Wegen Verstoß gegen das Waffengesetz verurteilt

Mit Rasierklinge im Käppi zur Schlägerei: Zwei junge Männer vor Gericht

Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).
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Das Amtsgericht an der Dudenstraße in Bad Hersfeld.

Weil sie mit selbst gebastelten Waffen zu einer Schlägerei losgezogen waren, mussten sich zwei junge Männer vor dem Amtsgericht Bad Hersfeld verantworten.

Bad Hersfeld – Diese Verabredung hätte auch ganz anders ausgehen können: Mit diversen teils selbst gebastelten Waffen – darunter ein Käppi mit integrierter Rasierklinge, ein mit Klebenband umwickelter Nagelbohrer und ein als Morgenstern präpariertes Seil mit Schraube im Knoten – haben sich drei junge Männer aus Bad Hersfeld und Ludwigsau am Nachmittag des 31.

Januar 2020 in die Bad Hersfelder Innenstadt aufgemacht, um sich mit einer anderen Gruppe zu prügeln.

Zwei, ein heute 17-Jähriger und ein 19-Jähriger, mussten sich jetzt am Amtsgericht Bad Hersfeld vor Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock verantworten. Oberstaatsanwalt Stephan Müller-Odenwald warf den Angeklagten die Verabredung zu einem Verbrechen sowie Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Der dritte im Bunde ist der Bruder des 19-Jährigen, er war damals allerdings erst 13 Jahre alt und damit strafunmündig. Er war nun lediglich als Zeuge zur Verhandlung geladen.

Die genauen Hintergründe blieben im Detail zwar unklar, offenbar sollte die verabredete „Massenschlägerei“ aber ein Racheakt für eine Attacke am Rande des Lullusfests 2019 sein, mit der die Angeklagten selbst jedoch gar nichts zu tun hatten.

Zu der „Operation Parkhaus“ habe man sich unter anderem in einer größeren Whatsappgruppe verabredet, allerdings lief anscheinend nicht alles wie geplant, sodass letztlich nur die drei Genannten übrig blieben, die in der Innenstadt auf eine ihnen unbekannte sieben- bis achtköpfige Gruppe trafen. Vereitelt wurde der weitere Verlauf dann eher zufällig von einer Zeugin, die sich einmischte und im Gerangel an der präparierten Mütze des 13-Jährigen schnitt, der anschließend laut eigener Aussage noch ein paar Schläge aus der gegnerischen Gruppe einstecken musste, bevor schließlich auch die Polizei anrückte und die Waffen sicherstellte.

Die beiden Angeklagten räumten die Vorwürfe im Wesentlichen ein, bestritten aber, dass sie mit den Waffen gezielt jemanden verletzen wollten. Diese habe man nur zur Sicherheit dabei gehabt, falls auch die anderen bewaffnet gewesen seien. Der 19-Jährige gab an, nur mitgegangen zu sein, um auf seinen jüngeren Bruder aufzupassen, der 17-Jährige wollte so endlich Freunde finden.

Verwarnt wurden beide letztlich wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die Verabredung zum Verbrechen war nicht eindeutig nachzuweisen gewesen und auch mit Blick auf den anderen Anklagepunkt eingestellt worden. Der 17-Jährige muss zudem eine Anti-Aggessionstrainung und fünf Gespräche bei der Jugendhilfe im Strafverfahren absolvieren. Für den 19-Jährigen wurde als pädagogische Maßnahme eine Betreuung über ein Jahr angewiesen. Das Urteil wurde mit Einverständnis der Verteidiger sofort rechtskräftig. „Ich bin guter Hoffnung und froh, dass nicht mehr passiert ist“, so Richterin Kilian-Bock in Richtung der bisher nicht einschlägig vorbelasteten jungen Männer. Die Waffen hätten schwere Verletzungen verursachen können.

Zwei unentschuldigt nicht erschienenen Zeugen droht ein Ordnungsgeld. (Nadine Maaz)

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