„Im Karneval wird durchgeputzt“

Narrenfreiheit: Eine Büttenrede zum Rosenmontag – denn lachen hilft in schweren Zeiten

Kai A. Struthoff mit Narrenkappe und Karnevalsorden.
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Helau und Alaaf: Er ist nicht Schiller oder Goethe, denn unser Narr Kai macht lieber Rüttel-Reime zum Rosenmontag.

Heute ist Rosenmontag - ein Feiertag für alle Karnevalsfreunde. Doch dieses Jahr musste coronabedingt alles ausfallen. Immerhin gibt‘s in der HZ eine kleine Büttenrede.

Im Karneval darf jeder sagen, was sonst wir kaum zu denken wagen.

Der echte Narr im Wort ist frei, und Euer Narr – das ist der Kai.

Wir wollen diese Chance nutzen, um wieder kräftig durch zu putzen.

In Stadt und Kreis, im Rathaus und im Klinikum, denn manches läuft schon richtig dumm.

Ich in der Bütt, lang, lang ist’s her, denn Reime finden ist recht schwer.

In diesem Jahr gab"s nichts zu lachen, weshalb wir uns die Mühe machen.

Ein Wort, das werdet ihr von mir nicht hören, das will ich eingangs Euch hier schwören.

Mit C fängt dieses Unwort an, das keiner von uns leiden kann.

Was wird da rumgemurkst, ach Leude, Leude, das macht doch alles keine Freude.

Obwohl ich Spritzen gar nicht mag, freu’ ich mich auf den Impf-Fest-Tag.

Drum lasst uns von was Bess’rem reden. Von was wohl? Von den Wahlen eben.

Ganz oben steht die Landratswahl, die Kandidatenkür – ‘ne Qual.

All jene, die sonst alles wissen, die taten sich ganz schnell verp ... stecken.

Die Sozis schicken Toddel vor, der Warnecke, das ist kein Tor.

Kann reden ohne Punkt und Komma, und quatscht besoffen jede Omma.

Als Landrat kann man nicht nur schnacken, da muss man harte Nüsse knacken.

Warum will er ins Amt nur rein? Kann doch bequem im Landtag sein.

Im Amt da sitzt schon Michel H. und ruft zum Toddel: Bin schon da!

Was Koch kredenzt ist oft recht öde, was sich doch bitte ändern möge.

Gewiss, Gesetzestexte, die sind trocken, wie soll man da die Stimmung rocken?

Statt zu dozieren, sei mal lustig, dann wirkt das auch nicht gar so frustig.

Doch wenn wir die Probleme sehen, da kann das Lachen schon vergehen.

Da ist zunächst das Klinikum, die Chefs da oben sind nicht dumm.

Doch wie sie aus der Krise komm’n, das musst’ ihnen sagen Curacon.

Und deren Rat war sicher teuer,

na, macht nix, das zahlt die ja die Steuer.

Statt gleich den Schülbe mal zu fragen, der kann stets kluge Sachen sagen.

Wer nichts entscheiden muss, tut schlau, denn Weigel ist die arme S ...

Er muss nun machen harte Schnitte, hoffentlich hilft"s auch, bitte, bitte!

Für Rotenburg ist das gar schwer, auch für den Grunwald und den Fehr.

Kaserne, Amtsgericht, jetzt HKZ, dabei ist’s Städtchen doch so nett.

Doch nur mit Fluss und Fachwerk eben, kann keiner heute überleben.

Das kritisierte Christian sehr geschliffen, und wurde schnell zurückgepfiffen.

Verstehen tu ich Wut und Schmerz, doch hilft euch wirklich Bürger-Herz?

Anstatt den Kreis auch noch zu spalten, soll’n besser wir zusammenhalten.

Dann schauen wir mal zu Fehlings-Tommy, der sitzt im Rathaus – spielt wohl Rommé?

Man hört und sieht von ihm nicht viel, es ist ein echtes Trauerspiel.

Deshalb steht bei uns vieles stille, es fehlt der Mut, es fehlt der Wille.

Nur am Computer und allein, wie einsam muss es für ihn sein?

Grimmig wird er vorangetrieben, kaum noch Getreue sind geblieben.

Viel Sympathie hat er verscherzt, statt anzupacken, mal beherzt.

Smart City war wohl doch nicht schlau, die Wirklichkeit ist eben rau.

Nimm doch den autonomen Bus, steig ein, fahr ab – und dann ist Schluss.

Doch wer soll dann die Kreisstadt leiten, in diesen gar so schweren Zeiten?

Die Zietz, der Vollmar oder Böhle? Bei jedem Namen gibt’s Genöle.

Ich kenn da ein’, den alle mögen, und jedem andren wohl vorzögen.

Joern Hinkel heißt der kluge Mann, der reden und auch handeln kann.

Er kennt sich aus mit dem Theater, da braucht er nicht mal ‘nen Berater.

Komödie, Drama, Kammerspiel, von allem gibt’s in Hersfeld viel.

Bahntrasse, Leerstand und Finanzen, kein Stoff zum Träumen oder Tanzen.

Drum bleib mal schön in der Ruine und stell was Tolles auf die Bühne.

Mein Wunsch an Joern, das ist ein frommer: Mach uns ‘nen super Festspielsommer!

Dann will ich singen, jauchzen, lachen, statt Rüttel-Reime hier zu machen.

Ich bin nicht Schiller und nicht Goethe, auch wenn sich heut’ die Chance böte.

Da mach’ ich lieber, was ich kann, die Zeitung mit viel Drum und Dran.

Statt Facebook-Fakes gibt’s hier die Fakten, zum Karneval heut mal in Takten.

Drum, liebe Leser, bleibt gesund, und Kai, der Narr – hält jetzt den Mund. (Kai A. Struthoff)

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