"Tante Doktor" aus Gießen zu Gast im Bad Hersfelder Buchcafé

Musik-Kabarett: Fröhliches über das Sterben

Musikalische Visite im Buchcafé: Sarah Becker und Hans Voigtmann sind „Tante Doktor“, das Ärzte-Kabarett mit Nebenwirkungen. Foto: Steffen Sennewald

Bad Hersfeld. Nachdem endlich alle Patienten, die eine Eintrittskarte ergattern konnten, im ausverkauften Buchcafé ihren Platz gefunden hatten, begann am Samstagabend eine völlig unsterile Kaberettveranstaltung von „Tante Doktor“ aus Gießen.

Das Thema „Fröhliche Lieder über Tod und Sterben im Krankenhaus“ gab es im Buchcafé so noch nie. Es war völlig überraschend, ganz neu und auch noch ein klein bisschen makaber. Aber nein! Keiner musste sich ausziehen. Die beiden Kreativ-Musiker verarbeiten in ihren eigenen Songs vielmehr nur ihren stressigen Arbeitsalltag an einem Klinikum. Und da hören sie, wie ihre feinsinnigen Texte zeigen, ganz genau hin, so wie man es von seinem Arzt auch erwartet.

Prophylaktisches Lachprogramm

Sarah Becker stammt aus Bad Hersfeld, sie ist vielen noch als Frontfrau der Band „ReverB“ in Erinnerung, hat mit ihrem Partner Hans Voigtmann ein wortwitziges prophylaktisches Lachprogramm mit Musik entwickelt, was auf ihr damaliges Kabarettensemble während der Studienzeit zurückgeht.

Nachdem gleich am Anfang „Das Herz im Wald versteckt“ und durch den „Park der alten Rhythmusstörungen“ gewandelt wurde, gab es einen Grundkurs zu den drei Lügen im Krankenhaus: „Es tut nur ganz kurz weh“, „Ich bin gleich wieder da“ und „Machen sie sich keine Sorgen, ich habs schon 1000 mal gemacht“.

Dagegen half jetzt nur noch eine scharfe Essenz aus kräftig durchgerührten Zutaten bekannter deutscher Werbetexte, die mit platten Schlagerreimen angereichert, im Saalgesang des „Sind wir nicht alle ein bisschen des Wodkas reine Seele“ gipfelte. Dieser nagelneue Song zeigte das enorme Potenzial der beiden, nämlich ihre in Schüttelreime musikalisch gefassten Wortwitze.

Schlechte Witze

Zwischendurch gab es immer wieder ein paar sogenannte „schlechte“ Witze zu hören, wie die über inkontinente Fledermäuse. Und die Gäste, unter die sich auch einheimische Ärzte gemischt hatten, konnten ihrerseits zur allgemeinen Gaudi ihre schlechten Witze loswerden.

Anders die locker eingestreuten ärztlichen Ratschläge der beiden, die so nicht unbedingt besonders ernst zu nehmen waren, aber eben für viele Lacher sorgten. Und dazu der passende Song, denn „Morgen isses vorbei“.

Nach gut zwei Stunden und zwei Zugaben war das Publikum sichtlich erleichtert, dieses unsterile Musikkabarett fast ohne ernsthafte Nachwirkungen überlebt zu haben, denn ein anhaltender Muskelkater im Zwerchfell wird nicht vollständig auszuschließen sein.

Von Steffen Sennewald

Tante Doktor im Bad Hersfelder Buchcafé

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