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Polizei registriert deutlich mehr Drogendelikte im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Von: Mario Reymond

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Ein Polizist hält eine Tüte mit sichergestellten Drogen in der Hand.
Symbolbild Drogenkriminalität © Julian Stratenschulte/dpa

Die Zahl der Drogendelikte ist im Kreis Hersfeld-Rotenburg im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Zudem seien die heutigen chemisch produzierten Wirkstoffe gefährlicher als früher.

Hersfeld-Rotenburg – Die Zahl der Drogendelikte ist im vergangenen Jahr enorm angestiegen. Insgesamt 620 derartiger Fälle zählte die Polizei im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in 2021. Das waren 81 Fälle (15 Prozent) mehr als noch ein Jahr zuvor.

Den niedrigsten Stand in den vergangenen zehn Jahren hatte es noch im Jahr 2014 gegeben. Damals wurden nur 279 derartiger Delikte aktenkundig.

Besonders gefährlich für Konsumenten seien heute die Wirkstoffe in den Drogen, die teils chemisch erzeugt würden. Zur Flower-Power-Zeit Ende der 60er-Jahre hätten Cannabis-Produkte einen sogenannten THC-Gehalt von drei bis fünf Prozent gehabt. Heute würden durch synthetische Prozesse teilweise bis zu 30 Prozent THC erreicht. Und schon ein THC-Gehalt von zehn bis elf Prozent könne beim Konsumenten für psychische Störungen sorgen, so Kriminalhauptkommissar (KHK) Schmidt vom Rauschgiftkommissariat 30 bei der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg.

Auch vor den Langzeitfolgen warnt Schmidt. So könnten noch nach Jahren der Abstinenz sogenannte Flashbacks auftreten, die den einstigen Drogenkonsumenten psychisch erheblich belasteten. Und sein Kollege KHK Fröhlich führt aus, dass es immer wieder auch Drogenkonsumenten gebe, die sich unter der Woche mit Cannabisprodukten herunterfahren, da diese eine beruhigende Wirkung hätten. Und am Wochenende, wenn es dann ans Feiern gehe, müsste der Körper dann in den Feiermodus gelangen. Dann würde von den Konsumenten zu aufputschenden Substanzen wie Koks, Amphetamin oder Chrystal Meth gegriffen. Das gehe auf Dauer nicht gut, erklärt Fröhlich. Der menschliche Körper werde durch das ständige Hoch- und Runterfahren vor extreme Schwierigkeiten gestellt. Die Folge bei den Konsumenten seien Ausraster oder phlegmatisches Verhalten.

Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes Problem sei die Finanzierung der Drogen. Wer am Tag drei Joints rauche, der müsse dafür zehn Euro investieren. Auf den Monat hochgerechnet kommen da 300 und mehr Euro zusammen. Geld, das erst einmal vorhanden sein müsse.

Für härtere Drogen müssten gar 60 bis 70 Euro pro Gramm aufgebracht werden. Um den kurzen Rausch finanzieren zu können, seien die Ersparnisse schnell aufgebraucht und der Weg in die Kriminalität sei vorgezeichnet, warnen die beiden Kommissare vom RK 30. (Mario Reymond)

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