Eigenbedarf

Als Morphium-Ersatz: Mann unterhält Hanf-Plantage - auch seine Ehefrau ist beteiligt

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Symbolbild: Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Weil bei einem Ehepaar über ein Kilogramm Marihuana und eine blühende Hanf-Plantage mit 19 Pflanzen entdeckt wurde, musste es sich jetzt vor dem Gericht verantworten.

Bad Hersfeld - Drogenhandel war den beiden letztlich jedoch nicht nachzuweisen, vielmehr hatte der schwer kranke, auf diverse Medikamente angewiesene Mann die Betäubungsmittel offenbar als Ersatz für Morphium konsumiert, wie er und seine Verteidigerin vor Gericht erläuterten.

Die Drogen waren bei einer Durchsuchung am 17. September 2019 in der Wohnung und im Keller des Paares gefunden worden. Die Pflanzen wuchsen in einem Gewächshaus im Kleingarten.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen ein Hinweisgeber aus der Nachbarschaft, der den Vermieter und die Polizei über verdächtigen Geruch aus dem Keller informierte, wie ein beteiligter Polizist im Zeugenstand berichtete. Eine Durchsuchung war von der Staatsanwaltschaft jedoch zunächst abgelehnt worden, bis wohl der Zufall eine entscheidende Rolle spielte: Die Ehefrau verlor einige Zeit später ihre Handtasche und in dieser befanden sich unter anderem rund 19 Gramm Marihuana, wie sich bei der Polizei herausstellte, nachdem ein Unbeteiligter die Tasche gefunden hatte.

Auch dieses habe sie lediglich zu ihrem heute 64 Jahre alten Mann in den Kleingarten bringen und nicht etwa verkaufen wollen, erklärte die 57-Jährige. Beide Angeklagten sind erwerbsunfähig und bereits verrentet.

Die große Menge Betäubungsmittel im Wert von an die 10.000 Euro habe er von einem guten Bekannten „zur Verfügung gestellt“ bekommen, so der 64-Jährige. Über einen Verkauf der nicht für den Eigengebrauch benötigten Menge sei zwar mal gesprochen worden, aber dazu sei es nie gekommen, versicherte der Mann: „Ich habe doch gar keine Kundschaft, woher denn auch?“

Der Bad Hersfelder ist bislang völlig unbescholten und sei auch der im Drogenmilieu ermittelnden Polizei bis dato nicht bekannt gewesen. Schon 2017 sei ihm von der Krankenkasse medizinisches Cannabis genehmigt worden, erst vor Kurzem sei es jedoch gelungen, einen Arzt zu finden, der ihm entsprechende Kassenrezepte ausstellt.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich wegen des Besitzes einer nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung über einen Zeitraum von drei Jahren. Außerdem muss er 500 Euro in Raten an die Diakonie für das Anti-Drogen-Projekt Vollklar zahlen. Denn konkrete Anhaltspunkte und Beweise für einen Handel gab es nicht. Ein Bewährungshelfer sei nicht nötig.

Die Ehefrau wurde wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à acht Euro verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Nadine Maaz)

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