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, den Rest übernehmen das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Iwes selbst.

Die Methanisierungsanlage soll im Frühjahr 2018 fertiggestellt werden, berichtet Schröer. 15 Monate lang soll die komplette Anlage ab dann wissenschaftlich begleitet und betrieben werden. Die Ergebnisse sollen in die Planung einer zehnmal größeren Anlage fließen, wie sie in der Realität eingesetzt werden könnte.

Vier Iwes-Mitarbeiter sind am Eichhof fest vor Ort, je nach Projektstand kommen weitere dazu, auch Studenten unterstützen die Profis zuweilen. 

Stichwort 

Die Wandlung Power-to-Gas bietet die Möglichkeit, überschüssigen Strom in gut speicherbares Gas zu wandeln, das bei Bedarf in Gaskraftwerken rückverstromt oder in direkten Gasanwendungen, zum Beispiel stofflicher Nutzung, eingesetzt werden kann.

Power-to-Gas-Projekt am Eichhof: Elektrolyseanlage am Kran 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.