Unternehmen kontert Kritik

Tarifverhandlungen gefordert: Warnstreik bei RS Components in Bad Hersfeld

Streik bei RS Components in Bad Hersfeld, Verdi
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Warnstreik bei RS Components in Bad Hersfeld.

Weil das Unternehmen Tarifgespräche kategorisch ablehne, hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten am Bad Hersfelder Standort von RS Components zum Streik aufgerufen.

Vom Regen ließen sich die Streikteilnehmer, die sich am Dienstagmorgen zur Erfassung und Kundgebung auf dem Gelände von RS Components in Bad Hersfeld eingefunden hatten, nicht beeindrucken. Regenschirme und ein Pavillon boten Schutz. 

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Dienstag erstmals zum Streik aufgerufen. „Wir haben die Geschäftsführung mehrmals zu Tarifverhandlungen aufgefordert, leider lehnt RS Gespräche mit Verdi kategorisch ab“, begründete Verdi-Sekretär Manuel-Lars Sauer die Aktion, der mit Blick auf viele Leiharbeiter zudem von einer „Zweiklassengesellschaft“ sprach. Der Streik war zunächst auf einen Tag begrenzt, man stelle sich aber auf eine harte Auseinandersetzung ein und schließe weitere Streiks in Zukunft nicht aus. 

Die weltweit tätige Firma erweitert derzeit ihre Niederlassung am Eichhof und investiert 65 Millionen Euro in den Standort. Zurzeit sind in Bad Hersfeld rund 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Derzeit gebe es bei RS teilweise Lohnunterschiede in Höhe von zirka 440 Euro pro Monat zum Verdi-Tarifvertrag heißt es in einer Pressemitteilung der Dienstleistungsgewerkschaft. Die Gewerkschaft möchte mit der Geschäftsführung einen Anerkennungstarifvertrag zum Lohn-und Gehaltstarifvertrag für den hessischen Groß-und Außenhandel abschließen. Dieser würde für die Beschäftigten deutlich mehr an Lohn- und Gehaltszahlungen bedeuten, so Sauer. Außerdem will Verdi die steigende Zahl der im Betrieb beschäftigten Leiharbeitnehmer senken. „Wir sind davon überzeugt, dass eine so enorme Anzahl an Leiharbeit bei RS schlecht für alle Beteiligten ist“, sagt Sauer. „Im Betrieb von RS befindet sich ein eigenes Büro eines Leiharbeitsunternehmens. Damit zeigt RS, dass es eine Zweiklassengesellschaft favorisiert“, kritisiert der Verdi-Sekretär. Er spricht von einer gewünschten Reduzierung der Leiharbeit auf zehn Prozent zur Abdeckung von Spitzen.

„Wir stellen uns auf harte Auseinandersetzungen bei RS ein, aber wir spüren einen steigenden Rückhalt bei den Kolleginnen und Kollegen“, berichtet Manuel-Lars Sauer. „Was nahezu alle Kolleginnen und Kollegen bei RS nicht verstehen, ist, dass der Arbeitgeber sich in seine Leitlinien geschrieben hat, Tarifverträge und die dazu gehörigen Verhandlungen anzuerkennen, dieses Bekenntnis aber offenbar nicht mehr wert ist als das Papier, auf das RS es hat drucken lassen“, ergänzt Sauer.

RS beliefert vorwiegend gewerbliche Kunden beziehungsweise Händler mit Produkten verschiedener Hersteller rund um Elektrik, Mechanik und Automation. Mit der im Unternehmenspark Bad-Hersfeld-Ludwigsau geplanten Ansiedlung eines weiteren Elektro-Riesen könnte in Zukunft Konkurrenz drohen, meinen einige der Streikenden. "Auch deshalb muss man mehr für die Mitarbeiter tun", findet Henrik Krähe, der seit 2011 fest angestellt ist und zuvor ebenfalls als Leiharbeiter tätig war. 

RS Components reagiert mit folgender Stellungnahme auf den Streik am Standort Bad Hersfeld:

"Mit aufrichtigem Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass Verdi sich zu einer Reaktion entschlossen hat, die auch den Interessen der Beschäftigten am Standort Bad Hersfeld zuwiderläuft. Wir können der Aufforderung der Gewerkschaft zu Tarifverhandlungen nicht nachkommen. In unserem Betrieb in Bad Hersfeld gilt der allgemeinverbindliche Manteltarifvertrag Groß- und Außenhandel Hessen, den wir auf alle Arbeitsverhältnisse anwenden."

Man bevorzuge in allen Fragen, die die Belange der Mitarbeiter betreffen, den direkten Kontakt zum Betriebsrat und das offene Gespräch. Dies habe in der Vergangenheit auch sehr gut funktioniert. "Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter zeigt sich nicht zuletzt daran, dass wir seit Jahren eine sehr stabile Belegschaft mit einer sehr niedrigen Fluktuation haben. Als globaler Multi-Channel Anbieter von Produkten und Lösungen aus dem Bereich Industrie und Elektronik sind wir sehr daran interessiert, wie es unseren Mitarbeitern geht und pflegen einen respektvollen und fairen Umgang miteinander", heißt es und weiter: "Seit dem Bau des Distributionszentrums vor mehr als 20 Jahren bauen wir auf das hervorragende Miteinander im Verhältnis zu unseren hervorragenden Mitarbeitern. Dies ist einer der Schlüsselfaktoren für unsere Erfolgsgeschichte, den Kunden jeden Tag aufs Neue das gewünschte Produkt exakt zum richtigen Zeitpunkt zu liefern."

Die guten Erfahrungen am Standort Bad Hersfeld hätten vor Kurzem auch zu der Entscheidung zur Erweiterung geführt mit tiefgreifender Bedeutung für die Region, die Kunden und die Mitarbeiter. Bad Hersfeld habe sich nach eingehender Prüfung des globalen Distributionscenter-Netzwerks von RS als beste Wahl für eine Erweiterung herausgestellt. Gegenwärtig seien in Bad Hersfeld 140.000 Industrie- und Elektronikprodukte vorrätig. Das neue hochmoderne Distributionszentrum werde künftig in der Lage sein, über 500.000 Produkte aufzunehmen. 

"Wir sind an attraktiven Arbeitsbedingungen und anspruchsvollen Tätigkeitsprofilen aller Mitarbeiter interessiert. Die RS Components GmbH bietet ihren Mitarbeitern – insbesondere in unserem Logistik- und Distributionszentrum – ein für die Region sehr gutes Paket an Vergütung und zusätzlichen Leistungen", teilt Sprecher Frank Behrens mit. "Um die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter auch künftig sicherzustellen, werden wir intern das Gespräch mit Belegschaft und Betriebsrat suchen und etwaige Verbesserungsmöglichkeiten ausloten."

Auswirkungen habe der aktuelle Streik nicht. "Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, damit unsere Kunden durch die Vorgänge nicht betroffen werden. Die Qualität unserer Lieferungen wird in keiner Weise beeinträchtigt." (nm)

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