„Noch viel Raum für Kreativität“

Neues aus dem Buchcafé: Mercedes Thiel im Interview

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Eine gute Adresse für Kultur und soziales Engagement: Geschäftsführerin Mercedes Thiel vor den Räumen des Buchcafés Am Brink in Bad Hersfeld. 

Bad Hersfeld. Seit gut zwei Jahren ist das Buchcafé in seinen neuen Räumen Am Brink in Bad Hersfeld zu Hause. Über die Entwicklung des sozio-kulturellen Zentrums sprach Kai A. Struthoff mit der Geschäftsführerin des Buchcafés Mercedes Thiel.

Bad Hersfeld. Seit gut zwei Jahren ist das Buchcafé in seinen neuen Räumen Am Brink in Bad Hersfeld zu Hause. Über die Entwicklung des sozio-kulturellen Zentrums sprach Kai A. Struthoff mit der Geschäftsführerin des Buchcafés Mercedes Thiel.

Frau Thiel, hat sich der Umzug in die neuen, größeren Räume gelohnt?

Mercedes Thiel: Auf jeden Fall! Wir haben viel mehr Gäste bei unseren rund 80 bis 100 Veranstaltungen im Jahr. 2013 waren es 7700 Besucher, 2014 dann 6000, jetzt haben wir zwischen 10 000 und 11 000 Besucher allein durch den größeren Saal. Außerdem liegen wir jetzt zentraler, Parkplätze sind in der Nähe, und wir sind völlig barrierefrei zu erreichen. Freitags und samstags stoßen wir inzwischen schon fast wieder an Kapazitätsgrenzen, an den anderen Tagen haben wir aber noch Luft.

Ich habe das Gefühl, dass in letzter Zeit weniger überregionale Künstler bei Ihnen auftreten, dafür aber mehr lokale Gruppen. Stimmt das?

Thiel: Das stimmt, und darüber bin ich gar nicht glücklich. Was die Weltmusik betrifft, mussten wir das Angebot zurückfahren. Doch das liegt vor allem an unserer personellen Besetzung; denn die Betreuung der internationalen Künstler erfordert einen hohen Aufwand. Aber wir arbeiten daran und wollen das Welt- und Folkmusik-Angebot wieder ausbauen.

Sie sind ja nicht nur ein Musikladen, sondern auch ein sozio-kulturelles Zentrum. Wie laufen dort die Aktivitäten?

Thiel: Gruppen und Runde Tische treffen sich gern bei uns. Ausgeweitet wurde die Nachhilfe für Flüchtlingskinder. Aber wir sind auch weiterhin offen für neue Leute, die hier ihre Ideen einbringen und umsetzen wollen.

Besteht die Kooperation mit den Bad Hersfelder Festspielen eigentlich noch?

Thiel: Vor zwei Jahren nach unserem Einzug wurde im Buchcafé das Kinderstück aufgeführt. Ich finde es schade, dass das jetzt nicht mehr der Fall ist. Aber wir haben immer noch die „Kleinen Festspiele“ mit noch mehr Veranstaltungen bei uns. Außerdem halten wir im Juli immer Platz frei in unserem Veranstaltungskalender, um Schauspielern der Festspiele die Möglichkeit zu Auftritten bei uns zu geben. Das gestaltet sich aber leider etwas schwierig. Es gibt zwar viele persönliche Kontakte, aber ich würde mir wünschen, dass es auch wieder offizielle Kontakte zur Festspielleitung gibt, denn wir könnten uns wunderbar ergänzen.

Die Finanzierung des Buchcafés war immer ein großes Thema. Inzwischen haben Sie deutlich mehr Zuschauer, ist die finanzielle Lage also immer noch angespannt?

Thiel: Ja, und das wird sie wohl auch immer bleiben. Wir haben zwar höhere Einnahmen, aber auch die Fixkosten sind gestiegen. Gerade der sozio-kulturelle Bereich kostet eher Geld, als dass Einnahmen zu verzeichnen sind. Ohne ehrenamtliche Helfer würde es gar nicht gehen. Außerdem unterliegen wir jetzt der Versammlungsstättenverordnung und damit höheren Standards der Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen. Auch das kostet uns richtig Geld. Auf Zuschüsse sind wir daher weiterhin angewiesen.

Wo drückt sonst der Schuh?

Thiel: Uns fehlt Personal. 30 Prozent mehr Gäste müssen auch betreut werden. Unsere Ehrenamtlichen geraten dabei an ihre Grenzen. Unser Verein hat zurzeit 240 Mitglieder, von denen 40 bis 50 auch ganz aktiv mitarbeiten. Schön wäre es, wenn wieder mehr junge Leute zu uns kämen. Bei uns spielen jetzt zwar viel mehr regionale, junge Bands, aber das junge Publikum fehlt.

Wir haben ja bei uns im Kreis noch ein ähnliches Angebot, nämlich Ellis Saal in Bebra-Weiterode. Gibt es zwischen Ihnen Kontakte?

Thiel: Leider viel zu wenig. Dabei könnten wir sicherlich einiges zusammen machen. Für Bands wäre es bestimmt interessant, nach einem Auftritt bei uns noch einen Anschluss-Gig in Ellis-Saal zu haben oder anders herum. Das könnte auch finanziell für alle Seiten von Vorteil sein. Wir haben uns aber für eine solche Kooperation in den vergangenen zwei Jahren zu wenig Zeit genommen.

Nach der Sommerpause beginnt jetzt wieder das Veranstaltungsprogramm. Welche Highlights erwarten Ihre Gäste?

Thiel: Wir probieren etwas ganz Neues aus: Eine Karaoke-Nacht. Wir haben aber auch wieder Welt-Musik mit der Irischen Folk-Gruppe Solid-Ground und auch das Kabarett ist immer sehr beliebt und deshalb natürlich auf dem Programm. Jedes Wochenende ist etwas im Angebot, zum Beispiel auch Disco, Spieleabende und viele regionale Gruppen. Aber wir haben auch hier noch viel Raum für Kreativität.

Zur Person:

Mercedes Thiel wurde 1960 in Thüringen geboren und hat in Dresden Betriebsökonomie studiert. Außerdem hat sie ein Diplom in Erwachsenenbildung und hat viele Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Der Liebe wegen ist Mercedes Thiel nach Bad Hersfeld gekommen und hat hier auch das Buchcafé kennen und schätzen gelernt. Deshalb hat sie nach dem Ausscheiden von Helmut Weide-Basler auch „sehr gern“ den Posten als Geschäftsführerin angenommen. Nebenbei arbeitet sie weiterhin im Bereich der europäischen Erwachsenenbildung. Mercedes Thiel ist in zweiter Ehe verheiratet und hat aus der ersten Ehe drei erwachsene Töchter und fünf Enkel. (kai)

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