Grund ist offenbar fehlerhafte Gebührenkalkulation

Müllverband AZV entlässt Geschäftsführer Georg Körner

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Muss gehen: Georg Körner - hier auf der Deponie.

Hersfeld-Rotenburg. Neues Kapitel im Streit der Müllverbände: Der Abfallwirtschafts-Zweckverband (AZV) hat mit sofortiger Wirkung seinen Geschäftsführer Georg Körner entlassen. 

Grund ist unter anderem eine offenbar fehlerhafte Gebührenkalkulation, über die der AZV ab Januar die angelieferten Abfälle mit dem Müllabhol-Zweckverband Rotenburg (MZV) abrechnen wollte.

Der 65-jährige Körner leitete seit 2006 die Geschäfte des Verbandes mit Sitz in Bad Hersfeld und wäre in sechs Monaten ohnehin in den Ruhestand gegangen. Der AZV sah sich aber gezwungen, sofort zu handeln. „Die Freistellung war unausweichlich“, sagt Verbandsvorsitzende Elke Künholz. Wie berichtet, hatte der AZV dem MZV eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung gekündigt und stattdessen von einer Kanzlei eine Gebührenkalkulation erstellen lassen. Nachdem der MZV das Papier wegen zahlreicher Ungereimtheiten kritisiert hatte, verschob der AZV seine Verbandsversammlung, um die Vorlagen noch einmal zu überprüfen.

„Der Vorstand des AZV hat darauf vertraut, dass mit Vorlage einer neuen Gebührenkalkulation die bisherigen Streitpunkte ausgeräumt sind“, sagt Elke Künholz mit Blick auf das seit Jahren angespannte Verhältnis beider Verbände. „Dies war Priorität und Verantwortlichkeit des Geschäftsführers.“

Als der Vorstand festgestellt habe, dass „die Kalkulation fehlerbehaftet war“, habe man Körner entsprechende Fragen gestellt, die dieser aber „nicht oder nur völlig unzureichend beantwortet“ habe. „Der Vorstand des AZV kann diese mangelnde Wahrnehmung seiner Sorgfaltspflicht nicht hinnehmen und musste handeln“, so Künholz. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Vorerst führt der bisherige Stellvertreter, Gerd Keidel, die Geschäfte.

Dass der Abfallwirtschafts-Zweckverband Landkreis Hersfeld-Rotenburg (AZV) rund eine Woche vor der wichtigen Verbandsversammlung seinen Geschäftsführer Georg Körner entlassen hat, damit haben selbst die schärfsten Kritiker vom Müllabhol-Zweckverband Rotenburg (MZV) nicht gerechnet. 

„Dieser Schritt war aber längst überfällig“, sagt MZV-Verbandsvorsitzender Hartmut Grünewald, „denn dieser Herr hat maßgeblichen Anteil daran, dass das Verhältnis der beiden Verbände so sehr belastet ist.“ Seit Jahren streiten sich die beiden Müllverbände im Kreis – teils vor Gericht – darüber, ob und wie viel Geld der eine dem anderen schuldet. Zuletzt kochten die Emotionen bei den Verantwortlichen des MZV hoch, nachdem der AZV eine langjährige öffentlich-rechtliche Vereinbarung gekündigt hatte und eine Gebührenkalkulation vorgelegt hatte, die laut Grünewald „voller Fehler“ war. Das wollte der AZV-Vorstand nicht länger mittragen und zog die Konsequenz. 

Zumal es dem neunköpfigen Vorstand, wie Verbandsvorsitzende Elke Künholz betont, auch nicht gefallen habe, wie sich Georg Körner zuletzt öffentlich geäußert hat. „Die mit dem Vorstand nicht abgesprochene und durch diesen nicht autorisierte Presseäußerung des Geschäftsführers ist in der Sache völlig unangemessen.“ Körner hatte unter anderem gesagt, dass sich der AZV die Gebührenkalkulation „rund 20 000 bis 30 000 Euro“ habe kosten lassen. Jetzt ist Körner nicht mehr da. Das sei mit Blick auf die Meinungsverschiedenheiten beider Verbände ein positives Signal, sagt Hartmut Grünewald. „Wir hoffen nun auf Entspannung und darauf, in naher Zukunft ohne Vorurteile Möglichkeiten zur Zusammenarbeit gemeinsam mit dem AZV sachlich erörtern und dann auch zum Nutzen aller Bürger im Landkreis realisieren zu können.“ Vorschläge gebe es genug. 

Auch Elke Künholz betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sie eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem MZV anstrebe. „Langfristiges Ziel muss es sein, dass wir im Landkreis nur noch einen Zweckverband haben – nicht zwei.“ (ses)

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