„Die Ruine war für mich einmalig“

Festspiel-Momente: Olivia Molina denkt gerne an Bad Hersfeld zurück

Das Bild zeigt Olivia Molina im Dezember 2011 beim lateinamerikanischen Weihnachtskonzert in der Bad Hersfelder Stadtkirche.
+
Publikumsliebling: Olivia Molina im Dezember 2011 beim lateinamerikanischen Weihnachtskonzert in der Bad Hersfelder Stadtkirche.

Die Bad Hersfelder Festspiele 2020 wurden wegen des Coronavirus abgesagt. Mit Erinnerungen der Theatermacher und Bildern aus dem Archiv finden sie gefühlt trotzdem statt.

Bad Hersfeld – Ihr scharf rollendes R lässt auch die Telefonleitung vibrieren: Olivia Molina, das ist eine Stimme mit unverwechselbarem Timbre. Und diese Stimme gehört zu einer Frau, die ohne lange Vorrede lossprudelt – zumindest beim Stichwort Bad Hersfelder Festspiele.

„Die Ruine war für mich einmalig“, schwärmt sie noch heute von ihren Auftritten als Spelunken-Jenny in der „Dreigroschenoper“. 1972 und 1973 war das unter Ulrich Erfurth und 1991 noch einmal, als Peter Lotschak Regie führte. Der hatte sie bei der Beerdigung des damaligen Leiters der Festspielverwaltung, Hans Schmidt, getroffen und bei dieser Gelegenheit gleich verpflichtet.

1974 trat sie als Köchin in Brechts „Puntila“ ebenfalls in der Stiftsruine auf. Die Begegnung mit großen Darstellern wie Günter Ungeheuer, Volker Lechtenbrink oder Friedrich Schütter sind ihr unvergessen.

Doch Bad Hersfeld bedeutet für Olivia Molina nicht nur das Spiel auf der Bühne. Das Ehepaar Wenzel vom gleichnamigen Hotel, in dem sie wohnte, sowie Hannelore und Hans-Jürgen Dietz sind ihr in dieser Zeit zu Freunden geworden. „Zu Bad Hersfeld habe ich eine treue Verbindung, die hat lange gehalten.“

Überhaupt hat sie sich in der Festspielstadt stets gut aufgenommen gefühlt. „Ich war immer offen, aber ich habe auch immer ein tolles, respektvolles Publikum gehabt“, sagt sie. Das galt auch für ihre zahlreichen Besuche außerhalb der Theatersaison. Ihre Konzerte, darunter die lateinamerikanischen Weihnachtsmessen, sind unvergessen. „Die Stadt hat mir immer sehr gefallen.“

Aus dem Beruf hat sich Olivia Molina 2012 nach 50 Jahren ins Privatleben verabschiedet. „Ich hatte ja vorher keines. Ich werde im Januar 75, bin heute Haus- und Ehefrau“, lacht sie und lässt die Telefonleitung ein weiteres Mal vibrieren.

Geboren wurde sie zwar als Tochter einer Deutschen und eines Mexikaners in Kopenhagen, lebte ein paar Jahre in Schweden, doch groß geworden ist sie in Acapulco, direkt am Meer. Deshalb ist hierzulande Witzwort in Nordfriesland ihre Wahlheimat geworden.

„Manchmal habe ich Angst, dass ich das Spanische verlerne“, gesteht sie, denn ihre mexikanische Identität ist ihr nach wie vor wichtig. Also liest sie spanische Bücher im Original. „Das ist schließlich meine Kultur.“

Das Coronavirus hat ihr bislang nichts anhaben können. „Mir geht es sehr gut. Ich bin gesund, ich kümmere mich um meine Familie, die zum Teil in Kalifornien lebt. Die haben’s dort schwer,“ sagt sie und wünscht sich für ihre Verwandtschaft, dass „Corona stärker ist als Trump“.

Olivia Molina weiß um ihre vergleichsweise komfortable Lage. „Ich komme gerade vom Schwimmen, das ist hier alles gut geregelt. Ich kann selbst entscheiden, mit wem ich mich treffen will. Wir leben paradiesisch hier.“ Dass ihr der Erfolg nicht einfach zugefallen ist, hat sie jedoch nicht vergessen. „Das war alles nur wegen meiner Stimme. Ohne sie hätte man mich nicht wahrgenommen. Aber das war auch harte Arbeit und viel Disziplin. Ich habe auf Vieles verzichtet, was aber nicht schwierig war, weil immer die Musik im Vordergrund gestanden hat.“

13 Jahre lang hat sie Gesangsstunden genommen und sich seit den Anfängen mit Schlagern („Heute Si, morgen No“ oder das „Let it be“-Cover „Aber wie“) stetig weiter entwickelt. „Ich hatte das „Glück, mit kultivierten Leuten zusammenzuarbeiten.“ Dennoch war sie verblüfft, als ihr eines Tages der Hersfelder Intendant Ulrich Erfurth eine Rolle in der „Dreigroschenoper“ anbot. Dass das Stück keine klassische Oper war, sondern nur so hieß, das hat Olivia Molina zu ihrer Erleichterung erst später erfahren.

In Bad Hersfeld ist Olivia Molina jetzt länger nicht gewesen, doch ein Stück der Stadt ist stets an ihrer Seite: Ehemann Bernhard, der früher einmal Wirt im „Abtschlösschen“ war, hat sie hier kennengelernt und einfach mitgenommen. (Karl Schönholtz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare