ZWISCHEN DEN ZEILEN

Null-Ausschuss und Sägen in der Nacht

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Karl Schönholtz

In unserer Wochenkolumne zwischen den Zeilen schreibt Karl Schönholtz über einen Ausschuss, der eifrig daran arbeitet, sich überflüssig zu machen und über Selbstjustiz mit Säge.

Berichterstattung des Stadtarchivs – so stand es auf der Tagesordnung des Ausschuses für Bildung und Kultur der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung für die Sitzung in dieser Woche. Wer in freudiger Erwartung in die Stadthalle gekommen war, um Neues zum geplanten Neubau in der Antoniengasse zu hören, wurde enttäuscht: Stadtarchivarin Dr. Tanja Roth erzählte von ihrer Arbeit und hatte als Anschauungsmaterial die neuen Urkundentaschen mitgebracht.

Das war nicht uninteressant, sollte aber schon die substanziellste Information sein, die der Ausschuss zu bieten hatte. Weder zum Thema Vereinsförderung noch zu den Hessentagsprojekten – beides auf der Tagesordnung angekündigt – gab es Auskünfte, Neuigkeiten oder gar Beschlüsse.

Hintergrund war offenbar die unzureichende Kommunikation zwischen der Vorsitzenden Silvia Schoenemann und der Verwaltung. Weil das Rathaus konkrete Fragestellungen vermisste, standen im Ausschuss auch keine Gesprächspartner zur Verfügung. Aktuelle Beschlussvorlagen gab es zu den genannten Themen ohnehin nicht.

Umgekehrt kritisierten die Parlamentarier, von der Verwaltung ignoriert zu werden. „Wir sind ein Ausschuss zweiter Klasse“, beklagte etwa Dr. Thomas Handke.

Vermutlich liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte. Aber eines ist auch klar: Mit Null-Veranstaltungen wie am vergangen Mittwoch schafft sich dieser Ausschuss selber ab.

Ein Ruch von Selbstjustiz

Die Empörung war groß, als in dieser Woche die beiden „Lolls-Linden“ auf dem Marktplatz gefällt wurden, weil ein noch unbekannter Übeltäter beide Bäume in der Nacht zuvor irreparabel angesägt hatte.

Tatsächlich muss uns der Übergriff zu denken geben: Nicht zum ersten Mal setzt sich in Bad Hersfeld jemand über die Regeln des gedeihlichen Miteinanders hinweg, weil ihm etwas nicht passt. Das hat schon irgendwie den Ruch von Selbstjustiz. Und das kann keiner wirklich wollen.

Nun steht die Stadtpolitik vor keiner leichten Entscheidung: Die Bäume neu pflanzen, aber an einem günstigeren Standort? Das würde den nächtlichen Säger im Nachhinein noch bestätigen. Darf eigentlich nicht sein.

ks@hersfelder-zeitung.de

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