Sie machen ihr eigenes Ding

Der Nachwuchs probt für's Festspiel-Stück "Emil und die Detektive"

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Alles muss genau getaktet sein: Regisseur Rainer Niermann (links) gibt Paul Rümann (daneben), der den Emil spielt, letzte Anweisungen, bevor die Szene ein weiteres Mal geprobt wird. 

Beim Festspiel-Kinderstück "Emil und die Detektive" sind zahlreiche Nachwuchsschauspieler auf der Region im Einsatz. Zurzeit wird in der Stadthalle geprobt.

Das Geld für die Oma ist weg, der Dieb entwischt und Emil in einer Stadt, in der er vorher noch nie war. Nachdem er aus dem Zug ausgestiegen ist, findet er sich im Verkehrschaos Berlins wieder.

Emil und die Detektive, der Kinderbuch-Klassiker von Erich Kästner, feiert am Sonntag, 11. August, auf der Festspiel-Bühne Premiere und die Proben laufen auf Hochtouren – ein Glück, dass gerade Sommerferien sind. Aktuell probt das Ensemble in der Stadthalle. „Proben sind dazu da, um Ideen zu verwerfen“, meint Rainer Niermann, Regisseur des diesjährigen Kinderstücks bei den Bad Hersfelder Festspielen. Man könne die Dinge nur grob anlegen, manches kann man final erst in der Ruine festlegen, erzählt er.

Welche Strecke soll die Straßenbahn zurücklegen? Passt alles mit der Musik, man muss schließlich bedenken, dass die Festspiel-Bühne größer ist, als der Platz in der Stadthalle. Großes Chaos nicht nur in der Szene, auch bei der Umsetzung. Einmal, zweimal, dreimal geübt, am Ende steht das Bühnenbild. Rollende Holzkisten sind erst Koffer, dann Autos, dann Straßenbahnwaggons, und das alles während eines einzigen Liedes. Da muss eben alles auf die Sekunde genau abgestimmt werden.

„Die Kinder haben wahnsinnig viel Bock“, freut sich Regisseur Niermann über das Engagement der jungen Schauspieler. Warum er so gerne mit Kindern arbeitet? „Kinder sind pur. Sie sind immer sie selbst.“ Nach einem Casting haben die Nachwuchsschauspieler in zwei Workshops das Handwerkszeug für die Bühne gelernt. Die Gruppe sei schnell zusammengewachsen, die jungen Darsteller zeigen Solidarität und unterstützen einander. Zwar sehen die Kinder die erwachsenen Schauspielerkollegen als Vorbilder an, das heißt aber nicht, dass sie ihnen Dinge nachmachen. „Sie machen ihr eigenes Ding und sind selbstbewusst“, sagt Niermann.

Dass sich die Gruppe gut versteht, kann auch Diyar Ilhan bestätigen. Er spielt einen der Gustavs und hat in Bad Hersfeld ein zweites Zuhause gefunden. Der 17-Jährige stammt aus Alsfeld und steht auf der Theater-Bühne, seitdem er sieben Jahre alt ist. Auch Erfahrungen mit Film und Fernsehen bringt der Jugendliche mit, Musical ist für ihn aber noch ein unbekanntes Genre.

Sein Debüt bei den Festspielen feierte Diya im Jahr 2015 mit den „Sommernachtsträumereien“. Das tolle am Theaterspielen sei die Bestätigung durch das Publikum. „Der Applaus ist das, weshalb ich Theater spiele“, sagt der Jugendliche und freut sich auf die Premiere. (lh)

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