Nicht wie sonst im Autoscooter

Popcornduft in der Stadtkirche: Schausteller-Gottesdienst zum abgesagten Lullusfest

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Neben vielen anderen besuchte auch Feuermeister Klaus Otto den Gottesdienst in der von Schaustellerinnen und Schaustellern liebevoll mit Ballons geschmückten Stadtkirche. 

Lolls im Herzen und im Konjunktiv – auf diese Formel lässt sich der Gottesdienst bringen, der am Sonntagabend in der Bad Hersfelder Stadtkirche gefeiert wurde. 

 Lolls im Herzen und im Konjunktiv – auf diese Formel lässt sich der Gottesdienst bringen, mit dem die evangelische Stadt- und Johanneskirche, die Schaustellerseelsorge und der Lullusfestverein zusammen mit einer Gruppe eigens angereister Schausteller daran erinnerte, dass in normalen Jahren voller Buden und bunter Lichter gewesen wäre.

Da nicht wie sonst im Autoscooter gefeiert werden konnte, hatte man entschieden, den Gottesdienst in der Kirche zu feiern. Und der Andrang war groß: Da wegen der Corona-Beschränkungen nur 99 Besucher in die Kirche durften, mussten leider einige Interessierte, die sich nicht im Vorfeld angemeldet hatten, enttäuscht und unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Für Pfarrer Frank Nico Jaeger und sein Team war dies schon ein erster „Testlauf“ für die Weihnachtsgottesdienste.

Schon auf dem Kirchplatz empfingen die Hersfelder Mönche die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes mit brennenden Fackeln und in der liebevoll mit bunten Luftballons geschmückten Kirche wurden sie von süßem Duft nach gebrannten Mandeln und Popcorn empfangen. Mandeln und Popcorn gab es in kleinen Tütchen zum Mitnehmen. Dafür hatten – ebenso wie für den Schmuck der Kirche – Schaustellerinnen und Schausteller gesorgt.

Auch wenn in diesem Jahr (fast) alles anders war: Ein paar Konstanten gab es doch. Pfarrer Volker Drewes an der Drehorgel und der Posaunenchor der Evangelischen Kirche und des CVJM unter Leitung von Gesa Hild sorgten für eine flotte musikalische Begleitung.

Nach dem Segen zeichnete Reinhard Rauche vom Lullusfestverein den Schausteller Hugo Levi mit dem Goldenen Feuermeister aus.

Pfarrer Volker Drewes, der den Gottesdienst zusammen mit Pfarrer Frank Nico Jaeger und Vikar Philipp Huber leitete, erinnerte in seiner Predigt daran, dass der Stillstand auf Festplätzen und in Zirkuszelten nicht nur traurig macht, sondern auch die Familien, die davon leben, in ihrer Existenz bedroht. Gerade die Eventbranche, die so vielen Menschen Freude und Abwechslung bringe, sei durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie stark gebeutelt und brauche dringend Unterstützung. Drewes erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass es viel Vertrauen brauche, um sich auf ein Leben auf der Reise einzulassen. Nicht immer wüssten die Schaustellerfamilien, ob sich der Weg zum nächsten Festplatz tatsächlich lohne, doch für die meisten Mitglieder der „reisenden Gemeinden“ sei das Leben auf der Reise mehr als nur eine Einstellung, sondern das Leben selbst. Auch der heilige Lullus habe voller Vertrauen seinen Weg gemacht, der ihn bis nach Bad Hersfeld geführt habe. Ohne sein Gottvertrauen, so Drewes, würde es heute vermutlich weder die Stadt Bad Hersfeld noch das Lullusfest in der Form, in der wir beides heute schätzten, geben. (uj)

Gottesdienst zum Lullusfest in der Stadtkirche statt im Autoscooter

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