"Dinner for Five" in der Stadtkirche

Musikalisches Festmenü am Silvesterabend

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Die Mitwirkenden des Silvesterkonzerts: Martin Janßen, Daniel Crespo, Björn Diehl, Emily Czembor, Sebastian und Anton Bethge und Anastasia Boksgorn (von links). Das vollständige Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuz oben rechts klicken.

Bad Hersfeld – "Dinner for Five", ein besinnliches und unterhaltsames Konzert mit Trompeten, Orgel und Geige hat Tradition an Silvester in der Stadtkirche.

„Dinner for Five“ – mit einem raffiniert zusammengestellten und sehr lebendig servierten Festmenü setzte das durch einige Gäste verstärkte, bewährte „Dinner-Team“ am Silvesterabend den Schlusspunkt des Jahres 2018 in der voll besetzten Stadtkirche. In eher ungewöhnlicher Besetzung für zwei Orgeln, zwei Trompeten und eine Violine brachten Anastasia Boksgorn (Bad Hersfeld), Sebastian Bethge (Bad Hersfeld), Martin Janßen (Lübeck und Bad Hersfeld), Daniel Crespo (Buenos Aires) und Björn Diehl (Oberaula) den gesamten Kirchenraum zum Klingen.

Unter anderem erklang Musik von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Gioachino Rossini, Pablo de Sarrasate, Léo Delibes und Georges Bizet. Barocke Klangpracht kontrastierte mit verspielter Virtuosität, romantischer Schmelz mit großer Oper und meditativer, zurückgenommener Musik – beispielsweise Otto Abels Vertonung von Dietrich Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und das alte skandinavische Weihnachtslied „Mitt hjerte alltid vanker“ – die zum Innehalten am letzten Abend des Jahres einluden. Bei Jeremiah Clarkes „Prince of Denmark’s March“, der als traditionelle Zugabe am Schluss zu hören war, kam sogar ein wenig „Last Night of the Proms“-Gefühl auf.

Eindrucksvoll gelang einmal mehr das klangliche Ausloten des gesamten Kirchenraumes durch die Raumwechsel und das Einbeziehen der zwar kleinen, aber durchaus feinen Altarorgel im Chorraum der Kirche. Die beiden Orgeln waren meist im Wechselspiel zusammen mit den ebenfalls an unterschiedlichen Orten im Raum – auf den Emporen, in den Gängen, aber auch im Chorraum – verteilten Solisten zu hören, was den Zuhörern ein besonderes Hörerlebnis bescherte. Auch der Humor kam nicht zu kurz: Beim „Crazy Trumpet Bee“ konnte man wildgewordene und zahme Bienen (Nikolai Rimski-Korsakoffs „Hummelflug“ wurde mit ein paar Takten aus der Titelmusik der „Biene Maja“ verbunden), einen von einem ausgesprochen niedlichen Mini-Pinguin (im Kostüm steckte der 3-jährige Anton Bethge) gebändigten trojanischen Elefanten, dem Björn Diehl mit einer Tuba entstieg, und zwei sich in einen furiosen Streit hineinsteigernde Trompeten erleben.

Das Spiel der Solisten kam neben den überlegt eingesetzten Orgeln eindrucksvoll zur Geltung. Anastasia Boksgorn brillierte vor allem in Pablo de Sarrasates „Introduction“ und „Tarantelle“, deren technisch ausgesprochen anspruchsvolle Passagen sie souverän, energiegeladen, mit großer Intensität und mit viel Gefühl für melodische Bögen meisterte. Die erst 13-jährige Violinistin Emily Czembor, Schülerin von Anastasia Boksgorn, beeindruckte vor allem in Abels Bonhoeffer-Lied mit perfekt intoniertem und warm timbriertem Spiel. Besonders nachhaltigen Eindruck hinterließen die beiden Trompeter Björn Diehl und Daniel Crespo: Ihnen gelangen sowohl die strahlend-eleganten als auch die weichen, zurückgenommenen Farbnuancen. Sehr eindrucksvoll geriet beispielsweise der Attacca-Bläsereinsatz in Rossinis „Galopp“ aus der Oper Wilhelm Tell. Sie brachten ihre Instrumente im besten Wortsinn zum Singen und erwiesen sich auch im Zusammenspiel als perfekt aufeinander abgestimmtes Duo, was umso schwerer wog, als Crespo sehr kurzfristig eingesprungen war. Sebastian Bethge und Martin Janßen bildeten an den beiden Orgeln eine sichere und differenzierte Basis für die Solisten.

Mit lang anhaltendem, stehendem Applaus bedankte sich das Publikum bei den Interpreten für das delikate, festliche Silvestermenü.

VON UTE JANSSEN

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