Grobkorridore vorgestellt

Neubaustrecke Fulda-Gerstungen: Bebra und die Täler sind bei Trassenplanung raus

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Drei Grobkorridore für die neue Bahnstrecke: In den farbig markierten Flächen könnte die künftige Trasse zwischen Fulda und Gerstungen verlaufen. Der Suchraum endet südlich von Bebra. Mit einem Klick auf die Pfeile oben rechts ist die komplette Karte zu sehen. 

Enttäuschte Hoffnungen in Bebra, Erleichterung in Neuenstein und Niederaula: Die Deutsche Bahn hat am Donnerstag die Grobkorridore für die Strecke Fulda-Gerstungen vorgestellt. 

Damit sind für den Verlauf der Fernverkehrstrecke durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg Vorentscheidungen gefallen. Sowohl eine Trasse über den Bahnhof Bebra als auch Streckenführungen durch das Geistal oder das Fuldatal sind demnach vom Tisch.

Beim Beteiligungsforum mit Vertretern von Kommunen, Behörden und Bürgerinitiativen, das wegen der Corona-Krise diesmal nur virtuell als sogenanntes „Webinar“ stattfand, stellten die Planer von der DB Netz AG drei Korridore vor, in denen unter Berücksichtigung der festgestellten Raumwiderstände Trassenverläufe möglich wären. Wie eine Bahnsprecherin gegenüber unserer Zeitung betonte, stellen diese Korridore keine Festlegung auf bestimmte Trassenvarianten dar. Vielmehr zeigen sie in erster Linie, wo die Strecke aus unterschiedlichen Gründen nicht verlaufen kann (siehe Artikel-Grafik).

Bebra scheitert an wenigen Minuten

So wurde auf Basis der Empfehlungen im Unterrichtungsschreiben des Regierungspräsidiums in Kassel der Suchraum nach Norden bis einschließlich Bebra ausgeweitet. Die Fahrzeitberechnung durch die DB und ein Planungsbüro hat jedoch ergeben, dass eine Streckenführung über Bebra nicht die im Rahmen des Deutschlandtaktes erforderlichen 62 Minuten Fahrzeit zwischen Fulda und Erfurt einhalten kann. 

Je nach Fahrtrichtung verpasst die Eisenbahnerstadt den Anschluss an die geplante Schnellbahnstrecke um drei (Erfurt in Richtung Fulda) beziehungsweise vier Minuten (Fulda-Erfurt). Was nach wenig klinge sei „im Rahmen des Deutschlandtaktes viel Zeit“, betont die Bahnsprecherin. Mit dem Deutschlandtakt soll ein eng abgestimmter Zugfahrplan für das gesamte Bundesgebiet entstehen. Für Bebra bedeutet das: Der Bahnhof ist aus dem Rennen um den gewünschten Fernverkehrshalt in der Region ausgeschieden.

Eine Trassenführung vom Ausfädelbereich Neuenstein/Mühlbach mit Einbindung südlich von Bebra scheint den Planern aber machbar und wird jetzt geprüft. Somit wird der Suchraum im Nordwesten etwas erweitert, ohne den Bahnhof Bebra einzuschließen. Wo dort ein neuer Haltepunkt oder Bahnhof eingerichtet werden könnte, ist offen. „Wir suchen nach einer sinnvollen Lösung mit Anbindung an den Individualverkehr und den Personennahverkehr“, heißt es von der Bahn.

Die drei Grobkorridore können miteinander kombiniert werden

Ergebnis der Raumwiderstandsanalyse ist auch, dass die Referenzvarianten des Bundes, die „Geistaltrasse“ sowie die „Kurparktrasse“ Bad Hersfeld im weiteren Planungsprozess vorläufig nicht weiter betrachtet werden, da dort mit Blick auf Raumordnung und Umwelt größtenteils keine Grobkorridore möglich sind. Gleiches gilt für den möglichen Ausfädelpunkt in Niederaula.

Unter dem Strich wurden drei Grobkorridore identifiziert: Die Korridore Nord, Ost und Süd. Sie können in der späteren Trassenplanung kombiniert werden. Die Korridore Ost und Süd stünden der von den Bürgerinitiativen und der Stadt Bad Hersfeld vorgeschlagenen Tunnel-Lösung mit einem Fernverkehrshalt am bestehenden Bahnhof nicht entgegen.

Das Kasseler Regierungspräsidium empfiehlt darüber hinaus, die Auswirkungen eines Fernverkehrshalts in Bad Hersfeld oder außerhalb von Bad Hersfeld im Variantenvergleich zu berücksichtigen. „Der Bahn ist bewusst, dass dieses Thema für die Region sehr wichtig ist. Sie wird der Empfehlung folgen, das Thema im Planungsprozess sehr genau zu bearbeiten,“ erklärte die Bahnsprecherin.

Präzisere Trassenkorridore könnten bereits im Sommer vorgestellt werden

In diesem Zusammenhang wurde beim Forum auch der geplante Neubau der Brücke am Peterstor in Bad Hersfeld, die sogenannte Hochbrücke, thematisiert. „Die DB ist im engen Austausch mit der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH), um die Planungen aufeinander abzustimmen“, heißt es dazu von Seiten der Bahn.

Bereits beim nächsten Beteiligungsforum im Sommer oder Frühherbst dieses Jahres will die Bahn unter Berücksichtigung der jetzt vorgestellten Grobkorridore sogenannte Trassenkorridore vorstellen. Diese sind dann nur noch etwa 1000 Meter breit. An diesen Verlaufsvarianten werde aktuell bereits gearbeitet, bestätigte die Bahn.

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