Chorverein Bad Hersfeld

Operettengala: Wien, Webber, Westside-Story

Agustín Sanchez und Christiane Linke eroberten nicht nur als Solisten die Herzen des Publikums, sondern überzeugten auch als charm antes Duo.

Das 20. Neujahrskonzert des Chorvereins Bad Hersfeld begeisterte das Publikum in der Stadthalle.

Herzerwärmende, begeisternde Musik, die sich perfekt eignete, um einen regnerisch-düsteren Januar-Tag aufzuhellen – das von Helgo Hahn geleitete Frankfurter Johann-Strauß-Orchester begeisterte mit seiner traditionellen Operettengala das Publikum in der komplett gefüllten Stadthalle. Das Jubiläumskonzert – es war das 20. seiner Art – stand, wie Moderator Dieter Voss gleich zu Beginn feststellte komplett im Zeichen der drei W: Wien, Webber und Westside-Story bildeten den roten Faden durch das unterhaltsame und sehr kurzweilige Programm.

Agustín Sanchez und Christiane Linke eroberten nicht nur als Solisten die Herzen des Publikums, sondern überzeugten auch als charmantes Duo.

Einmal mehr setzte der Chorverein, unterstützt von der Stadt Bad Hersfeld und der Hersfelder Zeitung mit seinem Neujahrskonzert auf eine bewährte Mischung von Unterhaltungsmusik des gehobenen Niveaus: Walzerseligkeit, spritzige Operettenmusik und Musik populären Musicals standen an diesem Abend auf dem Programm.

Operettengala begeisterte das Publikum in Bad Hersfeld

In der ersten Konzerthälfte reihte sich eine Liebeserklärung an die Donaumetropole an die andere: Emmerich Kálmáns „Grüß mir mein Wien“ aus der Operette „Gräfin Maritza“ war hier ebenso vertreten wie der Inbegriff des Walzers „Wiener Blut“ des Komponisten Johann Strauß und der Marsch „Wien bleibt Wien“.

Den Schlusspunkt der Wien-Seligkeit setzte das Duett „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“. In der zweiten Hälfte ließen die Musical-Interpretationen deutliche Vorfreude auf die Festspielzeit aufkommen. Moderator Dieter Voss führte souverän und charmant durch das Programm. Er würdigte das Engagement der Organisatoren – namentlich von Helgo Hahn und Hans-Jürgen Dietz – denen es seit 20 Jahren gelungen sei, ein niveauvolles Programm zusammenzustellen. Auch die Treue des Publikums sei in Bad Hersfeld ein wesentlicher Aktivposten. Voss erinnerte auch an seinen Vorgänger, den 2013 verstorbenen Elmar Gunsch, der die Neujahrskonzerte viele Jahre lang mit seiner charakteristischen sonoren Stimme und seinem Wissen geprägt hat.

Als Solistenduo waren die Sopranistin Christiane Linke und der Tenor Agustín Sanchez, der in letzter Minute für den erkrankten Stefan Lex eingesprungen war, mit von der Partie. Beide begeisterten durch ihre stimmlichen Qualitäten und durch Präsenz, Ausstrahlung, Charme und Humor.

Ihre stärksten Momente hatten beide vor allem in den Operettenmelodien und den Wienerliedern. Sanchez beeindruckte vor allem durch die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit seiner Interpretationen (gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ihm nicht viel Zeit zur Vorbereitung geblieben war) und durch seine Stimme, die vor allem in den hohen Lagen ihre Strahlkraft entfalten konnte. Christiane Linkes vergleichsweise dunkel timbrierter Sopran zeigte - besonders sichtbar in ihrer Interpretation des Musical-Klassikers „Memories“ aus Andrew Lloyd-Webbers „Cats“– einen erstaunlichen Stimmumfang und enorme Energiegeladenheit. 

Das von Helgo Hahn geleitete Johann-Strauß-Orchester ließ auf der frühlingshaft mit Blumen geschmückten Bühne von der ersten Minute an den Funken der Begeisterung auf das Publikum überspringen: Temperamentvoll, elegant und mit viel Gefühl für Nuancierungen, erwiesen sich die Mitglieder des Orchesters als fein ausbalancierter, perfekt aufeinander abgestimmter Klangkörper. Mit Stücken wie der Ouvertüre der Operette „Wiener Frauen“ von Franz Lehár, „Amerika“ aus Leonard Bernsteins „Westside Story“ sowie Medleys aus den Musicals „Jesus Christ Superstar“ und „Evita“ zeigten sie ihre Wandlungsfähigkeit und ihre Fähigkeit zu differenzierter Interpretation, die sowohl die kraftvollen, energiegeladenen Passagen als auch die zarten Zwischentöne wirkungsvoll zur Geltung brachte. Mit stehenden Ovationen revanchierte sich das Publikum am Schluss für ein rundum gelungenes Konzerterlebnis, das in bewährter Weise durch den von Tanzeinlagen der Solisten und des Moderators begleiteten „Radetzky-Marsch“ als letzte von drei Zugaben abgerundet wurde.

Von Ute Janßen

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