„Offen sein für gute Ideen“

100 Tage Bürgermeister: Timo Lübeck setzt in Haunetal auf Kooperation

Zurück an alter Wirkungsstätte: In der Haunetaler Verwaltung war Timo Lübeck (CDU) einst Azubi. Seit 1. Dezember 2020 ist er Bürgermeister.
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Zurück an alter Wirkungsstätte: In der Haunetaler Verwaltung war Timo Lübeck (CDU) einst Azubi. Seit 1. Dezember 2020 ist er Bürgermeister.

Seit 1. Dezember 2020 ist Timo Lübeck (CDU) nun Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Haunetal. Wir haben mit ihm über die ersten 100 Tage im Amt gesprochen.

Sie sind seit 100 Tagen im Amt. Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie schon?

Meistens schlafe ich gut. Im Amt ist es ziemlich genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Mitarbeiter unterstützen mich alle gut und wir haben schon vor dem offiziellen Amtsantritt begonnen, die vielen offenen Baustellen zu bearbeiten. Es gibt ja nicht nur die großen Themen, die es in die Zeitung schaffen, sondern verschiedenste Punkte, die fast niemand mitbekommt, die dennoch wichtig sind. Manches lässt sich schnell lösen, in anderen Dingen braucht man einen langen Atem.

Sie haben die Entscheidung also nicht bereut?

Nein.

Eine gute Nachricht konnten Sie bereits verkünden: Die Kita-Erweiterung hat es auf die Prioritätenliste des Kreisausschusses geschafft und könnte mit 677 000 Euro gefördert werden. War das Zufall oder ist das Ihren guten Kontakten zu verdanken?

Es haben sich viele dafür eingesetzt. Dass es nun geklappt hat, ist eine gute Nachricht, da wir Haunetal als familienfreundliche Gemeinde aufstellen wollen. 100 Tage sind natürlich kein Zeitraum, um eine große politische Bilanz ziehen zu können. Neben der Finanzierung für den An- und Umbau der Kita ist ein weiterer wichtiger Bereich der Brandschutz. Dort sind wir mit dem neuen Fahrzeug des Katastrophenschutzes jetzt deutlich besser gewappnet. Und wir haben in der jüngsten Gemeindevorstandssitzung die Voraussetzungen geschaffen, dass die Firma Metalltechnik Haunetal ihre Erweiterungspläne am Standort Neukirchen realisieren kann.

Begegnen Ihnen die Menschen nun anders als Herr Bürgermeister oder sind Sie immer noch der Timo?

Für die Allermeisten bin ich immer noch der Timo. Man merkt jedoch, selbst im Freundeskreis, dass die meisten erst mal mit einem Thema kommen, dass den Bürgermeister interessieren sollte, und danach erst werden die privaten Dinge angesprochen. (lacht). Auch das hatte ich so erwartet und es ist ja gut, wenn die Leute interessiert sind. Ich versuche, möglichst viel zu kommunizieren, aber vor allem auch zuzuhören und offen zu sein für gute Hinweise und Ideen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Ihrem Amtsvorgänger?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er ein solches Amt übergibt und welche Verantwortung er dabei für die Gemeinde und die Bürger hat. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Dankbar bin ich allerdings, dass nicht nur die Verwaltung, sondern auch die ehrenamtlichen Beigeordneten mir beim Start sehr geholfen haben. Auch mit den Fraktionen gibt es einen guten Austausch. Wenn wir die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren so fortsetzen, bin ich guten Mutes, dass wir gemeinsam eine Menge hinbekommen.

Es ist sicher auch von Vorteil, dass Sie als ehemaliger Auszubildender und Gemeindevertreter nicht komplett bei Null anfangen mussten?

Selbstverständlich ist es von Vorteil, wenn man viele Akteure und Themen schon kennt und weiß, wie die Verwaltung funktioniert. Aber es gibt auch viele Aufgaben, in die man sich erst einarbeiten und wo man viel nachfragen muss.

Wie groß ist der Unterschied zwischen der großen Politik in Berlin und der politischen Realität in einer kleinen Gemeinde?

Das ist schwer zu vergleichen. Gerade wenn man vor Ort wohnt, spürt man sofort, was funktioniert oder wo es hakt. Man bekommt unmittelbare Rückmeldungen, weil man ja selbst Teil der Gemeinde ist. Das macht es spannend. Man arbeitet nicht an abstrakten Gesetzesentwürfen, sondern an konkreten Projekten, die das Leben der Bürger hier verbessern sollen.

Und wie viel Karneval steckt in der Politik?

(lacht) In diesem Jahr natürlich viel zu wenig. Etwas Humor kann auch in der Politik nie schaden.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten 100 Tage gesteckt?

Vorantreiben wollen wir auf jeden Fall die interkommunale Zusammenarbeit, wo immer sie sinnvoll ist. Mit dem Kollegen Harald Preßmann aus Hauneck prüfe ich gerade, wie wir gemeinsam beim Radwegebau vorankommen. Bei Digitalisierungsmaßnahmen in der Verwaltung könnten wir uns vorstellen, mit Niederaula zu kooperieren. Mit den Bürgermeisterkollegen bin ich außerdem im Gespräch über die geplante Schnellbahnstrecke. Wir wollen die Variante, die direkt an Wehrda vorbeiführt, verhindern und uns gemeinsam für den Erhalt des ICE-Halts in Bad Hersfeld einsetzen.

Gute Neuigkeiten gibt es zum Gewerbegebiet: In Kürze werden wir den Notarvertrag mit einer Firma unterschreiben, die auf 10 000 Quadratmetern eine neue Produktionsstätte errichten möchte. Mit weiteren Unternehmern bin ich im Gespräch.

Über allem schwebt dieses Jahr aber vermutlich die Corona-Krise.

Die Pandemie ist für alle Kommunen eine große finanzielle Herausforderung. Im vergangenen Jahr hat Haunetal 373 000 Euro weniger Gewerbesteuer eingenommen als geplant. Einen Teil hat das Land dankenswerterweise ausgeglichen, aber das ist ja nur ein Bereich. Der Haushalt 2021 ist zwar beschlossen, aber wir wissen nicht, wie sich die Einnahmen entwickeln. Wir werden uns deshalb in den Gremien einige Maßnahmen noch mal anschauen müssen und hinterfragen, ob wir sie tatsächlich alle umsetzen können – insbesondere die ohne Co-Finanzierung. (Nadine Maaz)

Zur Person

Timo Lübeck (37) ist seit 1. Dezember 2020 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Haunetal. Der CDU-Kandidat setzte sich bei der Wahl mit 59,88 Prozent gegen Amtsinhaber Gerd Lang (parteilos) durch. Er lebt im Ortsteil Rhina und hat in der Haunetaler Gemeindeverwaltung auch seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolviert. 2004 ging Lübeck nach Berlin, um beim CDU-Politiker Friedbert Pflüger zu arbeiten, von 2011 bis 2016 war er Büroleiter des heimischen Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich. 2012/2013 absolvierte er ein berufsbegleitendes Kompaktstudium zum Public-Affairs-Manager. 2017 kandidierte der Haunetaler selbst für den Bundestag. Zuletzt war er bei K+S beschäftigt. Von 2014 bis 2020 war Lübeck Vorsitzender des CDU-Kreisverbands. Zu seinen Hobbys zählen Karneval und Fußball.   

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