Prozess gegen 58-Jährigen Bad Hersfelder

Opfer sind bis heute traumatisiert

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FULDA – Beim Prozess am Landgericht Fulda gegen einen 58-jährigen Hersfelder, wurde  bei der Vernehmung der Opfer deutlich, welche Folgen der Vorfall bis heute hatte.

Die 40-jährige Gerichtsbedienstete und die 49 Jahre alte Frau von der Stadtverwaltung befinden sich noch immer in therapeutischer Behandlung, um die ausgestandenen Todesängste zu verarbeiten. Der 54-jährige Kollege vom Ordnungsamt („Mir geht es ganz schlecht“) leidet bis heute unter Schlaflosigkeit und Albträumen, ist immer wieder krankgeschrieben und arbeitsunfähig.

Alle drei schilderten das dramatische Geschehen in gebotener Sachlichkeit: In einer Gaststätte in der Dudenstraße sollte wegen ausstehender Mietzahlungen das Inventar per Pfändungsbeschluss gesichert werden, was der türkischstämmige Familienvater als drohende Räumung missverstand. Der damals 56-Jährige begann zu randalieren, zerstörte Einrichtungsgegenstände und verschüttete aus zwei Kanistern Benzin. Dabei benetzte er mehrere Personen und drohte mit einem bereits entflammten Feuerzeug. Später hatte er noch an zwei Stellen im Haus Feuer gelegt.

„Ich hatte Todesangst, weil ich nicht einschätzen konnte, was passiert“, sagte die Gerichtsvollzieherin und fügte hinzu: „Ich dachte, das Gebäude fliegt jetzt mit uns in die Luft.“

Nachdem er eine „Dusche Benzin von hinten“ und einen Schwapp von vorne in die Augen erlitten hatte, flüchtete der Mann vom Ordnungsamt mit anderen durch ein Fenster in einen ummauerten Innenhof, wo er aber erneut festsaß. Dort erhob der immer noch wütende Hausbewohner einen Zimmermannshammer gegen die Frau von der Stadt („Der hätte mich totgeschlagen“), bis dessen Sohn beschwichtigend eingriff. Auf der Flucht zurück durch den Gastraum rutschte die Frau in den Bezinlachen mehrfach aus und gelangte schließlich „auf allen Vieren“ ins Freie.

Der Einzige, der die Ruhe bewahrte, war der Mann vom Schlüsseldienst. „Ich hab’s einigermaßen gut weggesteckt“, berichtete er, auch ohne ärztliche Hilfe. Er habe schon so Einiges erlebt, auch Schlimmeres.

Der sichtlich erschütterte Angeklagte bat alle Betroffenen um Entschuldigung, brach einmal sogar in Tränen aus. Der Prozess wird am Montag, 8. April, fortgesetzt.

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