Kontrollierter Überdruck

Nach Hochhausbrand: Entrauchungsexperten melden sich zu Wort

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Gleich zweimal hintereinander hatte es im ehemaligen Schwesternwohnheim an der Gotzbertstraße gebrannt.

Bad Hersfeld. Nach dem Hochhausbrand an der Gotzbertstraße melden sich die Entrauchungsfachleute des örtlichen Ventilatoren-Herstellers Trox X-Fans zum Thema Brandschutz zu Wort.

Die Polizei sucht nach den Bränden am Wochenende weiter nach dem mutmaßlichen Feuerteufel, der im Treppenhaus abgestellte Gegenstände angesteckt hat (unsere Zeitung berichtete).

In diesem Zusammenhang haben sich jetzt auch die Entrauchungsfachleute des örtlichen Ventilatoren-Herstellers Trox X-Fans zu Wort gemeldet und auf die Problematik eines vorbeugenden Brandschutzes hingewiesen.

Wenn es brennt, sind Flucht- und Rettungswege lebenswichtig – und das nicht nur für Bewohner, sondern auch für die Feuerwehr. Sie benötigt freie Sicht zum schnellen Retten von Menschen und zum Löschen des Brandes.

Wichtig ist das insbesondere in Hochhäusern. Hier gibt es häufig nur einen Rettungsweg, nämlich das Treppenhaus. Und das ist im Falle des Falles häufig verraucht, sodass für die Flüchtenden eine Orientierung unmöglich wird. Hinzu kommt: Die meisten Opfer bei einem Brand sterben nicht an den Flammen. Es ist der Rauch, der sie umbringt.

Musterbeispiel: Im Neubau des Therapiezentrums im Schildepark dient eine Druckbelüftungsanlage dem vorbeugenden Brandschutz. Foto: Schönholtz/Archiv

Nach der geltenden Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR) müssen Hochhäuser bis zu einer Höhe von 60 Metern daher mit zwei Treppenhäusern oder einem Sicherheitstreppenraum mit einer Druckbelüftungsanlage ausgestattet sein.

Eine solche Rauchdruckanlage (RDA) erzeugt einen kontrollierten Überdruck im Treppenraum und verhindert dadurch, dass Rauch aus der Brandetage ins Treppenhaus gelangt.

Eine Rauchdruckanlage wird vollautomatisch über die Brandmeldeanlage oder Rauchmelder ausgelöst und bringt kurz nach dem Einschalten ihre volle Leistung. Dadurch gewinnen die in den Gebäuden befindlichen Personen Zeit, sich zu orientieren. Wichtige Zeit, um die Notausgänge zu finden und ins Freie zu gelangen.

Aber: Gerade in bestehenden Gebäuden wie dem Schwesternwohnheim wären solche Anlagen nur unter großem baulichem und finanziellem Aufwand nachträglich zu realisieren. Bei einem Neubau hingegen sind Rauchdruckanlagen eine leicht zu installierende und sinnvolle Investition.

Ein Beispiel aus Bad Hersfeld: Das neue Therapiezentrum Schilde-Park. Dort wurde von Trox X-Fans eine Druckbelüftungsanlage eingebaut. Ohne diese dürften sich maximal 20 Personen pro Geschoss im Gebäude aufhalten – für eine Arztpraxis mit Personal, Fitnesscenter oder die ebenfalls im Therapiezentrum befindliche Physiotherapiepraxis wäre das schlichtweg nicht praktikabel gewesen. (ks/red)

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