Angeklagter beteuert weiter seine Unschuld

Plädoyers im Prozess gegen 60-jährigen Gewalttäter aus Bad Hersfeld

Bad Hersfeld/Fulda. Im Landgericht Fulda sind im Prozess gegen einen mehrfach vorbestraften 60-Jährigen aus Bad Hersfeld nun die Plädoyers gehalten worden. 

Lebensbedrohliche Verletzungen durch Schläge und Tritte mit festen Schuhen an den Füßen, körperliche Übergriffe und Schläge gegen eine Zeugin, Freiheitsberaubung und Todesdrohungen – das sind die Vorwürfe gegen einen 60-jährigen Bad Hersfelder, gegen den seit Oktober vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Fulda unter Vorsitz von Richter Joseph Richter verhandelt wird.

Während Staatsanwältin Dr. Christine Seban, Nebenklagevertreter Sebastian Winkler und letztlich auch Verteidiger Achim Groepper nach zahlreichen Zeugenaussagen die Vorwürfe als erwiesen ansahen, sieht der Angeklagte sich als Opfer von Vorurteilen und bösartigen Anschuldigungen und erklärt nach wie vor seine Unschuld.

In ihrem Plädoyer ging Staatsanwältin Seban Punkt für Punkt die gegen den 60 Jahre alten Bad Hersfelder erhobenen Vorwürfe durch. Neben den Betroffenen hatten Polizeibeamte, Rettungssanitäter, Nachbarn, Ärzte und viele weitere Zeugen ausgesagt. Der Übermacht der Aussagen konnte sich auch Verteidiger Groepper nicht entziehen. Er habe in mehreren Gesprächen versucht, auf seinen Mandanten einzuwirken, eine „Kongruenz der wechselseitigen Ansichten“ sei jedoch nicht erreichbar, erklärte Groepper, der „pflichtgemäß“, wie er ausdrücklich betonte, Freispruch beantragte.

Staatsanwältin und Vertreter der Nebenklage fanden dagegen eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren angemessen. Eine Einschränkung der Schuldfähigkeit durch Alkohol halten Staatsanwältin und Nebenklagevertreter für möglich, sehen aber beim Angeklagten vor allem die Gewöhnung durch jahrzehntelangen Alkoholmissbrauch. Das Urteil wird am Donnerstag verkündet. 

Angeklagter: "Ich habe mein Leben vermasselt"

"Die Beweisaufnahme hat nichts erbracht“ – so sieht es der 60 Jahre alte Angeklagte. „Von Anfang an stand meine Verurteilung fest.“ Seinen Prozess vergleicht er mit der Vorgehensweise der Inquisition im 18. Jahrhundert. 

Unter anderem ärgert sich der 60-Jährige, der die Hälfte seines Lebens hinter Gittern verbracht und jede einzelne Bewährungsmöglichkeit, die ihm geboten wurde, verspielt hat, dass seine Vorstrafen vor Gericht vorgetragen wurden. Das wird jedoch bei jedem Prozess getan, wenn es Vorbelastungen gibt. Diese Liste von 25 Verurteilungen – quer durch das Strafgesetzbuch, wie Staatsanwältin Christine Seban feststellte – weckte Zweifel an den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten, ebenso wie an seiner Fähigkeit, künftig straffrei und ohne Alkohol zu leben.

Zwischen Straffälligkeit und Alkoholkonsum scheint es in der Tat einen Zusammenhang zu geben. Wenn er nichts getrunken hatte, sei er freundlich und hilfsbereit gewesen, hatte zum Beispiel die vom Angeklagten bedrohte Zeugin erklärt, die laut Staatsanwältin ohne Belastungseifer ausgesagt habe. Der Angeklagte hingegen wirft ihr vor, sie habe „eiskalt berechnend“ eine „hollywoodreife“ Vorstellung geboten, um ihn wieder ins Gefängnis zu bringen – eine Einschätzung, die auch Verteidiger Achim Groepper in Anbetracht des monatelangen Prozesses mit vielen Zeugenaussagen nicht nachvollziehen konnte. 

Der Angeklagte erzählte noch einmal von den Schicksalsschlägen – dem Suizid seiner ersten und dem Krebstod seiner zweiten Frau –, die ihn aus der Bahn geworfen hätten und kündigte an, dass dies der letzte Prozess seines Lebens gewesen sei. Unter Tränen räumte er ein: „Ich hab mein Leben vermasselt. Es tut mir leid." (zac)

Prozess gegen Hersfelder: Ärztin deckte mögliche Gewalttat auf

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

Kommentare