Kreishandwerkerschaft 

Pilotprojekt: Geflüchtete werden in Bad Hersfeld auf die Rückkehr vorbereitet

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Rückkehrende Geflüchtete für den Beruf in der Heimat vorbereiten: Das möchte das Projektteam der Kreishandwerkerschaft um (von links) Dr. Jibrail Moussa, Beate Diegel, Wolfgang Dressel und Hubert Lorenz. 

Hersfeld-Rotenburg. Geflüchtete vor der Rückkehr für den Berufsalltag in ihren Heimatländern vorbereiten: Das will ein im Februar startendes Pilotprojekt.  

Unter dem Motto "Entwickle dein Land" bietet die Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg dieses Projekt an. In seiner Form existiert das Projekt in Hessen ansonsten nur im Raum Frankfurt. „Durch die Qualifikation sollen die Menschen, die zurück in ihre Heimat wollen oder müssen, ihre Familien vor Ort ernähren können und gleichzeitig dazu beitragen, ihr Heimatland wirtschaftlich weiterzuentwickeln“, erklärt Projektbetreuer Wolfgang Dressel.

Wählen können Teilnehmer aus einem großen Modulpaket, das von Automobiltechnik über Photovoltaik und Tourismus bis hin zur Schweißtechnik reicht. Für die Geflüchteten, die unter anderem aus Afghanistan, Irak, Marokko und Ägypten stammen, ist die Teilnahme und die Anfahrt kostenlos. Sie sollten allerdings einen noch mindestens vierwöchigen Aufenthalt in Deutschland haben.

Start in Rotenburger Erstaufnahme

Zu Projektbeginn möchte sich die Kreishandwerkerschaft zunächst auf Menschen konzentrieren, die Arabisch und Persisch sprechen. „Wir gehen zunächst mit Informationsveranstaltungen auf die Menschen zu“, erklärt Geschäftsführer Hubert Lorenz. Begonnen wird damit in der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Alheimer-Kaserne. „Wir entwerfen dann mit den Teilnehmern einen Lebenslauf in Deutsch und ihrer Landessprache, damit sie etwas an der Hand haben, wenn sie zurückkehren“, so Lorenz.

Individuell werde dann mit den Geflüchteten ausgearbeitet, für welche Module Interesse besteht und ob in der Heimat eher ein Angestelltenverhältnis oder die Selbstständigkeit in Frage kommt. „Es handelt sich bei unserem Angebot um keine Ausbildung im eigentlichen Sinne, aber um eine Hilfe, um die berufliche Zukunft aufzuzeigen“, so Lorenz weiter.

Einzugsgebiet bis Kassel oder Fulda

Wegen des Alleinstellungsmerkmals in der Region reicht das mögliche Einzugsgebiet für geflüchtete Projektteilnehmer bis nach Kassel, Fulda und den thüringischen Wartburgkreis. Sollten landwirtschaftliche Module bevorzugt werden, dann besteht eine Kooperation mit der Gesellschaft für Nachhaltige Entwicklung in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis), die ihre Räumlichkeiten für mögliche Schulungen zur Verfügung stellt.

Logischerweise sollten die Teilnehmer im Pendlerbereich von Bad Hersfeld, Rotenburg und Bebra leben. Dass die Kreishandwerkerschaft ein internationales Projekt initiiert und sich in der Geflüchtetenarbeit engagiert, ist kein Zufall: Mehr als sechs Jahre lang bestand ein internationales Berufsbildungsprojekt mit der Republik Moldau. Außerdem setzen sich die Handwerker seit 2014 in der Integrationsarbeit ein und bereits 2016 legten die ersten Geflüchteten im Kreis Hersfeld-Rotenburg ihre Gesellenprüfung ab. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und findet im Auftrag des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung statt.

Referenten gesucht

Für die Umsetzung sucht die Handwerkerschaft weiterhin Fachreferenten für Theorie und Praxis.

Interessierte können sich mit Projektbetreuer Wolfgang Dressel per Telefon unter 0 66 21/92 89 26 oder per E-Mail an wolfgang.dressel@kh-hef-rof.de in Verbindung setzen.

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