Nach der Landtagswahl: Das sagen die Parteien zu ihrem Abschneiden im Kreis

Hersfeld-Rotenburg. Zwölfmal SPD, achtmal CDU: Die großen Parteien haben die meisten Zweitstimmen in den Kreis-Kommunen gesammelt - und sind doch die Verlierer der Hessenwahl. 

Die SPD hat im Rotenburger Wahlkreis knapp das Direktmandat an Lena Arnoldt (CDU) verloren, holte aber die meisten Zweitstimmen. Im Wahlkreis Hersfeld lief es genau umgekehrt: Torsten Warnecke (SPD) verteidigte seinen Platz in Wiesbaden, bei den Zweitstimmen lag die CDU knapp vor den Sozialdemokraten.

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Auf Landkreisebene hat die SPD in zwölf Gemeinden gewonnen, die CDU in acht. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg wird künftig durch fünf Landtagsabgeordnete in Wiesbaden vertreten: Neben Lena Arnoldt (CDU) und Torsten Warnecke (SPD) sind das Kaya Kinkel (Grüne), Karina Fissmann (SPD) und Gerhard Schenk (AfD). 

Wir haben mit den Fraktionsvorsitzenden der Parteien in Hersfeld-Rotenburg über den Ausgang der Hessenwahl gesprochen.

SPD: Schuld ist auch die bundesweite Misere

Aus Sicht von SPD-Fraktionschef Manfred Fehr ist das Abschneiden seiner Partei in den heimischen Wahlkreisen „gerade noch zufriedenstellend“ – auch weil Karina Fissmann es nach der knappen Niederlage im Rotenburger Wahlkreis doch über die Landesliste nach Wiesbaden geschafft hat.

Ein Grund für das historisch schlechte Hessen-Ergebnis der SPD sei die bundesweite Misere. „Eine völlige Entkopplung vom Bundestrend ist unmöglich, da kann man in seinem Wahlkreis so gut arbeiten, wie man will“. Die Entscheidung, mit Warnecke und Fissmann ins Rennen zu gehen, sei richtig gewesen.

CDU: Nicht alles verlief nach Wunsch

Für Andreas Rey hat es im Wahlkreis Hersfeld wieder nicht gereicht. Schon 2013 hatte er gegen Torsten Warnecke das Nachsehen. Das sei natürlich enttäuschend, sagte Herbert Höttl, Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag. Vor allem die Ergebnisse in der Kreisstadt und im traditionell „schwarzen“ Eiterfeld, das durch die Wahlkreisreform erstmals im Hersfelder Wahlkreis gewählt hat, „waren nicht so, wie wir uns das gewünscht hatten“. 

Hinzu komme, „dass er im Wahlkreis offenbar nicht so bekannt ist wie der Amtsinhaber“. Ihre Bekanntheit habe hingegen Lena Arnoldt im Rotenburger Wahlkreis in die Karten gespielt. „Den Grundstein für ihren Sieg hat sie in Bebra gelegt, dort hatte sie mehr als 700 Stimmen Vorsprung.“

AfD: Nicht zu erreichen

Der AfD-Fraktionschef Peter Fricke war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Grüne: Auf Augenhöhe mit der CDU

Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen im Kreistag, Thomas Gerlach, sieht seine Partei nach dem Wahltag „fast auf Augenhöhe mit der CDU“, weshalb sie nun mehr Gewicht bei grünen Kernthemen wie etwa dem Ausbau der Windkraft habe. 

Auch das Abschneiden der beiden Grünen-Kandidatinnen im Kreis – Helena Pfingst und Kaya Kinkel – lobte Gerlach, auch wenn es die Grünen wegen des Kalibergbaus hier besonders schwer hätten. Er geht davon aus, dass viele Wähler bewusst ihre Zweitstimme den Grünen gegeben haben.

FDP: Hoffen auf Regierungsbeteiligung

Rolf Malachowski von der FDP-Kreistagsfraktion sagte, seine Partei könne „ganz zufrieden sein“. Er frage sich aber, ob SPD und CDU „begriffen haben, was hier passiert ist“. 

Persönlich freue er sich aber auch für das gute Abschneiden von Torsten Warnecke, der gute Arbeit leiste. Malachowski würde es begrüßen, wenn die FDP doch noch an der Landesregierung beteiligt würde.

Freie Wähler: Haben auf die richtigen Themen gesetzt

Jörg Brand, Fraktionsvorsitzender der FWG im Kreistag, zeigte sich zufrieden mit dem Wahlergebnis. „Wir haben schließlich Stimmenanteile zugelegt.“ Zwar hätte er es lieber gesehen, wenn die Freien Wähler den Sprung aus der Kategorie „Sonstige“ in den Landtag geschafft hätten. „Aber unser Wahlkampf, speziell gegen die Straßenbeiträge, hat gezeigt, dass wir auf die richtigen Themen setzen.“

Linke: Klimapolitik kam zu kurz

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Hartmut Thuleweit, sieht den Wahlausgang zwiegespalten: Das Hessen-Ergebnis sei zufriedenstellend. „In den Rotenburger und Hersfelder Wahlkreisen hatten wir allerdings größere Zugewinne erwartet und sind ein bisschen enttäuscht.“ 

Viele Wähler, die mit der Bundespolitik abrechnen wollten, hätten diesmal eher die Grünen gewählt. „Wir haben auf die richtigen Themen gesetzt, hätten aber vielleicht die Klimapolitik noch mehr herausstellen müssen“, sagte er. 

Das Abschneiden der AfD sei „schlimm“. „Wenn man sieht, dass sie mit Ultrarechten wie Höcke in unserer Region Wahlkampf gemacht haben, ist das Ergebnis sehr besorgniserregend.“

So verlief der Wahlsonntag im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

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