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Musical "Hair": Ein Trip im Rausch des Lebens

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Love, Peace und lange Haare: Schon die ersten Szenenfotos der Hair-Inszenierung von Gil Mehmert lassen erahnen, dass die Zuschauer in der Stiftsruine ein opulentes und farbenprächtiges Musical-Erlebnis erwartet. Foto: Klaus Lefebvre/Bad Hersfelder Festspiele

Bad Hersfeld. Liebe und Frieden thematisiert das Musical "Hair", das am 3. August bei den Bad Hersfelder Festspielen Premiere feiert.

Die USA 1968: Es war das Jahr, in dem der amerikanische Traum zum Albtraum wurde. Tausende junge Männer werden aus ihren Familien gerissen und nach Vietnam in einen blutigen Dschungelkrieg geschickt. Viele von ihnen kehren in Leichensäcken in die Heimat zurück.

Doch auch in den USA rumort es. Rassenunruhen erschüttern vor allem die Südstaaten. Am 4. April wird Martin Luther King, der Hoffnungsträger der schwarzen Amerikaner, im Lorraine Motel in Memphis Tennessee von einem Attentäter erschossen. Bis heute ranken sich Spekulationen um die Ermordung des Predigers, der mit seiner „I have a dream“-Rede die Träume von so vielen – längst nicht nur farbigen – Amerikanern in Worte gefasst hatte.

Im Juni wird Robert F. Kennedy, der junge und charismatische Justizminister erschossen. Nach der Ermordung seines Bruders, Präsident John F. „Jack“ Kennedy, setzten viele der jüngeren Amerikaner ihre Hoffnungen auf ihn. Im November wird dann Richard Nixon zum Präsidenten gewählt. Die Watergate-Affäre wirft ihre Schatten voraus.

Wie ein Urknall

In dieser politischen Gemengelage wird am 29. April 1968 im Biltmore Theater am New Yorker Broadway das Musical „Hair“ uraufgeführt. Das Buch und die Liedtexte stammen von Gerome Ragni und James Rado, die Musik ist von Galt MacDermot. Wie ein Urknall hallt es durch die USA und gibt einer ganzen Generation junger Menschen eine Stimme.

„Hair“ erzählt die Geschichte des jungen Claude Hooper Bukowski, der aus dem ländlichen amerikanischen Mittelwesten vor seiner Einberufung zum Militärdienst nach New York kommt. Dort trifft er auf eine Gruppe von Hippies und Wehrdienstverweigerern um den charismatischen Berger. Und er verliebt sich in Sheila, ein Mädchen aus der Oberschicht, die sich ebenfalls zu den Hippies und ihrer unangepassten Lebensweise hingezogen fühlt.

1968 wird das Musical auch in München gespielt und trifft in Deutschland auf den Zeitgeist der 68er-Bewegung. Die Welt ist in Aufruhr, das Musical „Hair“ liefert dazu den Soundtrack. Unvergessene Songs wie „Aquarius“, „Good Morning Sunshine“, „Let the Sunshine in“ oder eben „Hair“ sind inzwischen längst Evergreens, „weil die Musik nie unsere Köpfe und Herzen verlassen hat“, wie es Regisseur Gil Mehmert formuliert.

Aktueller denn je

Inzwischen ist die Welt eine andere, trotzdem ist das Musical aktueller denn je, betont Mehmert: Die Anschläge auf das World Trade Center haben der Menschheit neue Kriege gebracht. „Ein bedenklicher Rechtsruck hat die Welt erfasst. Als wir uns in der Vorbereitung zur diesjährigen Bad Hersfelder Produktion befanden, war – zur Entstehungszeit noch unvorstellbar – ein Afro-Amerikaner Präsident der USA“, sagt Mehmert.

„Gleichzeitig war im Wahlkampf die merkwürdige Frisur eines nicht ernst genommenen Kandidaten ein amüsantes Nebenthema. Jetzt prägt dieser Haarschopf die Weltpolitik.“ Mehmert beschreibt seine „Hair“-Inszenierung für die Stiftsruine als „eine Hommage an eine Generation, die für einen Sommer die Zeit angehalten hat“. Das Stück sei zugleich eine Referenz an das legendäre Woodstock-Festival von 1969 und den „Summer of Love“. Das Bühnenbild orientiere sich daher auch an dem Open-Air-Konzert.

„Die Texte sind immer noch eine Collage, diesmal aus dem Original-Skript, dem späteren Drehbuch und Zitaten vieler Protagonisten des Hippie-Zeitalters“, erklärt Mehmert und verspricht: „Hair ist und bleibt ein großer Trip im Rausch des Lebens“.

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