Lullusfest: Schausteller im Porträt

Michael Burghard ist Chef des Riesenrads "Roue Parisienne"

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Der Herr der Riesenräder: Michael Burghard hat zwei dieser Fahrgeschäfte in Betrieb. Beim Lullusfest in Bad Hersfeld ist das Unternehmen zum ersten Mal dabei.

Bad Hersfeld. Das älteste Volksfest der Bundesrepublik trifft den weltältesten Riesenradbetrieb – passender könnte die Kombination nicht sein, die es auf dem Lullusfest gibt.

Nach der kurzfristigen Absage des „Bellevue“ (wir berichteten) dreht auf dem Lollsmarkt ein neues Rad seine Runden: Das „Roue Parisienne“ und sein Betreiber Michael Burghard feiern ihre Lollspremiere.

In Bad Hersfeld war er bisher noch nie, doch vom Lullusfest hat der Schausteller schon so einiges gehört: Es sei bekannt wie ein Donnerhall und habe in der Branche einen sehr guten Ruf. Auch aus privaten Erzählungen kennt er das Fest. Seine Eltern seien vor etwa 20 Jahren mit ihrer Geisterbahn schon einmal da gewesen.

Burghard ist in Soest geboren und stammt aus einer Schaustellerfamilie. Er ist praktisch auf der Geisterbahn aufgewachsen und war von klein auf dem Rummel dabei. Genau wie er hat auch seine Frau Susanne das Schaustellerleben im Familienbetrieb gelernt. In diesen stieg der 52-Jährige dann auch irgendwann ein und übernahm ihn schließlich vom Schwiegervater.

Mit dem „Roue Parisienne“, dem größeren seiner zwei Räder, ist Burghard fast das gesamte Jahr auf Tour. Die Saison startet Mitte März im Ruhrgebiet und endet in der Regel Silvester am Brandenburger Tor. 18 bis 20 Veranstaltungen besuche er jährlich mit dem Riesenrad. Dass er sein Haus in Dortmund daher manchmal monatelang nicht sehe, sei für ihn nicht ungewohnt.

„Es ist schon ein schwieriges Leben“, meint der Schausteller und zeigt sich auch als Freund kritischer Worte. Durch Ereignisse wie das Loveparade-Unglück oder Unfälle irgendwo auf der Welt sieht er seinen Berufsstand mit immer mehr Reglementierungen konfrontiert. Der Staat, so sagt er, würde vieles kontrollieren, gebe aber oftmals wenig Gegenleistung zurück.

Wenn er über Auflagen, Sicherheitsvorkehrungen oder Ähnliches spricht, liegt in der Stimme des sonst so lockeren Westfalen auf einmal jede Menge Ernst. „Wir reglementieren in Deutschland alles kaputt“, mahnt er. „Die Schraube muss dringend ein Stück zurückgedreht werden.“ Um in diesen Punkten zumindest ein wenig Einfluss zu nehmen, übernimmt er daher auch im Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute einen wichtigen Posten: Als Bundesfachberater für Fahrgeschäfte führt er Verhandlungen mit dem TÜV.

Trotz Phasen, „in denen man sagt: Jetzt reicht’s!“, habe sein Beruf aber natürlich auch schöne Seiten. „Wir sind sehr frei, kommen viel rum – das hat auch seine Vorteile.“ Zudem sei da natürlich die Tradition. Und die sei wichtig, sagt er nicht ohne Stolz: „Wir betreiben seit 140 Jahren Riesenräder und sind über all die Jahre dabeigeblieben.“

Burghard leitet den Betrieb momentan in der fünften Generation – und mit seinem Sohn, der beim Lullusfest ebenfalls mitarbeitet, steht möglicherweise die sechste bereit. Nach Internatsbesuch und Abitur standen für den Junior beruflich die Türen offen, doch auch er hat sich – zumindest vorerst – für das Riesenrad entschieden. Trotz aller aktuellen Bedenken ist der Vater über diese Entscheidung froh. „Ich bin ja hoffnungsloser Optimist“, sagt er. „Und alles, was heute von der Politik schlecht entschieden wird, kann man morgen durch eine andere Entscheidung kippen.“ (km)

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