Wohnungen 15 Prozent teurer als 2014

Mietpreise im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind deutlich gestiegen

Hersfeld-Rotenburg – Die Mietpreise im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind zwischen 2014 und 2018 im Schnitt um 15 Prozent gestiegen.

Das geht aus einer Statistik hervor, die die empirica-systeme GmbH erstellt hat. In den Städten Bad Hersfeld und Bebra kostet der Quadratmeter Kaltmiete rund 20 Prozent mehr als vor vier Jahren, in Ludwigsau liegt die Steigerung gar bei 33 Prozent. 

Mit 22 Prozent ist auch Wildeck vorne dabei. „Es gibt viele Leute von außerhalb, die hier herziehen. Durch die Autobahnanbindung hat Wildeck vor allem für Pendler eine gute Lage“, sagt Bürgermeister Alexander Wirth. Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling wertet die große Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt als „deutlichen Beleg dafür, dass Bad Hersfeld ein sehr attraktiver Wohnstandort ist“. Ebenso argumentiert Wirth.

Wohnen ist in Nordhessen außerhalb von Stadt und Landkreis Kassel laut der Statistik in Hersfeld (6,50 Euro) am zweitteuersten – hinter Hauneck (6,87 Euro). Der dortige Bürgermeister Harald Preßmann hält diese Angabe allerdings für unrealistisch. 

Lars Weishaar vom Rotenburger Unternehmen Barwich Bau, das unter anderem in Bad Hersfeld sehr aktiv ist, sagt: „Es gibt so gut wie keinen Leerstand. Viele sind auf der Suche nach komfortablen Wohnungen. Wenn was Neues gebaut wird, gibt es einen großen Ansturm.“ 

Drei Gemeinden unseres Landkreises stechen in der Statistik besonders heraus: Ludwigsau ist von 112 nordhessischen Kommunen, für die Vergleichwerte von 2014 und 2018 vorliegen, nach Knüllwald die mit der zweitgrößten Preissteigerung. Schenklengsfeld (minus 8,3 Prozent) und Alheim (minus 2,0) sind zwei von nur vier Kommunen, in denen der Quadratmeter im Durchschnitt günstiger geworden ist. Mit 4,40 Euro Kaltmiete ist Schenklengsfeld die sechstgünstigste der nordhessischen Kommunen. 

Hintergrund

So wurden die Daten erhoben

Die angegebenen Mietpreise speisen sich nach Angaben der empirica-systeme GmbH aus einer kontinuierlichen und flächendeckenden Erhebung von Inseraten privater, gewerblicher, öffentlicher und geförderter Immobilienmarktakteure. Berücksichtigt werden alle öffentlich verfügbaren Quellen in Internet- und Printmedien. In den Stichproben werden sowohl Angebote hochwertiger Neubauwohnungen als auch unsanierter Altbaubestände erfasst. Weitere Informationen: www.empirica-institut.de (mad)

„Staat müsste sozialen Wohnungsbau fördern“

 Die stark gestiegenen Mietpreise überraschen die Bürgermeister der Kommunen des Landkreises nicht. Auch in den kleineren Kommunen, für die keine Durchschnittswerte vorliegen, ist die Nachfrage deutlich gestiegen, bestätigt Nentershausens Bürgermeister Ralf Hilmes unserer Zeitung.

Auffälligkeiten des Mietmarktes:

Teures Bad Hersfeld

Bad Hersfeld ist die teuerste Kommune Nordhessens außerhalb von Stadt und Landkreis Kassel (wenn man davon ausgeht, dass die Daten für Hauneck nicht repräsentativ sind – siehe rechts). „Als ich 2011 ins Amt kam, saßen Eigentümer bei mir und beklagten das Überangebot an Wohnungen. Es lohnte sich nicht, zu investieren und zu sanieren, weil der Eigentümer die Investitionen auf Jahre nicht erwirtschaften konnte“, sagt Bürgermeister Thomas Fehling. Nun sei das Pendel stark in die andere Richtung ausgeschlagen. Trotz Baugenehmigungen für 450 neue Wohnungen in den vergangenen acht Jahren lasse der Nachfragedruck nicht nach. „Es herrscht in Bad Hersfeld zwar keine Wohnungsnot, aber man muss zuweilen schon geduldig suchen. Freier Wohnraum ist meist schnell wieder vermietet oder verkauft.“

Falsche Zahlen?

Die Angaben der empirica systeme GmbH werden von Bürgermeistern und Akteuren des Wohnungsmarktes durchweg als plausibel beschrieben – mit Ausnahme von Hauneck, das laut der Statistik mit 6,87 Euro teurer sein soll als Hersfeld. „Der Wert ist zu hoch. Auch bei uns ist Wohnraum gesucht, keine Frage. Die Preise liegen aber im Altbau bei 4 bis 4,50 Euro und im Neubau bei 5 bis 5,50 Euro“, sagt Bürgermeister Harald Preßmann. Eine Ausnahme sei das Betreute Wohnen – doch selbst da liege der Preis mit 6,50 Euro unter dem von empirica errechneten Durchschnitt.

Preise sinken

Laut Statistik war Wohnen in Alheim und Schenklengsfeld 2018 günstiger als 2014 – das ist nur in zwei weiteren von 112 Kommunen, für die die Werte vorliegen, der Fall. Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke und Schenklengsfelds Erster Beigeordneter Gunter Rexroth glauben, dass das daran liegt, dass es in beiden Gemeinden sehr viele langläufige Mietverträge gibt.

Sozialwohnungen

„Wir kämpfen um jede Wohnung, die für einkommensschwache Menschen zur Verfügung steht“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Allerdings: Nach einer gewissen Frist endet für Sozialwohnungen, die einst mithilfe von Steuergeldern gebaut wurden, die Zweckbindung. Dann können sie privatisiert werden. In Rotenburg gibt es derzeit noch 430, in Hersfeld sind es 615. Einer der größten Anbieter für solche Wohnungen, für die man einen Berechtigungsschein braucht, ist im Landkreis mit 559 Wohnungen die Wohnstadt/Nassauische Heimstätte. „Alle Belegungsbindungen, die bis Ende 2023 auslaufen, werden von uns freiwillig verlängert“, sagt Sprecher Frederik Lang. Dennoch: Die Zahl der Sozialwohnungen ist in den vergangenen Jahren gesunken, sagen mehrere Bürgermeister.

Bebra hat zugelegt

Wohnen ist in Bebra mittlerweile teurer als in Rotenburg – eine logische Konsequenz der neuen Wohnungen in Bebras Innenstadt, sagen beide Bürgermeister. „Um Preise um fünf Euro pro Quadratmeter zu erreichen, müsste der Staat sozialen Wohnungsbau wieder mehr fördern. Das ist Jahre lang vergessen worden. Da ist die Bundesregierung gefragt“, sagt Uwe Hassl.

33 Prozent Steigerung

Mit 32,8 Prozent hat Ludwigsau den größten Preisanstieg aller nordhessischen Kommunen nach Knüllwald (34.2 Prozent) zu verzeichnen. Bürgermeister Wilfried Hagemann sind die Informationen zur Datenerhebung allerdings zu vage, um die Angabe zu kommentieren.

Quadratmeterpreise im Kreis Hersfeld-Rotenburg und in Nordhessen

Kaltmiete 2018 in Euro pro Quadratmeter (Veränderung im Vergleich zu 2014) Hauneck: 6,87 Euro (2014 keine Angabe

Bad Hersfeld: 6,49 Euro (+19.1 %)

Ludwigsau: 5,79 Euro (+32.8 %)

Wildeck: 5,56 Euro (+21,7 %)

Bebra: 5,46 Euro (+20,8 %)

Niederaula: 5,42 Euro (+14,8 %)

Rotenburg: 5,39 Euro (+10,5 %)

Kirchheim: 5,33 Euro (+ 8,1 %)

Heringen: 5,18 Euro (+11,6 %)

Neuenstein: 5,05 Euro (+ 7,9 %)

Alheim: 5,02 Euro (- 2,0 %)

Philippsthal: 4,88 Euro (2014 keine Angabe)

Schenklengsfeld: 4,41 Euro (- 8,3 %)

Es liegen die Preise von 2018 für 123 der 143 Kommunen der Landkreise Hersfeld-Rotenburg (5,49 Euro im Schnitt), Werra-Meißner (4,95 Euro), Waldeck-Frankenberg (5,20 Euro), Schwalm-Eder (5,31 Euro), sowie Landkreis (6,47 Euro) und Stadt Kassel (7,57 Euro) vor. Zu den Kommunen, die fehlen, gehören Cornberg, Nentershausen, Breitenbach/Herzberg, Friedewald, Haunetal, Hohenroda und Ronshausen. Der Grund: empirica gibt erst ab einer bestimmten Fallzahl Durchschnittswerte an. 

Die teuerste Kommune Nordhessens ist Kassels Stadtteil Bad Wilhelmshöhe mit 8,65 Euro. Die teuerste Kommune, die nicht zur Stadt Kassel gehört, ist auf Platz 13 Vellmar (7,19 Euro). 

Am günstigsten ist Wohnen in der Nordspitze Hessens: In Wahlsburg (3,94 Euro) und Trendelburg (4,05 Euro), nördlich von Hofgeismar. Auf Platz drei: Waldkappel (4,16 Euro). Weitere Beispiele: Melsungen (6,39 Euro), Korbach (5,55 Euro), Knüllwald (5,22 Euro – mit 34,2 Prozent der größte Anstieg aller erfassten Kommunen), Oberaula (5,12 Euro), Eschwege (5,06 Euro), Homberg (5,05 Euro), Spangenberg (5,01 Euro), Wehretal (4,93 Euro), Morschen (4,88 Euro), Sontra (4,55 Euro). 

Zeit Online hatte zuerst berichtet anhand der Zahlen der empirica-systeme GmbH. Die Zeit hat für die Mietbelastung einen Anteil von 20,0 Prozent am Nettoeinkommen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg errechnet. Das ist mehr als in Vogelsberg (18,1), Schwalm-Eder (18,7) und Werra-Meißner (19,2), aber weniger als in Wartburgkreis (20,1), Kreis Kassel (20,3), Fulda (20,8), Stadt Kassel (26,5) und Frankfurt (34,5). (czi

VON CHRISTOPHER ZIERMANN

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