Sendung am 13. Juni, 21 Uhr, im HR-Fernsehen

Umzug der Orthopädie von Hersfeld nach Rotenburg: Heute Diskussion im Schildepark 

+
Gilt als Klinik-Juwel: Die Orthopädie Bad Hersfeld, die in den kommenden Jahren nach Rotenburg verlagert werden soll. 

Die Verlagerung der Orthopädischen Klinik von Bad Hersfeld nach Rotenburg ist Thema der Sendung „Jetzt mal Klartext!“, die der HR am Dienstag ab 13 Uhr im Schilde-Park aufzeichnet.

Über die Gründe für die Verlagerung und die Sorgen der Bürgerinitiative, die sich gegen den Umzug stark macht, sprachen wir jetzt mit Martin Ködding und Dr. Tobias Hermann, den Geschäftsführern der Klinikum Bad Hersfeld GmbH. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir hier zusammengefasst:

Warum kann die erfolgreiche Orthopädie nicht einfach weiterarbeiten wie bisher?

„Die orthopädische Klinik leistet hervorragende Arbeit“, sind sich die beiden Geschäftsführer mit den Sprechern der Bürgerinitiative zum Erhalt der Orthopädie in Bad Hersfeld einig. Es gibt jedoch unterschiedliche Meinungen dazu, wie die Zukunft der Klinik aussehen soll. „Für uns kommt ein einfach ‘weiter so’ nicht in Frage, wir wollen die Zukunft gestalten“, betont Dr. Tobias Herrmann. Im Gesundheitswesen werde nichts so bleiben, wie es jetzt sei..

Aber bisher funktioniert es doch gut?

„Das Gesundheitswesen ist extrem dynamisch“, stellt Martin Ködding fest. Es gebe ständig neue Entwicklungen und neue Vorgaben. Der Trend gehe jedoch ganz stark hin zu größeren Kliniken. In Deutschland gebe es im internationalen Vergleich besonders viele Kliniken. Zu viele, sagten Fachleute im Gesundheitswesen. „Die Politik versucht seit Jahren, Krankenhäuser zu schließen, zu fusionieren und Standorte zu reduzieren“, erklärt Ködding. Dabei gehe es nicht nur um Einsparungen, sondern auch um Sicherheit für die Patienten, weil man davon ausgehe, dass größere Fallzahlen auch mehr Erfahrung und Routine bei den Ärzten mit sich brächten. Kleine Kliniken könnten ganz schnell in einer Situation geraten, in der sie nicht mehr existieren könnten, wenn zum Beispiel gefordert werde, dass es überall dort, wo operiert werde, auch eine Intensivstation geben müsse. Die einzurichten sei weder finanziell noch personell machbar. Schon jetzt gebe es zu wenig Personal für die bestehenden Intensivstationen.

Die Orthopädie steht ja aber doch finanziell gut da und gibt dem Klinikum Kredite, oder?

Das stimmt grundsätzlich. Allerdings werde dieser Kredit gut verzinst, betont Martin Ködding. Die Rücklagen seien nur entstanden, weil das Klinikum sie bei der Orthopädie belassen habe. Heutzutage sei es üblich, dass die sehr kostenintensive Unfallchirurgie und die eher einträgliche Orthopädie ein Fachgebiet seien. In Bad Hersfeld seien die beiden Bereiche getrennt. Dadurch läge der finanzielle Nachteil beim Klinikum, dass die Unfallchirurgie mit Tag- und Nachtbereitschaft bereithalte. Als weitere Entwicklung im Krankenhauswesen nennen Ködding und Hermann den Trend zur interdisziplinären Versorgung. Der Mensch werde als Ganzes gesehen mit allen möglichen anderen Erkrankungen.

Wie steht es denn um die Wirtschaftlichkeit? Eine Klinikverlagerung und die damit verbundenen Neubauten sind doch teuer?

„Warum sollte man ein fremdes Gebäude langfristig anmieten, wenn man ein eigenes hat?“ stellt Dr. Tobias Hermann als rhethorische Frage in den Raum. Zudem habe das Konzept der Neuordnung der Kliniklandschaft im Kreis das Land und die Vertreter der Krankenkassen überzeugt. Von den insgesamt 72 Millionen an Bundes- und Landesmitteln, die für Schließungen oder Konzentrationen in Hessen zur Verfügung stünden, habe das Klinikum eine Zusage über neun Millionen Euro erhalten. „Das Land und die Kassen würden kaum eine solche Summe in den Kreis geben, wenn das nicht eine gute Idee wäre, die wir da haben“, betont Hermann, der unter anderem deshalb nach Bad Hersfeld gekommen ist. Das Konzept, mit dem eine Klinik rekommunalisiert bzw. in öffentlicher Hand gehalten werden soll, hat ihn überzeugt. Üblich sei viel eher die Privatisierung.

Es gab ja viele Stimmen, die fürchteten, das Klinikum habe sich mit der Übernahme des HKZ in Rotenburg übernommen und die sagen, die Orthopädie werde nur verlagert, um das HKZ zu retten.

Die Orthopädie habe im Jahr einen Überschuss von 106.000 Euro erwirtschaftet, erklärt Martin Ködding. „Damit kann man das HKZ nicht retten.“ Er gibt zudem zu bedenken, dass bei einer Übernahme des HKZ durch einen privaten Betreiber mit Attacken auf die kommunalen Krankenhäuser zu rechnen gewesen wäre. Das heißt, so Ködding, dort wären Abteilungen eingerichtet worden, die dem Klinikum und dem Kreiskrankenhaus Rotenburg Patienten abspenstig hätten machen sollen.

Eine große Sorge der Bürgerinitiative ist ja, dass das Risiko, sich mit resistenten Keimen zu infizieren, in einem großen Haus enorm steigt.

Je älter Patienten würden, desto großer sei die Gefahr, dass sie Problemkeime in sich trügen, macht Dr. Herrmann deutlich. Eine Selektion, also solche Patienten nicht aufzunehmen, hält er für ethisch fragwürdig. Stattdessen setze man auf Hygienemanagement. Jeder Patient werde bei der Aufnahme auf Keime untersucht und entsprechend behandelt. Zudem sei gerade im HKZ, das einen guten Ruf wegen seiner Herzchirurgie habe, Hygiene schon immer ganz besonders wichtig.

Abschließend betont Martin Ködding, wie sehr ihm die Orthopädie, die ja unter seiner Geschäftsführung ins Leben gerufen wurde, am Herzen liege. „Das ist ein Stück weit mein Baby“, sagt er. „Ich mache das aus Leidenschaft, weil ich die Orthopädie mittelfristig erhalten will.“

Zu sehen ist die Diskussion am Donnerstag, 13. Juni, ab 21 Uhr im hr-Fernsehen.

Kommentare