Mit "iD"-Tour in Bad Hersfeld

Michael Patrick Kelly ließ die Stiftsruine beben

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Mit Instrument: Songs aus seinem aktuellen Album "iD" und mehr präsentierte Michael Patrick Kelly in Bad Hersfeld. 

Bad Hersfeld. Die Tribüne war eigentlich überflüssig, denn auf den Stühlen hielt es beim Konzert von Michael Patrick Kelly in der Bad Hersfelder Stiftsruine kaum jemanden.

Mit ihrer „iD-Tour“ machten der Musiker und seine fünfköpfige Band Halt in der Festspiel-Stadt, wobei ein Großteil des Publikums von außerhalb zu kommen schien. In nicht einmal zehn Minuten war das Konzert kurz nach Vorverkaufsstart im Februar ausverkauft gewesen. Kelly schart eine offenbar eingefleischte Fangemeinde um sich, man kennt sich.

Zweieinhalb Stunden inklusive Zugaben feierte das zum Großteil weibliche Publikum unter komplett freiem Himmel, das Mauerwerk in wechselndes Licht getaucht. Nicht einmal zwei Meter von der Bühne entfernt saßen beziehungsweise standen die Zuhörer in der ersten Reihe.

Schon nach den ersten paar Takten hielt es (fast) keinen mehr auf den Sitzen, der obligatorischen Aufforderung „Let me see your hands“ (Lasst mich eure Hände sehen) kamen die Konzertbesucher gerne nach, und man kam kaum umhin, mitzuschunkeln. „Lasst uns den Bürgermeister aus dem Bett holen“, feuerte Kelly die singende und tanzende Masse an.

Beeindruckendes Bild: Auf ihren Stühlen hielt es die meisten Besucher beim Konzert von Michael Patrick Kelly in der Stiftsruine nur kurzzeitig. Auch auf den Wiesen neben der Ruine gab es am Montagabend kaum noch freie Plätze. Hunderte hatten es sich dort mit Decken, Wein und Snacks gemütlich gemacht Fotos: Steffen Sennewald

Der Singer/Songwriter, der schon als Kind auf der Bühne stand und einst mit der gleichermaßen geliebten wie gehassten „Kelly Family“ Erfolge feierte, präsentierte Songs aus seinem aktuellen Album „iD“, aber auch zwei Lieder seiner Kollegen aus der Vox-Sendung „Sing my Song“ Gentleman („Memories“) und Mark Forster („Flüsterton“). Aus dem Radio bekannt sein dürften auch nicht ganz so großen Fans beispielsweise das den Albumtitel liefernde „iD“ und „Roundabouts“. Um drei große Fragen geht es bei „iD“ laut Kelly: who am I, who are you, who are we? (Wer bin ich, wer bist du, wer sind wir?) Ganz in diesem Sinne durfte dann natürlich auch der Welthit „An Angel“ nicht fehlen, den er damals gemeinsam mit seinem Bruder Angelo sang. „Ich stehe zu meiner Vergangenheit“, betonte „Paddy“.

Rockig-poppige Stücke wechselten sich ab mit sanften Balladen. Fiesta-Feeling kam bei „Ares qui“ auf, Fahnen – aus Recklinghausen ebenso wie Südafrika –  wurden bei „Flag“ geschwenkt.

Die Stiftsruine bezeichnete Michael Patrick Kelly als „unglaublichen Ort“, der irgendwie auch gut passte, schließlich hatte sich der Musiker 2004 eine sechsjährige Auszeit im Kloster gegönnt. Fans der ersten Stunde sind Angela Naumann und Sabrina Bölte aus der Nähe von Kassel.

Die beiden haben sich vor über 20 Jahren dank der „Kelly Family“ kennengelernt und sind seitdem befreundet. Acht bis neun Konzerte besuchen sie im Jahr („Unsere Familienauszeit“), Bad Hersfeld war eine Station von vielen. Langweilig wird es den Frauen trotzdem nicht. „Inspirierend“ findet Bölte den Musiker. „Und er sieht einfach gut aus“, meint Naumann.

Für die Simons aus Bad Hersfeld war es ein Familienausflug. Als große Fans durften die neun und zwölf Jahre alten Söhne ausnahmsweise trotz frühen Schulbeginns ihr erstes Konzert erleben. Schlüsselbänder vom Merchandise-Stand bleiben ihnen als Erinnerung.

Tosenden Applaus gab es am Ende, der Boden bebte. Michael Patrick Kelly kommt sympathisch rüber und versteht es ganz offensichtlich, das Publikum mitzureißen. Ein gelungener Auftakt der Festspiel-Konzertreihe. 

Fotos: Fans feiern Michael Patrick Kelly in der Stiftsruine

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