Ex-Amazon-Manager will der Region etwas zurückgeben

Paul Niewerth kämpft für den ICE-Halt in Bad Hersfeld

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Charmanter Streiter: Paul Niewerth, Sprecher im Aktivbündnis für Waldhessen, will bei den Planungen für die neue Bahnstrecke Fulda-Gerstungen den größtmöglichen Nutzen für die Region herausholen.

Nach einem erfolgreichen Berufsleben engagiert sich der frühere Amazon-Manager Paul Niewerth aus Heenes im Aktivbündnis Waldhessen rund um die neue Schnellbahntrasse. 

Mit 60 sollte Schluss sein. Das hatte Paul Niewerth nach einem bewegten, höchst erfolgreichen Berufsleben, für sich beschlossen. Aber dann nur zu Hause herumsitzen? „Das ging gar nicht“, sagt der groß gewachsene Mann mit dem gewinnenden Lächeln.

Weil etwa gleichzeitig mit dem Ruhestand das Thema einer Bahntrasse durch das Geistal aufkam, hatte Niewerth sein neues Betätigungsfeld schnell gefunden. „Die Strecke wäre nur ein paar hundert Meter von unserem Haus in Heenes entfernt verlaufen“, räumt er persönliche Betroffenheit ein, will jedoch nicht als Totalverweigerer missverstanden werden.

Die geplante neue Verbindung Fulda-Gerstungen werde auf jeden Fall kommen, also gelte es, den größtmöglichen Nutzen für die Region daraus zu ziehen. Niewerth engagiert sich deshalb nicht nur lokal beschränkt in der Bürgerinitiative Unteres Geistal, sondern ist auch Sprecher im Aktivbündnis Waldhessen, in dem sich zehn Initiativen zusammengetan haben.

Von Anfang an hätte man im Dialog mit der Bahn für eine Tunnel-Lösung plädiert, die sich jetzt auch das Hersfelder Rathaus zu eigen gemacht hat. „Diese Idee ist nicht bei der Stadt gewachsen, sondern bei uns“, sagt Niewerth und lächelt ein weiteres Mal.

Verhindern will Niewerth die neue Trasse nicht. Im Gegenteil. „Wenn wir den ICE-Halt in Bad Hersfeld erhalten, ist das eine Riesenchance. Wenn die Fahrzeit nach Frankfurt dann weniger als eine Stunde beträgt, werden wir für Menschen interessant, die dort arbeiten. Dann gehören wir zu Metropolregion.“

Mittlerweile habe sich auch „die Art des Umgangs“ vonseiten der Bahn verbessert, sodass Niewerth und seine Mitstreiter gespannt auf den kommenden Donnerstag schauen, wenn beim nächsten Dialogforum aller Verfahrensbeteiligten die Grobkorridore für den möglichen Streckenverlauf bekannt gegeben werden.

Kein Eiferer, sondern charmanter Streiter

Der 63-Jährige ist dabei kein Eiferer, sondern ein charmanter Streiter. Dieser Wesenszug hat ihm auch im Berufsleben die Wege geebnet. „Meine Stärke ist es, Leute zu gewinnen“, sagt er im Bewusstsein, dass der Teamgedanke letztlich auch die Basis seines Erfolges war. Niewerth stammt aus dem Münsterland, hat die Logistik schon während des dualen Studiums bei Langnese/Iglo verinnerlicht und hier auch seine erste Arbeitsstelle angetreten.

Im Unternehmen begegnete er Rico Back, dem späteren Gründer des Logistikzentrums von German Parcel (heute GLS) in Neuenstein. Dieser holte ihn 1990 nach Waldhessen. Nach zwei weiteren Stationen in Frankfurt und München wurde Niewerth schließlich auf eine vielversprechende Baustelle am Eichhof in Bad Hersfeld aufmerksam: Hier entstand 1999 das erste große Verteilzentrum von Amazon Deutschland. Auf wechselnden Positionen, aber am liebsten immer in der Logistik, machte Niewerth Karriere bis zum von Belegschaft hochemotional gestalteten Abschied nach 17 Jahren.

Besonders gern erinnerte er sich an die gemeinsame Besteigung des Hersfelder Stadtkirchenturms mit Amazon-Chef Jeff Bezos, weniger gern an die reißerische Berichterstattung des Hessischen Rundfunks über die fragwürdige Unterbringung von ausländischen Leihkräften in den Feriendörfern der Umgebung.

Unter dem Strich steht bei Paul Niewerth jedoch die Erkenntnis: „Nicht alle haben so viel Glück gehabt wie ich, da kann ich ein bisschen was zurückgeben“. Auch das tut er mit einem Lächeln im Gesicht.

Zur Person

Paul Niewerth (63) stammt aus Reken im Münsterland, wo auch eine Produktion von Langnese/Iglo ansässig ist, seinem ersten Arbeitgeber nach dem Studium der Betriebswirtschaft und der Logistik. Mitte 1999 kam Niewerth zu Amazon nach Bad Hersfeld. Dem Unternehmen gehörte er bis zum Ruhestand 2016 an. Niewerth lebt im Bad Hersfelder Stadtteil Heenes, ist verheiratet und hat fünf Patenkinder. In seiner Freizeit sitzt er gerne auf dem Rennrad.

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