Noch keine Corona-Pleiten

Insolvenzbilanz im Landkreis Hersfeld-Rotenburg weiter auf Tiefststand

Fotolia - Insolvenz Ordner mit Geld und Taschenrechner
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Insolvenz Ordner mit Geld und Taschenrechner

Die Corona-Krise hatte im ersten Halbjahr 2020 noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen und Privatleuten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg – Im Gegenteil: Dr. Rolf Schwarz, Leiter der Insolvenzbilanz des Amtsgerichts Bad Hersfeld, berichtet für die Monate Januar bis Juni von neuen historischen Tiefstständen. Gleichwohl befürchtet Schwarz für das zweite Halbjahr wieder steigende Zahlen in allen Bereichen. Signale hierfür, wie etwa Vorabinformationen von Insolvenzverwaltern, gebe es jedoch bisher keine.

In der ersten Jahreshälfte wurden vom Amtsgericht neun neue Insolvenzverfahren von zahlungsunfähigen Unternehmen eröffnet, das sind fünf weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei den ehemals und aktuell selbstständigen Geschäftsleuten stiegt die Verfahrenszahl im Vergleich zu 2019 von 17 auf 22, sodass sich beide Bereiche zusammengenommen auf Vorjahresniveau befinden.

Dr. Rolf Schwarz,Leiter der Insolvenzabteilung

Aktuell laufen beim Hersfelder Gericht 128 Insolvenzverfahren, neun weniger als im vergangenen Jahr. Dass Corona in der Bilanz noch keine Rolle spielt, liege möglicherweise auch an der bis zum 30. September verlängerten Antragsfrist, sagte Schwarz. Bisher blieben klammen Unternehmern nur drei Monate für die Antragstellung, um sich nicht der Insolvenzverschleppung schuldig zu machen.

Lediglich 30 Neueingänge verzeichnete Schwarz bei den Verbraucherinsolvenzen. Das sind neun weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres, als bereits der niedrigste Wert bisher registriert worden war. Auch der Bestand an laufenden Verfahren ging von 163 auf 134 zurück. In 93 Fällen konnte ehemals überschuldeten Privatleuten die Befreiung vom Rest ihrer Verbindlichkeiten erteilt werden.

Hier sieht Schwarz den Rückgang allerdings auch in der bevorstehenden Gesetzesänderung begründet: Voraussichtlich ab dem 1. Oktober kann die Restschuldbefreiung schon nach drei statt bisher erst nach sechs Jahren erfolgen. „Da warten sicher viele ab, bevor sie ihren Antrag stellen“, sagt Schwarz. (Karl Schönholtz)

Schon nach drei Jahren schuldenfrei

Mit der geplanten Gesetzesänderung zum 1. Oktober wird das Verfahren der Verbraucherinsolvenz für überschuldete Privatpersonen noch attraktiver: Bereits nach drei Jahren kann dann bei erfolgreichem Verlauf die sogenannte Restschuldbefreiung erteilt werden. Damit passt sich deutsches Recht an EU-Recht an. Dr. Schwarz hält dies für sinnvoll: Während der bisher geltenden Frist sei meist nicht mehr gelaufen, was nicht auch in drei Jahren erledigt werden könnte. ( ks)

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