Politiker im Stuhlkreis - Auszeichnung als "Ort des Respekts"

Obersberg-Schüler diskutierten mit Finanzminister Dr. Thomas Schäfer

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Diskussionsrunde mit dem hessischen Finanzminister: Schüler der Wirtschaftsleistungskurse der Modellschule Obersberg hatten die Möglichkeit, sich im persönlichen Gespräch mit Dr. Thomas Schäfer (Vierter von links) auszutauschen. Links daneben: Schulleiter Karsten Backhaus, Landrat Dr. Michael Koch und Arne Stückradt, stellvertretender Schulleiter der Gesamtschule Obersberg sowie Lehrer für Wirtschaft an der MSO. 

Bad Hersfeld. „Ihr müsst es ausbaden, dass eure Eltern zu wenig Kinder bekommen haben“ – scherzte Dr. Thomas Schäfer, hessischer Finanzminister, an die Schüler zweier Leistungskurse Wirtschaftswissenschaften der Modellschule Obersberg (MSO) in Bad Hersfeld gewandt.

In einem Stuhlkreis trafen sich die Schüler am Montag mit dem Minister in der Schule, um über Respekt, Generationengerechtigkeit und finanzpolitische Themen zu diskutieren. Mit dabei waren auch die verantwortlichen Lehrer sowie Landrat Dr. Michael Koch.

Hintergrund dieser Veranstaltung war einerseits das „Jahr des Respekts“, das die hessische Landesregierung ausgerufen hat, um ein Zeichen gegen Hass und Respektlosigkeiten zu setzen und im Gegenzug Toleranz und Fairness zu fördern. Die MSO hatte sich im Zuge dieser Kampagne durch eine Schulprofilwoche und Gewaltprävention als „Ort des Respekts“ beworben und durch verschiedenste Aktionen die Landesregierung offensichtlich überzeugt: Mit einer Urkunde und einem Preisgeld von rund 5200 Euro zeichnete die Landesregierung das Engagement der MSO sowie deren Schülerinnen und Schülern aus.

Intensive Vorbereitung im Unterricht

Andererseits sei die Diskussionsrunde mit dem Minister laut Karsten Backhaus, Schulleiter und Lehrer für Wirtschaft an der MSO, auch der Höhepunkt in der Vorbereitung mit den Schülern der Wirtschaftsleistungskurse gewesen. Diese hatten sich vorher intensiv unter anderem mit Finanzpolitik, Steuern und demografischem Wandel auseinandergesetzt.

Zum dritten Mal sei Thomas Schäfer bereits an der MSO gewesen. Im Vorfeld hatte der Minister gesagt, er nutze zwei- bis dreimal im Jahr die Gelegenheit, mit Schülern ins Gespräch zu kommen. Dies sei auch eine Chance, „den eigenen Blickwinkel ein wenig zu überprüfen.“

Rente und demografischer Wandel waren Thema

Gleich zu Beginn wurde das Thema Rentensystem und demografischer Wandel besprochen. „Eure Generation muss laut werden und agieren“, meinte Schäfer. Denn die jungen Schüler müssten schließlich irgendwann die Rente der älteren Generation bezahlen. „Wir bräuchten im Schnitt 2,1 Kinder pro Frau, um den Unterschied auszugleichen,“ erklärte Schäfer.

Momentan betrage die Kinderanzahl jedoch im Durchschnitt nur 1,5 in Deutschland. Auf die Frage, welche Rolle die Zahl von Migranten Einfluss auf die demografische Entwicklung habe, erwiderte Schäfer, dass vor allem junge Migrantinnen und Migranten gefördert werden sollten, um möglichst schnell Deutsch zu lernen und eine gute Ausbildung zu erhalten. Die Schüler stellten auch kritische Fragen: „Wie kann es sein, dass so viele Steuern für Projekte wie den Flughafen in Berlin herausgeschmissen werden?“, wollte ein Schüler wissen. Schäfer verwies an dieser Stelle darauf, dass Menschen „auch Fehler machen“ würden. Zum Thema Generationengerechtigkeit kam auch die Schuldenbremse zur Sprache, die laut Schäfer auch bedeute, dass man verhindern wolle, auf Kosten der nächsten Generationen Schulden aufzunehmen. Seit 2015 werde nur Geld ausgegeben, das vorher auch eingenommen wurde. Welche Folgen diese Einschränkungen jedoch für Infrastruktur und Bildung habe, gingen in der weiteren Diskussion etwas unter.

Nach der Fragerunde mit den Schülern, wurde die Urkunde mit der Auszeichnung als „Ort des Respekts“ an die Schulleitung der MSO überreicht. Ein Titel, den die MSO nun offiziell tragen darf.

Von Silvia Claus

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