ZWISCHEN DEN ZEILEN

Politik ohne Wirkung und Gratis-Parken

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Karl Schönholtz

In unserer Wochenkolumne geht es heute um Kommunikationsprobleme, den Verlust einer Kneipe und - noch - kostenlose Parkplätze.

Wenn von einer besseren Netzabdeckung beim Mobilfunk die Rede ist, geht es um möglichst gut funktionierende Kommunikation. Die lag jedoch im Argen, als in dieser Woche bei Heenes ein neuer Sendemast von Vodafone errichtet werden sollte. Da im Vorfeld offenbar nur unzureichend kommuniziert worden war, kam es zu einer ganzen Reihe von Missverständnissen zwischen Bauverwaltung, Unternehmen, ausführenden Technikern und Anwohnern. Sie haben die Posse um den Baustopp für eine stationäre Anlage, der dann doch keiner war, weil es sich um einen genehmigungsfreien mobilen Mast handelte, bestimmt gelesen.

Dass darüber am Ende vor allem die Stadtpolitiker nicht lachen konnten, lag am drohenden Verlust der Glaubwürdigkeit: Im Bauausschuss war man sich einig gewesen, dass in Heenes erst einmal kein Mast stehen sollte, bevor nicht bestimmte Fragen geklärt waren. Dass der Beschluss angesichts rechtmäßig geschaffener Fakten wirkungslos blieb, erschien manchem wie blanker Hohn. Verständlich.

Die Tennishalle auf dem Johannesberg in Bad Hersfeld war von seither mehr als nur der Treffpunkt Schläger schwingender Cracks. Mit der kleinen Bierstube und dem angrenzenden Versammlungsraum war der Zweckbau auch Teil des politischen und gesellschaftlichen Lebens im Stadtteil. Aktuell sind jedoch die Lichter aus, und Ortsvorsteher Günter Göttlicher beklagte neulich im Ausschuss für Bildung und Kultur vor allem das Fehlen einer Gastronomie für die fast 4000 Johannesberger. Tatsächlich sieht es dort schon seit dem verheerenden Brand in der Klosterschänke im Januar 2013 mau aus, und Besserung ist nicht in Sicht. Dass nun auch in der Tennishalle kein Bier mehr gezapft und keine Apfelschorle mehr ausgeschenkt wird, ist schon eine Einbuße bei der Lebensqualität.

Bis zum Hessentag sei das Parken auf der neuen P+R-Anlage am Bad Hersfelder Bahnhof umsonst, hieß es nach deren Fertigstellung im Frühjahr, dann aber müssten auch hier die Parkautomaten gefüttert werden. Nun ist der Hessentag schon ein Stück jüngerer Stadtgeschichte, und das Parken am Bahnhof ist immer noch gratis. Wollen wir uns darüber beschweren? Gewiss nicht, aber sachte nachgefragt haben wir: Noch wurden die Automaten nicht geliefert, doch demnächst sollen sie tatsächlich installiert werden. Dann ist es aus mit Freiparken, sowohl vor als auch hinter dem Bahnhof. Die Gebühren werden freilich vergleichsweise niedrig sein: Weil der Bau der Anlagen großzügig gefördert wurde, darf hier nicht allzu üppig kassiert werden. 50 Cent pro Tag werden künftig fällig, das ist sicher verschmerzbar.

Bei der Präsentation des Spielplans 2020 der Bad Hersfelder Festspiele am vergangenen Montag kam aus der Journalistenrunde natürlich auch die Frage nach der Besetzung der einzelnen Stücke. Musical-Regisseur Gil Mehmert wies freundlich auf die noch bevorstehenden Castings hin, hätte also auch dann nichts sagen können, wenn er gewollt hätte. Weil Mehmert jedoch mit Bettina Mönch verheiratet ist, dem Star aus seinen beiden letzten Hersfelder Produktionen „Hair“ und „Cabaret“, musste im anschließenden Gespräch bei Kaffee und Häppchen nachgefragt werden, welche Rolle denn Bettina im neuen Musical „Goethe!“ übernehmen würde. Die verblüffende Antwort: „Keine“. Schmunzelnd verwies Gil Mehmert darauf, dass es doch komisch aussähe, wenn die Frau des Regisseurs immer mit von der Partie wäre.

VON KARL SCHÖNHOLTZ

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