Konzerte in der Stiftsruine

Obersberg-Ensembles: Ohrwürmer und Gänsehaut

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Imposanter Auftritt vor imposanter Kulisse: Die Obersberg-Chöre mit ihrem Dirigenten Ulli Meiss beim Auftritt in der Stiftsruine. Das Konzert beschließt traditionell die Festspielsaison. Fotos: Ute Janssen

Ein bunter Abend mit Ohrwurm- und Gänsehautgarantie – von dieser Aussicht ließen sich am Samstag und Sonntag rund 3800 Besucher in die Stiftsruine in Bad Hersfeld locken.

Einmal mehr hatten die Chöre der Modell- und Gesamtschule Obersberg zusammen mit dem Blechbläser-Ensemble der GSO und MSO sowie der Konrad-Duden-Schule unter der Leitung von Ulli Meiß zu ihren traditionellen Festspiel-Abschlusskonzerten geladen.

Überraschende Einlage: Die Bläser hatten etwas ausgeheckt.

Es war ein Abend voller Überraschungen – selbst für Ulli Meiß, der erst unmittelbar vor dem ersten Konzert von einer Einlage erfahren hatte, die seine Tubisten gemeinsam mit den Perkussionisten kurzfristig ausgeheckt hatten. Und Klavierbegleiterin Anne Rill, die sogar ihren Geburtstag auf der Bühne der Stiftsruine verbrachte, freute sich über ein Geburtstagsständchen, das ihr Musiker und Publikum gemeinsam darbrachten.

Ohrwürmer und Gänsehaut

Als Gesamtchor, aber auch in verschiedenen kammermusikalischen Teilensembles und in solistischen Besetzungen brachten die Schülerinnen und Schüler – unter ihnen auch zahlreiche Ehemalige – Musik aus mehreren Epochen zum Klingen: Vom Volkslied über romantische Kompositionen, von Folk über Pop und Filmmusik reichte das Spektrum. Besonders berührend gerieten unter anderem der Donovan-Klassiker „Dona Dona“, das von Anastasia Boksgorn auf der Violine begleitete, aus Schottland stammende Lied „Annie Laurie“ und das Volkslied vom „Marienwürmchen“.

Die Sängerinnen und Sänger beschränkten sich nicht auf die Bühne, sondern nutzten auch den Zuschauerraum der Ruine, um bei Karl Jenkins’ „Adiemus“ und bei „With or without you“ von U2 das Publikum von allen Seiten in eine Klangwolke einzuhüllen. Musikalisch war für nahezu jeden Geschmack etwas dabei, sodass spätestens nach dem Pop-Medley auch die anspruchsvolle Familie von Mitsänger Marian (für die Mutter etwas von ABBA, der Vater erwartete etwas Politisches und die Oma bevorzugt deutschsprachige Lieder) auf ihre Kosten gekommen sein dürfte, auch wenn der Wunsch der jüngeren Schwester nach einer Soloversion von „Pippi Langstrumpf“ nicht erfüllt wurde.

Vom Herrn der Ringe bis Udo Jürgens, vom „Second Waltz“ des russischen Komponisten Dmitrij Schostakowitsch, vom Fliegermarsch bis Major Tom – dem Publikum, das sich bereitwillig zum Mitklatschen und Mitsingen animieren ließ, wurde in der voll besetzten Stiftsruine Außerordentliches geboten.

Auf besondere Heiterkeit stieß der Ausflug in den Wilden Westen, bei dem Trompeter Björn Diehl mit klirrenden Sporen und Cowboy-Hut das Thema aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf der Mundharmonika blies und sich anschließend als Lassowerfer beim Einfangen eines Plüschpferdes bewährte.

Besonders experimentierfreudig zeigte sich der Chor in einer besonders komplexen und pfiffigen sechsstimmigen Halleluja-Version, die weltmusikalisch inspiriert und jazzig-beschwingt daherkam und in der Händel immer noch deutlich durchschimmerte.

Sowohl die Sängerinnen und Sänger als auch die Mitglieder des Blechbläser-Ensembles agierten mit bewundernswerter Disziplin, aber auch lebendig und mit bemerkenswerter Freude an der musikalischen Gestaltung. Das wurde nicht nur in den ausgesprochen lebensfreudigen und spritzigen Interpretationen von „YMCA“ und „Viva la Vida“ deutlich.

Für ein begeisterndes Konzerterlebnis mit hohem musikalischen Niveau bedankte sich das Publikum mit anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen, für die sich Chor und Bläser mit „Time to say Goodbye“ als Zugabe revanchierten.

Von Ute Janßen

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