ZWISCHEN DEN ZEILEN

Neuer Standort, ein Award und Gemecker

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Bad Hersfeld - Was aus der Idee einer Kunstakademie in Bad Hersfeld werden wird, steht nach der Vertagung des Themas im Magistrat in den Sternen.

Offenbar hat auch der Fachvortrag des potenziellen Kurators zu viele Fragen offengelassen. Da wäre zunächst die Finanzierung, die angesichts der nicht unproblematischen Haushaltssituation wohl nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der Stadtpolitiker steht. Auch die zunächst angedachte Doppelnutzung der vorgesehenen Räume in den Stockwerkshallen im Schilde-Park mit den Festspielen ist wohl nicht mehr aktuell. Nach dem Durchbruch bei der Planung für das Multifunktionsgebäude im Stift würden die Theatermacher ihre Kurse und Seminare eher dort anbieten als im Schilde-Park. Wenn die Premium-Location Stockwerkshalle also nicht mehr erste Wahl ist (und vielleicht anderweitig besser genutzt werden kann), bietet sich als alternativer Standort für die Kunst möglicherweise das leer stehende Physiocenter im Kurpark an. Aber auch dafür braucht es ein tragfähiges Konzept.

Wer bisher über die nur leidlich funktionierenden Parkplatzanzeigen in der Innenstadt und Lärm-Sensoren an der Autobahn die Nase gerümpft hat, der muss möglicherweise Abbitte leisten: Eine angeblich 1000-köpfige Jury von europäischen Bürgern findet die Smart City-Projekte der Stadt Bad Hersfeld so toll, dass sie Bürgermeister Thomas Fehling in der Kategorie „Lebensqualität“ für den „Innovation In Politics Award 2019“ nominiert hat. Und tatsächlich wird sich die Stadt nächste Woche bei der Preisverleihung in Berlin als einer von sieben deutschen Kandidaten unter den 80 Finalisten präsentieren dürfen – in illustrer Gesellschaft übrigens: Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft der Bundespräsidenten von Deutschland und Österreich, und neben Bad Hersfeld stehen auch die Rathauschefs von Frankfurt/M., Potsdam und Leipzig sowie Sachsens Ministerpräsident in ihren Kategorien im Finale.

Was wurde in den vergangenen Wochen und Monaten nicht gemeckert über die Hinterlassenschaften des Hessentages im Stadtbild. Als wäre das, was in vielen Monaten Vorbereitungszeit für das Landesfest aufgebaut, gestaltet und installiert wurde, innerhalb von ein paar Tagen wieder „aufgeräumt“. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Stadt hier etwas schleifen lässt und deshalb auch Verständnis dafür, dass Manches eben etwas länger dauert. Nachdem nun sogar die Schotterflächen im Schilde-Park wieder mit Erde aufgefüllt sind, eingesät und bepflanzt werden, muss man schon sehr genau hinschauen, um die wenigen noch verbliebenen Hessentags-Relikte auszumachen. Alles gut also im Städtchen – zumindest in dieser Hinsicht.

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