Schirmherr war der Heilige Geist

Non-Stop-Lesung der Luther-Bibel in der Martinskirche beendet

Bibel-Lesung in der Martinskirche: Kirchenvorsteherin Andrea Ehrhardt-Handtke war eine der vielen freiwilligen Leserinnen und Leser. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Viereinhalb Tage und fünf Nächte beherrschte Martin Luthers gewaltige Bibel-Übersetzung das Geschehen in und um die Martinskirche im Schlippental in Bad Hersfeld. Das teilt Holk Freytag, einer der Initiatoren der Lese-Aktion mit. Die Lesung endete früher als gedacht bereits am Mittwochmorgen.

Insgesamt 104 Leserinnen und Leser, die meisten davon Bürgerinnen und Bürger aus Bad Hersfeld, werden das Erlebnis, in der von Ralph Neumeyer stimmungsvoll beleuchteten Martinskirche „Luthers Gotteswort“ zu sprechen, nicht vergessen. „Die Leser haben fünf Tage und Nächte lang im Priestertum aller Gläubigen Luthers Gotteswort verkündigt – des Morgens seine Gnade und des Nachts seine Wahrheit, wie es im 92. Psalm heißt“, meinte Martinskirchen-Pfarrer Karl Heinz Barthelmes und fügte hinzu: „Die Schirmherrschaft hat der Heilige Geist übernommen“.

In den frühen Morgenstunden des Dienstag führte Evelyn Leiter-Bublitz eine Gruppe der Kindertagesstätte am Schlippental in den Kirchenraum. Andächtig verfolgten die Kleinen dem Text, um bald feststellen zu können „die Bibel kennen wir doch!“ Sie hatten die Passionsgeschichte nach Matthäus wiedererkannt.

„Ein einmaliges Erlebnis“, meinte Europaminister Michael Roth nachdem auch er an der Lesung teilgenommen hatte und ein nächtlicher Zuhörer rief den beiden Initiatoren, Pfarrer Barthelmes und Holk Freytag im unteren Gemeindesaal zu „es ist einfach großartig, dass ihr so etwas gemeinsam macht“.

„Es war ein Gewinn“

Obwohl so mancher Leser wegen der vielen fremden Namen in Schwitzen kam, wollte niemand die Erfahrung missen. „Das war für mich ein Gewinn“, meinte Karin von Baumbach, „durch das eigene konzentrierte Lautlesen steigt man tiefer in die inhaltliche Textaussage ein. Wilfried Bätz musste bei seinem ersten Einsatz erstmal wegen der Sportschau die Zeit verlegen, nachdem zweiten Einsatz aber hatte er schon beim Betreten der Kanzel eine Gänsehaut, wie er versicherte: „So eine Atmosphäre habe ich seit Jahren nicht erlebt. Ergreifend, die Zeit verflog geradezu.“

Am Mittwochmorgen rechneten die Organisatoren mit dem Ende der Lesung. Dann setzte Johann Sebastian Bach mit der Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ – natürlich von CD – den Schlusspunkt. (red/zac)

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