Bad Hersfelder Festspiele 2019

Musical-Star Katherine Mehrling: „Ich bin ein impulsiver Mensch“

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Wiedersehen mit Bad Hersfeld: Musical-Sta r Katharine Mehrling, die 2014 in „Kiss me Kate“ mitspielte, kehrt in diesem Sommer als Fanny Brice in „Funny Girl“ zu den Festspielen in die Stiftsruine zurück.

Als Katherine Mehrling zum letzten Mal bei den Bad Hersfelder Festspielen war, wurde noch ohne Pause gespielt. Jetzt spielt sie die Fanny Brice in "Funny Girl" - mit Pause.

 „Wir haben damals wirklich durchgespielt?“ Katharine Mehrling mag im ersten Moment gar nicht glauben, dass die halbstündige Pause bei den Bad Hersfelder Festspielen erst nach ihren Auftritten als Lilli Vanessi im Musical „Kiss me Kate“ 2014 eingeführt wurde. Auch sonst war Vieles anders, als die Berliner Schauspielerin und Sängerin das Publikum in der Stiftsruine bezauberte, damals noch unter Intendant Holk Freytag, für dessen Verbleib sie sich mit den Kollegen starkgemacht hatte. Roter Teppich, Foyer im Grünen, die neue Zuschauertribüne – all die von Freytags Nachfolger Dieter Wedel eingeführten Neuerungen werden auch für Katharine Mehrling neu sein, wenn sie im Sommer als Fanny Brice im Musical „Funny Girl“ nach Bad Hersfeld zurückkehrt.

Dann wird zwar Dieter Wedel schon nicht mehr da sein, wohl aber Regisseur Stefan Huber, mit dem sie schon viele Male zusammengearbeitet hat, vor sieben Jahren in Dortmund auch bei „Funny Girl“. Jetzt will sie „die Rolle neu entdecken“, denn weder das große Vorbild Barbra Streisand noch frühere Produktionen haben ihre Neugier auf die Figur der Fanny Brice gestillt. „Das ist eine Wahnsinns-Rolle, die alle möglichen Facetten beinhaltet“, sagt sie. Denn es sein nicht nur die Geschichte vom hässlichen Entlein, das zum Star wird, sondern als Schilderung einer Frau, die ihren ganz eigenen Weg geht, „aktueller denn je“.

"Diese Festspiele sind etwas ganz Besonderes.“

Wer Katharine Mehrling einmal erlebt hat, der weiß, dass diese zierliche Person auf der Bühne mindestens einen halben Meter größer erscheint und vor Energie nur so sprüht. Bad Hersfeld wird für Katharine Mehrling ein richtiges Kontrastprogramm, auf das sie sich gerne einlässt. „Open air ist eine Herausforderung, und diese Festspiele sind etwas ganz Besonderes.“

In Berlin ist die gebürtige Hessin derzeit allgegenwärtig. Ob Komische Oper, Renaissance-Theater oder die „Bar jeder Vernunft“ – an kaum einem Abend fehlt ihr Name im Programm einer dieser Bühnen. Und das Publikum liebt sie. Mehrfach hat sie den „Goldenen Vorhang“ als beliebteste Schauspielerin Berlins gewonnen.

„Ich will mich ausprobieren und immer wieder Neues erfahren“, sagt sie über die Vielfalt ihrer Arbeitsfelder als Sängerin, Musical-Star und Schauspielerin im Theater oder vor der Kamera. Dass die Grenzen zwischen den Genres verschwimmen, bewahre sie zudem davor, in eine Schublade gesteckt zu werden.

"Oft ergibt sich etwas Spannendes"

Sorgen muss man sich angesichts dieses Mammutprogramms um Katharine Mehrling wohl nicht machen. „Ich achte auf mich“, beteuert sie beim Treffen im Berliner Jazz-Café. Sie sei bei der Arbeit „nicht fanatisch, sondern immer mit Lust, Leidenschaft und Spontanität“ dabei. „Ich bin ein impulsiver Mensch“, sagt sie, sieht darin aber kein Handicap: „Dann verläuft der Tag eben anders als geplant. Das ist okay, denn oft ergibt sich etwas anderes Spannendes“.

Spannend wird auch ihre Rückkehr in die Stiftsruine. Katharine Mehrling weiß zwar um eine gemeinsame Basis mit Regisseur Stefan Huber, doch vor seiner intensiven, akribischen Probenarbeit („Da muss ich durch“) hat sie genauso großen Respekt wie vor der Rolle selbst: „Die Fanny Brice trägt den ganzen Abend. Das heißt für mich, dass ich tagsüber schweigen muss, um meine Stimme zu schonen.“

Zur Person

Katharine Mehrling, Jahrgang 1975, wurde in Hanau geboren und ist in einem hessischen Dorf aufgewachsen. Seit 2000 lebt sie in der Bundeshauptstadt Berlin, wo sie fünf Mal mit dem Publikumspreis „Goldener Vorhang“ als beliebteste Schauspielerin ausgezeichnet wurde. Außerdem wurde ihr 2016 der Berliner Bär, der BZ-Kulturpreis, verliehen. Studiert hat sie Schauspiel und Musical Theatre am London Studio Centre und am Lee Strasberg Theatre & Film Institute in New York. Zu ihren Erfolgen zählen unter anderem die Hauptrollen in „Cabaret“, „Funny Girl“ und „Kiss me Kate“ (u.a. 2014 bei den Bad Hersfelder Festspielen). Ihrer Liebe zum Jazz und dem französischen Chanson widmete sie sich in ihren Programmen und auf ihren CDs. Aktuell ist sie an der Komischen Oper in „My Fair Lady“ und „Ball im Savoy“ zu erleben und ab Mai mit ihrem neuen Programm „Vive la vie“ in der Bar jeder Vernunft.

VON KARL SCHÖNHOLTZ

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