1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Starke Emotionen bei Konzert von Julia Engelmann in der Bad Hersfelder Stiftsruine

Erstellt:

Von: Eden Sophie Rimbach

Kommentare

„Glücksverkatert“: Mit diesem Programm begeisterte Julia Engelmann in der Stiftsruine.
„Glücksverkatert“: Mit diesem Programm begeisterte Julia Engelmann in der Stiftsruine. © Eden Rimbach

Mit dem Programm Glücksverkatert begeisterte Julia Engelmann das Publikum in der Bad Hersfelder Stiftsruine.

Bad Hersfeld – Wild tanzt Julia Engelmann im geblümten Kleid und schwarzen Stiefeln über die Bühne, donnert auf die Trommel, sodass Konfetti aufgewirbelt wird und der Bass durch die Reihen dröhnt. Das Publikum tanzt begeistert mit, ihre dreiköpfige Band rockt die Stiftsruine.

Dass die Poetry-Slammerin noch wenige Minuten vorher ganz eingenommen von einem emotionalen Text ist, damit das Publikum berührt und zum Nachdenken anregt, ist weder bei ihr noch bei den Zuschauern spürbar. Doch genau dieser Wechsel prägt den Donnerstagabend mit Engelmanns Programm „Glücksverkatert“.

Ruhig beginnt die Sängerin, Dichterin und Poetry-Slammerin den Abend mit einem musikalischen Dank an ihre Eltern. „Ich hab dich so lieb, manchmal lieber als mich“, gibt sie in einem Gedicht für ihren Bruder zu, erinnert darin ebenfalls an ihre Kindheit und Jugend. Ganz still ist es in der Stiftsruine, als Engelmann an ihn die Worte richtet: „Du bist mein Fänger im Roggen und ich will gerne deiner sein.“

Die Ergriffenheit des Publikums entgeht der Poetry-Slammerin nicht, die zur Auflockerung für Lacher sorgt und zum Tanzen einlädt.

Neben einem Gedicht an ihre Mutter und einem Lied für ihren Vater richtet Engelmann Worte an ihr jugendliches Ich. Für die Poetry-Slammerin ist das Schöne am Schreiben unter anderem die Möglichkeit, durch die Zeit zu reisen. Während sie das Lied ankündigt, verlässt Bandmitglied Lisa Müller ihren Platz an den Keyboards und schnallt sich das Akkordeon um. Am Ende des Songs tanzt sie mit Engelmann zur Musik. Wandlungsfähigkeit beweisen auch Schlagzeuger Lukas Berg, der zwischendurch zur Gitarre greift, und Martin Ziaja, der als Musical Director abwechselnd Gitarre, Bass und auch die Ukulele spielt.

Etwa 1000 Menschen waren in die Stiftsruine gekommen, um Julia Engelmann und ihre Band live zu erleben.
Etwa 1000 Menschen waren in die Stiftsruine gekommen, um Julia Engelmann und ihre Band live zu erleben. © Steffen Sennewald

Engelmann selbst lässt Trommel und Kazoo erklingen, begleitet sich bei der lautstark geforderten Zugabe „Grapefruit“ mit der Gitarre. Der aufmunternde Song richtet sich an einen Menschen, der Engelmann einst auf einer Party von seiner Hoffnungslosigkeit erzählte.

In ihren Texten verarbeitet Engelmann Situationen die jeder nachvollziehen kann – von zu Hause ausziehen, einen Freund lange nicht sehen oder Selbstzweifel. Dadurch holt sie ihr Publikum ab und schafft eine Verbindung. Berührend ist es, wenn sie ihre Stimme einer 14-jährigen Ukrainerin leiht. Sie verliest einen Text, indem die Jugendliche über Explosionsgeräusche und den Wunsch nach alltäglichen Dingen wie Pizza-Essen schreibt.

Es gelingt Engelmann stets, ihr Publikum zu fesseln. Mit ihren Worten malt sie Bilder, transportiert tiefe Emotionen und wird auch ganz privat. Ihr eigener Rhythmus ist eng mit dem Gesagten verbunden. Und auch mit rasantem Tempo begeistert sie: Bei ihrem „aka, btw, cringe“ – dem Alphabet der Anglizismen – bleibt keine Atempause für sie und im Publikum kein Auge trocken. (Märthe Werder/Eden Sophie Rimbach)

Auch interessant

Kommentare