Ehrenamtliche unterstützten Familien

Oma und Opa auf Zeit: Leihgroßeltern in Bad Hersfeld ausgebildet

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Jetzt kann es losgehen: Die frisch gebackenen Leihomas und Leihopas mit ihren Zertifikaten.

Bad Hersfeld. Spielen oder Plätzchen backen – das machen Kinder oft mit Oma und Opa. Aber nicht immer wohnen diese in der Nähe. Die "Leihgroßeltern" helfen dann gerne.

Oft wohnen die Großeltern nicht so nah, dass sie die Enkelkinder regelmäßig besuchen oder als Babysitter einspringen können. Vor allem junge Mütter und Alleinerziehende haben es schwer ohne Unterstützung. Im Projekt „Hand in Hand“ des Landkreises und dem Projekt der Stadt „Leihgroßeltern“ können sich Menschen ehrenamtlich engagieren und so zu Oma und Opa zum Ausleihen werden.

Acht Leihomas und ein Opa haben jetzt den Basiskurs Ehrenamt abgeschlossen und ein Zertifikat erhalten. Einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden werden die frisch gebackenen Leihgroßeltern die Familien nun unterstützen. „Das Projekt ist ein Gewinn für alle“, sagt Netzwerkkoordinatorin Ulrike Stauffenberg. Die Großeltern können sich dabei aussuchen, ob sie sich um Kinder im Alter von null bis drei Jahren bei den frühen Hilfen oder um Kinder ab vier Jahren als „Leihgroßeltern“ kümmern.

Ditlind Stobbel ist nun frisch gebackene „Leihoma“ und wird ein Kind im Alter von null bis drei Jahren betreuen. „Ich habe leider keine Enkelkinder, hätte aber gerne welche“, erzählt die 68-Jährige. Sie war selbst alleinerziehende Mutter und weiß deshalb, wie es ist, wenn man keine Unterstützung hat. Ditlind Stobbels Sitznachbarin Hilde Grüner wird eines der älteren Kinder übernehmen. Ob sie schon weiß, was sie als Erstes mit ihrem Leih-Enkelchen macht? „Plätzchen backen natürlich – das macht man doch mit Oma“, lacht sie. Auch sie hat keine eigenen Enkelkinder. „Ich wollte meine Zeit nutzen und sinnvoll gestalten. Jetzt habe ich eine gute Aufgabe gefunden“, erzählt sie.

Volker Bonstein ist der einzige Leihopa in der Runde. Und das ist eine Neuheit – vor ihm hat es noch keinen Leihopa gegeben. Zu dem Projekt angestoßen haben ihn seine Kinder, die ebenfalls beide sozial engagiert sind. „Jetzt war ich an der Reihe“, sagt er lachend. Inspiriert vom Engagement seiner Kinder hat er nun den Kurs zum Leihopa gemacht. „Das ist doch schon mal eine gute Übung für meine eigenen Enkelkinder später“, sagt Volker Bonstein. Er freut sich darauf, „richtige Opa-Sachen“ mit seinen zukünftigen Leih-Enkeln zu unternehmen. „In Obergeis habe ich einen Fischteich. Da gibt es so viel zu sehen für Kinder“, erzählt der einzige Leihopa.

Auch Brigitte Bolender hat sich schon ein Programm überlegt. „Wenn es regnet, gehen wir ins Schwimmbad – jedes Kind geht gerne schwimmen. Oder wir backen Pizza. Jeder darf seine Ecke dann so belegen, wie er mag“, erzählt sie. Selbst ist sie noch keine Oma, was sie sehr bedauert. Deswegen hat sich Brigitte Bolender als Leihoma eine „sinnvolle Tätigkeit“ gesucht, wie sie sagt.

Jetzt heißt es für die frisch gebackenen Leihomas und Leihopas aber erst mal warten. „Es gibt schon einige Familien, die interessiert sind“, verrät Netzwerkkoordinatorin Ulrike Stauffenberg.

Wer noch Interesse hat, Leihoma oder Leihopa zu werden, oder wer Unterstützung von Leihgroßeltern sucht, kann sich bei Tanja Wohlberedt von der Dippelmühle unter der Telefonnummer 06621/4096615 melden. (an)

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