Wochenendporträt

Neue Impulse fürs Museum: Lisa Hendrich will Kultur erfahrbar machen

Umgeben von alten Schätzen: Lisa Hendrich will nicht nur moderne Kunst nach Bad Hersfeld holen, sondern auch das Museum auffrischen.
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Umgeben von alten Schätzen: Lisa Hendrich will nicht nur moderne Kunst nach Bad Hersfeld holen, sondern auch das Museum auffrischen.

Lisa Hendrich ist als Nachfolgerin von Reinhold Schott bei der Stadt Bad Hersfeld zuständig für Theater, Museum und Kunst.

Bad Hersfeld – Kunst und Kultur haben Lisa Hendrich schon immer interessiert. Sie liebt es nicht nur, Museen und Ausstellungen zu besuchen und dabei in neue Welten einzutauchen, es ist ihr auch ein Anliegen, anderen Menschen die Freude daran zu vermitteln, Dinge im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Seit Oktober ist Lisa Hendrich als Nachfolgerin von Reinhold Schott zuständig für Theater, Museum und Kunst in Bad Hersfeld.

Lisa Hendrich stammt aus Niederjossa. Sie hat nach dem Abitur Kunstgeschichte, Pädagogik und Soziologie in Bamberg und Gießen studiert und danach erst in Hannover im Museum Wilhelm Busch und dann in der Kinder-Akademie in Fulda gearbeitet. Ihre Schwerpunkte sind Museumspädagogik, Workshops, Sonderausstellungen und auch die Beschaffung von Zuschüssen und Fördergeld für kulturelle Projekte.

Diese Erfahrungen sollen ihr in Bad Hersfeld zugutekommen. Denn die Museumspädagogik ist hier bisher eher vernachlässigt worden. Mit Ausnahme der Aktivitäten des rührigen Förderkreises Museum gab es wenige Dinge in der Dauerausstellung, die Besucher hätten anfassen oder bei denen sie hätten mitmachen können.

Das Bad Hersfelder Museum sei eher nach dem alten Konzept als Tempel von Geschichte und Kultur gestaltet, den Besucher mit ehrfürchtiger Bewunderung betreten und dort belehrt werden, erläutert Hendrich. Um Interesse zu wecken und im Gedächtnis zu bleiben sei es aber wichtig, eine Ausstellung mit möglichst vielen Sinnen zu erfahren: berühren, hören, sehen, riechen – das mache einen Museumsbesuch spannend. „Das „wortreich“ lebt dies bereits und zeigt als Ort der Erlebniswelt, wie man Wissen erfahrbar machen kann.“

Lisa Hendrich arbeitet deshalb unter anderem an einer Neukonzeption des städtischen Museums. Unterstützung hat sie dabei von Leni Donceva, ebenfalls erfahren in der Museumspädagogik. Gemeinsam sichten sie den Bestand, auch das, was an verschiedenen Stellen oft unzureichend gelagert wird, und versuchen, so viel wie möglich zu katalogisieren und zu sichern.

Eine Erneuerung des Museums kostet viel Geld, das ist Lisa Hendrich wohl bewusst. Sie hofft jedoch, dass es ihr gelingt, dafür auch Fördergeld einzuwerben.

Sie hat eine neue Serie mit kurzen Videos auf Facebook gestartet, in der einzelne Bereiche des Museums vorgestellt werden. Damit soll das Museum mit seinen Sammlungen auch während der coronabedingten Schließung präsent bleiben und ein Anreiz geschaffen werden, es später zu besuchen. Rückmeldungen zeigten, dass das auch funktioniere, freut sich Hendrich. Sie denkt außerdem über Ferienprogramme für Kinder oder Stadtführungen unter Einbeziehung des Museums nach. Voraussetzung natürlich: Das Museum darf nach der coronabedingten Schließung wieder öffnen. Jederzeit zu sehen sind dagegen Ausstellungen im Quellpavillon im Kurpark, den Lisa Hendrich mit einer Ausstellung von Fotos von Steffen Sennewald für die Kunst entdeckt hat. Inzwischen gebe es schon jede Menge Anfragen, sagt Hendrich. In der Wandelhalle des Kurhauses darf ebenfalls weiterhin Kunst gezeigt werden. Lisa Hendrich ist es sowohl ein Anliegen, Künstlerinnen und Künstler aus der Region zu unterstützen, indem sie Ausstellungsmöglichkeiten erhalten, als auch neue Impulse durch Künstler von außerhalb zu geben. Mit Blick auf die Vergangenheit Bad Hersfelds in der Textilproduktion will sie hier einen Schwerpunkt setzen und Künstler präsentieren, die mit textilen Materialien arbeiten. Ihre Arbeit im Museum Wilhelm Busch hat zudem ihre Liebe zur Karikatur unterstützt. Zeichnungen und Karikaturen will sie ebenfalls nach Bad Hersfeld holen. „Da kann man auch gut mit Kindern und Jugendlichen arbeiten“, hat sie bereits festgestellt.

Zur Person

Lisa Hendrich (32) besucht Ausstellungen leidenschaftlich gerne, vor allem die Kunst des Mittelalters und der frühen Neuzeit haben es ihr angetan. Dass sie das zurzeit coronabedingt nicht tun kann, vermisst sie sehr, ebenso wie Opern- und Theaterbesuche. Dafür freut sie sich, wieder zurück in der alten Heimat zu sein, im familiären Umkreis und bei vertrauten Freunden. In ihrer Freizeit treibt die 32-Jährige außerdem gerne Sport– Cross-Fitness – und wandert. (Christine Zacharias)

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