Kurze Wege zur Blutwäsche

Neue Dialyse-Station am Klinikum Bad Hersfeld

Neue Dialyse-Station am Klinikum Bad Hersfeld.Hier Chefärtzin Dr. Giesel Schieren und Pflegedirektor Michael Gottbehüt. Foto: Werner Hampe
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Chefärztin Dr. Giesela Schieren und der Leitende Dialysepfleger Frank Hoffmann am Bett von Patientin Elisabeth Winter aus Kirchheim, die gerade an eine der modernen Maschienen zur Blutreinigung angeschlossen ist.

Mehr als 500 000 Euro hat das Klinikum Bad Hersfeld-Rotenburg in eine neue Dialyse-Station investiert, die am 1. Januar offiziell in Betrieb genommen wurde.

Bis zu zwölf Patienten können dort stationär versorgt werden. Zum Jahresende war der Kooperationsvertrag mit dem Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH) ausgelaufen. Deshalb wurde jetzt eine eigene Dialysestation aufgebaut.

Kurze Wege zur Blutwäsche

Der 82-jährige Hermann Schmeing aus Seifertshausen fühlt sich sichtlich wohl in den hellen, freundlichen Räumen der neuen Dialysestation im Klinikum. Gut gelaunt liegt er im Krankenhausbett und plaudert mit dem Besucher von der Zeitung. „Wir waren mal Kollegen, ich habe über 20 Jahre lang die HNA ausgetragen“, erzählt der ältere Herr, während sein Blut durch die Dialysemaschine läuft.

Patient Hermann Schmeing auf der Bettenwaage. Betreut wird er dort von Stationsleiter Zoran Bursac (Mitte) und dem Leitenden Dialysepfleger Frank Hoffmann

Patienten wie Hermann Schmeing verbringen viel Zeit mit der Blutreinigung. Dreimal pro Woche zwischen drei bis fünf Stunden dauert die Prozedur. Bei Menschen, deren Nieren nicht mehr richtig arbeiten, wird dabei das Blut über eine Dialysemembran von gelösten Molekülen wie etwa Harnstoff und Blutsalzen gereinigt. Wegen des Zeitaufwands ist neben der medizinischen Ausstattung auch ein freundliches Umfeld mit Kommunikationsmöglichkeiten und Fernsehern zum Zeitvertreib wichtig.

Bislang hatte das Klinikum diese Leistung bei Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH) eingekauft. Das KfH betreibt auch ambulante Dialysestationen in Bad Hersfeld, Rotenburg und Heringen. Bedingt durch den chronischen Mangel an medizinischem Personal wurde diese Logistik für das KfH zu aufwendig, sodass der Kooperationsvertrag Ende 2019 gekündigt wurde.

Deshalb wurde am Klinikum Bad Hersfeld im neuen Bettenhaus Ost eine eigene Dialysestation mit insgesamt 34 Betten, davon zwölf nur für die Dialyse, eingerichtet. Mehr als 20 Mitarbeiter aller Berufsgruppen betreuen dort die Patienten. „Eine solche Station ist ziemlich einzigartig, die Patienten können direkt hier dialysiert werden und müssen nicht mehr aufwendig durch das ganze Haus transportiert werden“, erklärt Chefärztin Dr. Gisela Schieren, die Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie ist und die Station leitet.

Hightech für die Gesundheit: Chefärztin Dr. Gisela Schieren und Pflegedirektor Michael Gottbehüt mit den Blutreiniungsmaschinen, die direkt bis zum Patienten gerollt werden können.

Auch Pflegedirektor Michael Gottbehüt lobt das integrative Konzept, weil auf der Station verschiedene Disziplinen zusammen Hand in Hand arbeiten, was auch Vorteile bei der Weiterbildung und Spezialisierung mit sich bringt. Deshalb habe es auch ungewöhnlich viele Bewerbungen auf die Stellenausschreibung gegeben.

Mehr als 500 000 Euro hat das Klinikum in die Station investiert, davon allein 190 000 Euro in die Blutreinigungsmaschinen. „Wie mit einem Einkaufswagen können wir damit direkt zu den Patienten fahren“, erklärt Dr. Schieren. Rund 2500 stationäre Dialysen werden am Klinikum jedes Jahr vorgenommen. Und die Tendenz ist steigend. „Die Patientenzahlen nehmen zu, denn die Menschen werden immer älter und haben häufig mehrere Erkrankungen.“ Auch deshalb sei die neue Struktur der Station vorteilhaft. „Derselbe Arzt betreut die Station und die Dialyse, dadurch ist der Informationsfluss jederzeit gewährleistet“, sagt Dr. Schieren. Zudem liege die neue Station direkt über der Intensivstation, sodass es auch hier kurze Wege gibt.

In den Zeiten vor der stationären Dialyse mussten die Patienten sogar teilweise mit dem Krankenwagen in das benachbarte Gebäude zur Dialyse transportiert werden. „Das war für die oft alten und gebrechlichen Patienten eine richtige Qual“, erinnert sich Stationsleiter Zoran Bursac.

„Mit einem Kaltstart zum Jahreswechsel ist die Station um Mitternacht in Betrieb gegangen“, erzählt Chefärztin Dr. Schieren. Offiziell soll die Station mit einem Eröffnungssymposium am 25. April auch ärztlichen Kollegen vorgestellt werden. kai

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